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Buchhalter leitet Geld für Casinos-Spiele auf eigenes Konto um

Christian Webber, 13. November 2017, Recht & Gesetze

Urteil im Betrugsfall steht noch aus (Bildquelle)

Ein Buchhalter der saarländischen Wochenblatt Verlagsgesellschaft hat über neun Jahre lang Geld von seinem Unternehmen abgezweigt. Sein Vorgehen, mit dem er Vorgesetzte täuschte und unter dem Radar der Bankenkontrolle blieb, sorgte für einen Schaden in Höhe von über 1,4 Millionen Euro bei seinem Arbeitgeber. Der Grund: Er hat das Kapital für Spiele in einem Online-Casino benötigt.

Inzwischen ist der Buchmacher natürlich seines Postens enthoben und wegen Betruges angeklagt. Ein Schuldspruch steht außer Zweifel, da der Angeklagte geständig ist. Wie es zu dem Millionenbetrug kam und welche Rolle seine Vorgesetzten und die Bankenaufsicht dabei gespielt hat, wollen wir nachfolgend darlegen.

So täuschte der Buchmacher seine Vorgesetzten

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind soweit abgeschlossen. Inzwischen ist bekannt, dass eine Summe von 1,4 Millionen Euro allein im Zeitrahmen von 2012 bis 2017 abgezweigt wurde. In diesem Rahmen konnten 106 Fälle ermittelt werden, wo das Geld des Unternehmens auf Konten des Buchhalters floss. Allerdings geht der Betrug tatsächlich noch weiter, bis in das Jahr 2008 zurück. Daher ist anzunehmen, dass der entstandene Schaden weit über die bekannten 1,4 Millionen Euro hinausgeht.

Aber wie kann ein Angestellter, der innerhalb eines Unternehmens mit größeren Summen umzugehen hat, über Jahre mit einem Betrug durchkommen? Einerseits war dies möglich, weil seine Arbeit keiner steten Kontrolle unterlag. Für entsprechende Transaktionen waren jedoch zwei Unterschriften nötig. Eine davon kam immer von seinem Vorgesetzten. Der Buchhalter verwendete einen einfachen Trick. Er setzte seinem Chef immer gleich einen ganzen Stapel Rechnungen zum Unterschreiben vor. Darunter befanden sich auch die fiktiven Forderungen, welche auf eines von zwei angelegten Konten des Beschuldigten führten.

Die Anklage bezieht sich lediglich auf die Jahre 2012 bis 2017, da der Betrug im Zeitraum von 2008 bis einschließlich 2011 bereits verjährt ist.

So umging der Buchmacher der Bankenkontrolle zur Geldwäsche

Ein weiteres Kontrollorgan konnte problemlos und weniger riskant umgangen werden. Gemeint sind die Geldinstitute. Diese sind zwar zu einer Kontrolle bezüglich Geldwäsche berechtigt, gehen dieser Tätigkeit aber erst ab einem Betrag von 20.000 Euro und höher nach. Der Angeklagte zweigte monatlich knapp weniger als 20.000 Euro ab und konnte so einer genaueren Überprüfung umgehen. Auch die Anzeige wegen Geldwäsche blieb entsprechend aus.

1,4 Millionen Euro wurden innerhalb von fünf Jahren hinterzogen. Vier Jahre zuvor hat der Betrug jedoch bereits begonnen. Hat der ehemalige Buchhalter monatlich einen konstanten Betrag unterschlagen, so beziffert sich der entstandene Schaden auf weitere 1,12 Millionen und somit insgesamt auf 2,52 Millionen Euro.

Der Angeklagte ist geständig und hat seine Tat eingeräumt. Wohin das Geld geflossen ist? Laut eigenen Angaben brauchte er das Guthaben, um Casino-Spiele in einer virtuellen Spielbank zu spielen. Die Spielsucht ist im Juli dieses Jahres aufgefallen, nachdem der Buchhalter aus dem Urlaub kam.

Vor der Verurteilung: U-Haft, Rückzahlung und Spielsucht

Vor dem Urteil: Medizinisches Gutachten einholen (Bildquelle)

Bevor das Gericht zusammenkommt und ein Urteil auf Basis der Fakten sprechen kann, müssen diese zunächst vervollständigt werden. Aktuell sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft. Denn bei der Höhe der unterschlagenen Summe besteht Fluchtgefahr. Zudem ist eine Frau eine Kubanerin, so dass einer Auslandsreise nur wenig im Wege gestanden hätte. Eine polizeilich durchgeführte Hausdurchsuchung hat bereits ein Flugticket nach Kuba, welches auf seine Frau ausgestellt ist, ans Licht gebracht.

Aus Sicht des Unternehmens stellt sich die Frage, ob zumindest ein Teil des Kapitals wieder in die Firma zurückfließen wird. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist dies jedoch eher unwahrscheinlich. Denn bei der Durchsuchung konnten keine Wertgegenstände sichergestellt werden. Der 47-jährige ehemalige Buchmacher bewohnt zudem ein Haus, welches mit einem Darlehen belastet ist. Weitere Besitztümer sind aktuell nicht bekannt. Der Angeklagte gab es das Geld in einem Online-Casino verspielt zu haben.

Dementsprechend wird ein Gutachten klären müssen, ob eine Spielsucht vorlag. Hierbei spielt die Höhe des verspielten Geldes keine Rolle. Im BGH Urteil mit Aktenzeichen 2 StR 297/12, ein Fall wo der Angeklagte ältere Damen betrogen hat um seiner Spielsucht nachzugehen, wurde die Schuldunfähigkeit wegen Spielsucht geprüft und abgewiesen. Da es sich nicht um eine seelische Störung handelte, kamen weder die verminderte, noch die vollständige Schuldunfähigkeit in Frage. Bevor ein Urteil gefällt wurde, musste auch hier ein medizinisches Gutachten eingeholt werden.

Ob dem angeklagten Buchhalter anhand eines medizinischen Gutachtens wegen Spielsucht eine eingeschränkte Schuldfähigkeit zugestanden wird, ist noch offen.

Diese Symptome weisen möglicherweise auf eine Spielsucht hin

Bei Alkohol und Drogen gibt es Tests, welche einen zweifelsfreien Nachweis über eine Abhängigkeit erbringen. Eine Spielsucht ist für Außenstehende weniger offensichtlich. Stimmungsschwankungen sind jedoch ein Anzeichen. Innerhalb des Freundeskreises oder bei Familienmitgliedern wird sich Geld geliehen und in der Regel nicht zurückgezahlt. Lügen führen dazu, dass das Spielen zunächst geheim bleibt. Gleichzeitig hat der Betroffene nur selten Zeit für Familie und das soziale Umfeld.

Eine Selbstüberprüfung kann anhand folgender Frage erfolgen. Besteht ein Drang immer wieder spielen zu müssen? Ist es schwer, nachdem das Glücksspiel begonnen hat, wieder damit aufzuhören? Tritt die Erregung nur ein, wenn die Einsätze immer weiter gesteigert werden? Ist der Spieler gereizt, wenn er längere Zeit nicht spielen darf? Wird auch weiterhin gespielt, obwohl die Folgen absehbar sind? Wird erwogen auf illegalem Wege Geld für das Glücksspiel zu beschaffen? Müssen mehrere dieser Fragen bejaht werden, so ist eine Spielsucht wahrscheinlich.

Mobiles Spielen: Auch die stetige Erreichbarkeit von Online-Casinos ist nicht hilfreich. So hat die Spielsucht beim mobilen Glücksspiel zuletzt zugelegt.

Buchhalter leitet Geld für Casinos-Spiele auf eigenes Konto um 300 250 2017-11-13 15:26:05 Online-Casino.de

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