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49 % Schwarzmarkt-Anteil: Gefahr durch Casino-Regulierung

Sabina Kugler, 30. April 2021, Wirtschaft

Glücksspiel-Statistik (Bildquelle)

Neue Glücksspiel-Regeln stehen vor der Tür. Eigentlich will der Staat damit den Schwarzmarkt austrocknen. Dafür sollen Online-Casinos und Poker-Spiele, die bisher als illegal galten, legalisiert werden. Aktuell finden sich diese noch in einer Duldungsphase. Doch ab dem 1. Juli 2021 greift der neue Glücksspielstaatsvertrag. Hier sollten Spieler und Glücksspielanbieter gemeinsam aufatmen können. Doch ganz so ist es nicht. Denn der Staat öffnet den Markt nicht nur, er reguliert ihn auch. Dass ist sein gutes Recht. Und es ist auch richtig so. Doch an der Art und Weise gibt es durchaus Kritik. Und jetzt ist obendrein das Ergebnis einer Studie erschienen. Angeblich entwischen mit der geplanten Regulierung 49 % der Glücksspiel-Kunden zum Schwarzmarkt.

Diese Prognose wäre der Super-Gau und obendrein ein Schlag ins Gesicht der Politiker, welche sich über Jahre um die Glücksspielregulierung bemüht haben. Bevor wir uns jedoch mit den Ergebnissen der Studie befassen, wollen wir erst einmal darauf schauen, wer dieses Wert in Auftrag gegeben hat. Dabei handelt es sich nämlich um Flutter Entertainment, Entain plc und Greentube Internet Entertainment Solutions GmbH. Diese Unternehmen stehen beispielsweise hinter PokerStars, Bwin und Novomatic. Daher ist diesen Firmen auch ein gewisses Eigeninteresse zu unterstellen. Die Forschung selber wurde jedoch von Goldmedia im Auftrag durchgeführt.

Warum sollten 49 % der Glücksspieler in den Schwarzmarkt abwandern?

Was ist laut Definition überhaupt der Schwarzmarkt? Im Fall der Online-Casinos betrifft dies im Prinzip jede Spielbank, die nicht vom deutschen Staat mit einer Lizenz ausgestattet ist. Aktuell und noch bis zum 1. Juli 2021 mindestens trifft dies übrigens auf jedes Casino im Internet zu. Doch dank der Duldung brauchen sich die Anbieter keine Gedanken zu machen. Doch ab Mitte des Jahres wird es Anbieter geben, die sich um eine deutsche Konzession bewerben. Und es wird solche geben, die bewusst darauf verzichten und eine Sperre in Kauf nehmen. Die Rede ist von einer Blockierung der Domain. Die Homepage könnte dann von Deutschland aus nicht mehr aufgerufen werden – beziehungsweise nur noch über Umwege (VPN). Wenn sich die Prognose von Goldmedia bewahrheitet und knapp 50 Prozent der Spieler in den Schwarzmarkt abwandern sollten, dann würde sich eine Lizenzierung – die natürlich ebenfalls Geld kostet – für die Glücksspielunternehmen nicht lohnen.

Doch noch sind wir noch gar nicht zu dem Grund gekommen, warum eine massenweise Abwanderung der Kunden in den Schwarzmarkt vonstattengehen sollte. Hier kommt laut der Studie die neue Einsatzsteuer ins Spiel. Denn 5,3 Prozent der Einsätze soll das Unternehmen zusätzlich als Steuer an den Staat abführen. Allerdings werden die Online-Casinos ihre Gewinnmarge dabei nicht verringern wollen. Folglich gilt es im Umkehrschluss die Gewinnchance der Spieler zu reduzieren. Hierbei ist von der Auszahlungsquote oder vom Return to Player die Rede. Dieser Wert beschreibt, wie viel Prozent des Einsatzes im Durchschnitt wieder an den Kunden ausgeschüttet wird. Je nach Spiel liegt dieser Wert aktuell meist zwischen 92 und 99 Prozent. Doch wegen der Steuer würde hier eine Reduzierung um durchschnittlich 5,3 Prozent stattfinden. Und deshalb sind die nicht regulierten Angebote für Spieler dann interessanter bzw. lohnender.

Vergleich mit Sportwetten-Steuer: Hier liegt die Besteuerung bei 5 % und die Kunden nehmen das Angebot trotzdem an.

Weitere Gründe für eine explosionsartige Entwicklung auf dem Schwarzmarkt

Befeuert Regulierung den Schwarzmarkt? (Bildquelle)

Jetzt wollen wir mit zu den Fakten kommen, welche in der Studie von Goldmedia genannt sind. Dort ist nämlich genannt, dass die Auszahlungsquoten bei den Spielern von Automaten wichtiger einzustufen sind, als eine Lizenzierung. Dadurch soll der Anteil an Spielern, die auf dem regulierten Markt tätig sind, um 30 Prozentpunkte fallen. Schon jetzt sind Glücksspieler auf dem Schwarzmarkt aktiv. Prozentual soll der Schwarzmarkt für Casino-Spiele damit auf 49 Prozent ansteigen. Damit liefe die Regulierung in Deutschland knapp an der Hälfte aller Casinokunden vorbei. Tatsächlich ist es aktuell so, dass von 450 deutschsprachigen Online-Casinos sich 400 Stück aktuell nicht an die rechtlich geplanten Vorgaben halten. Dabei spielen wir auf das Einzahlungslimit (1.000 Euro) oder auf die Beschränkung des Spielangebots (auf Automaten) an.

Dass ist ein weiterer, wichtiger Punkt. Denn Stand jetzt sind Live-Casinos bei den Unternehmen in der Zukunft untersagt. Gleiches gilt für Jackpot-Spiele. Diese sollen vermutlich den landbasierten Spielbanken vorbehalten bleiben. Durchaus möglich, dass die Bundesländer diesbezüglich sogar eigene Regeln erlassen. Doch ohne Hauptgewinne und ohne Live-Casino fehlen Reize. Und wir reden hier von Reizen, die es im nicht regulierten Bereich weiterhin gibt. Daher werden weitere Kunden in die Illegalität abwandern.

Ein dritter Aspekt ist ebenfalls von Bedeutung – besonders für Neukunden. Wer eine Lizenz aus Deutschland haben und damit den Schwarzmarkt verlassen will, der muss künftig auf Bonusangebote verzichten. Doch verliert das Online-Casino ohne Freispiele und finanzielle Anreize weiter an Attraktivität. Dabei ist es unwahrscheinlich, dass die Kunden dann das Casino nicht einfach wechseln. Sie suchen sich eines mit entsprechenden Offerten. Und Fündig wird der findige Spieler erneut abseits der Regulierung.

Wird der Glücksspielstaatsvertrag nachgeschärft? Es ist durchaus möglich, dass noch Änderungen am Glücksspielgesetz folgen. Doch jetzt wird es zum 1. Juli 2021 erst einmal wie beschlossen in Kraft treten.

49 % Schwarzmarkt-Anteil: Gefahr durch Casino-Regulierung 1200 1000 2021-04-30 09:06:09 Online-Casino.de

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