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Berlin peilt Halbierung der Wettbüros an

Dieter Maroshi, 24. April 2020, Sport & Spiel

Beispielhafte Ansicht eines Wettbüros / Shutterstock.com

Was Berlin für Spielhallen längst umgesetzt hat, soll jetzt auf die Wettbüros zukommen. Gemeint sind strengere Vorschriften, welche die Anzahl der Wettetablissements halbieren soll. So lautet zumindest der Plan in der deutschen Hauptstadt. Tatsächlich sind die Weichen gestellt. Mitten in der Gesundheitskrise wurde ein entsprechendes Gesetz erlassen. Und im Gegensatz zu den Spielotheken muss nicht mal eine längere Übergangsfrist gewährt werden. Ändert sich das Stadtbild in Berlin jetzt radikal oder gibt es für die Wettbüros vor Ort noch ein Schlupfloch?

Seit einigen Jahren herrscht ein reger Kampf der Städte gegen Spielhallen und Wettbüros in den Innenstädten und in diversen Stadtbezirken. Ziel ist eine Verschönerung des Stadtbildes und gleichzeitig ein besserer Schutz vor Glücksspielsucht für die Kinder, Jugendlichen und Bürger. Letzteres kann jedoch, in einer Zeit wo das Online-Spiel recht weit verbreitet ist, nur als netter Gedanke abgetan werden. Auf die konkreten Vorgaben der Stadt Berlin möchten wir nachfolgend eingehen.

Berlin erlässt Gesetz mit strengen Regeln für Wettbüros

Für die einen ein netter Zeitvertreib, für andere eine Brutstätte der Illegalität. Doch zumindest auf dem Papier sind Wettbüros ein legales Unternehmen. Natürlich gilt dies nur solange sich an die Vorschriften gehalten wird. Diese zu überwachen ist Aufgabe des Staates und der ausführenden Organe. In Berlin ist es über die vergangenen Jahre gelungen, die Anzahl an Spielhallen von 600 Stück auf 300 zu reduzieren. Regelungen zum Mindestabstand und qualitative Vorgaben haben es möglich gemacht. Und jetzt finden ähnliche Vorschriften auf die Wettbüros in der Stadt Anwendung. Denn der Senat hat das Ausführungsgesetz zum Glücksspielstaatsvertrag mitten in der aktuellen Gesundheitskrise verschärft. Wettbüros fanden sich lange Zeit in einer Art Schwebezustand wieder, der jetzt zumindest in Berlin ein Ende findet. Wir blicken auf die konkreten Vorschriften.

Berlinweit ergab die letzte Zählung eine Menge von 400 Wettbüros. Identisch wie im Spielhallengesetz soll ein Mindestabstand zu Oberschulen und Jugendeinrichtungen (200 Meter), sowie zu anderen Wettbüros (500 Meter) und zu Etablissements des gleichen Unternehmens (2.000 Meter) eingehalten werden. Allein diese Vorschrift soll das Stadtbild säubern. Denn an diversen Orten reihen sich die Wettbüros aneinander. Darüber hinaus gilt künftig für Wettbüros ebenfalls eine Sperrzeit von acht Stunden. Zwischen drei Uhr in der Nacht und elf Uhr am späten Vormittag müssen die Glücksspieltempel geschlossen bleiben. Somit werden die Kunden über einen längeren Zeitraum nach Hause geschickt. Und da die Sperrzeit für alle Etablissements gilt, kann nicht einfach das nächste Wettbüro aufgesucht werden.

Wettbüros aus der Grauzone geholt: Wegen Uneinigkeiten der Bundesländer zum Glücksspielstaatsvertrag fanden sich die Wettbüros lange in einem schwebenden Zustand. Legal waren sie nicht. Doch der Staat hatte keine rechtlichen Mittel an der Hand, um dagegen vorzugehen. Zum Jahresstart 2020 gab es eine vorübergehende Kompromisslösung, die Berlin handlungsfähig gemacht hat.

Hauptstadt Berlin nimmt aktiv Kampf gegen Glücksspiel auf

Berlin erlässt Regeln für Wettbüros / Shutterstock.com

Daniel Buchholz gehört zu den Initiatoren des verschärften Gesetzes. Weiterhin war SPD-Mann schon bei der Verschärfung des Spielhallengesetzes beteiligt. Er sagt: „Gerade dort, wo viele Wettbüros dicht an dicht bestehen, wird die Wirksamkeit des Gesetzes konkret vor Ort zu sehen sein und die Stadt lebenswerter machen.“ Neben der SPD, stimmten auch die Grünen, die Linke und die CDU für die Umsetzung des Gesetzes. Buchholz erwartet jetzt einen ähnlichen Rückgang, wie bei den Spielhallen. Eine Halbierung vorausgesetzt, würden noch ungefähr 200 Wettbüros übrigbleiben. Auf die Spielhallen bezogen, endeten die Lizenzen durchweg im Jahr 2015. Ein Auswahlverfahren siebte die erlaubten Anbieter weiter aus. Kamen mehrere Anbieter in Frage, entschied das Los.

50.000 Berlinerinnen und Berliner gelten als spielsüchtig oder zumindest als gefährdet. Aus diesem Grund möchte die Hauptstadt mehr Geld für Suchtprävention in die Hand nehmen. Das Budget für Forschung, Beratung und Prävention wird in diesem Teilbereich daher von 400.000 auf 600.000 Euro im Jahr erhöht, wie Innensenator Geisel erläutert. Er bringt treffend auf den Punkt, dass es nicht in erster Linie um die Wettbüros selber, sondern um die Menschen der Stadt geht. Laut einer Statistik, welche die Berliner Morgenpost zitiert, investieren die Berliner täglich knapp 600.000 Euro in die Spielautomaten und Wettbüros. Dieser Rückschluss wird aus den Steuereinnahmen in Höhe von 43,6 Millionen Euro im Jahr 2019 gezogen.

Berlin erreicht seine Ziele: Schon 2017 berichteten wir davon, dass in der Hauptstadt die Anzahl der Spielhallen drastisch reduziert werden soll. Diese Zielsetzung wurde erreicht. Bei den Wettbüros könnte es ebenso kommen.

Hilft der Abbau von Wettbüros und Spielhallen gegen Spielsucht?

Wer süchtig ist, der braucht Hilfe. Doch wenn die Offline-Angebote nicht mehr ausreichend verfügbar sind, könnten die Spieler ebenso ins World Wide Web abwandern. Dort soll zwar ab 2021 eine Regulierungsbehörde über die Wettanbieter und Online-Casinos wachen, bislang ist dies jedoch noch nicht der Fall. Derzeit könnten die Spieler daher einfach ihren Computer starten, sich bei einem Anbieter melden und fröhlich weiterzocken. Das Stadtbild von Berlin mag sich verbessern. Doch die Spielsucht ist damit nicht zwingend bekämpft. Der Mensch hat einen natürlichen Spieltrieb. Daher heißt es schon im Glücksspielstaatsvertrag, dass dieser in natürliche Bahnen zu lenken ist.

Berlin peilt Halbierung der Wettbüros an 1200 1000 2020-04-24 10:34:45 Online-Casino.de

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