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Buchmacher verleiten Schuldner mit Krebstherapie zum Spielen

Dieter Maroshi, 15. September 2017, Wirtschaft

Casino Besuch: Gewinn und Verlust liegen nah beieinander (Bildquelle)

Meldungen wie diese tragen zum schlechten Ruf einiger Glücksspiel-Anbieter im Web bei. Inzwischen findet eine derart aggressive Werbung statt, die nicht einmal bei den Gefühlen von Krebs-Patienten halt macht. Dort werden Gewinnmeldungen von verschuldeten Personen herausgegeben, die mit dem neu gewonnenen Reichtum nicht nur ihre Kredite zurückzahlen, sondern sogar die Behandlungskosten des Ehepartners bezahlen konnten. 888, Ladbrokes, SkyBet und Casumo steht wegen solcher Meldungen nun Ärger ins Haus.

Freilich sollte es jedem rational denkenden Menschen bewusst sein, dass Glücksspiel keine Garantie auf einen Gewinn bietet. Wer jedoch in Sorge wegen dem Krankheitszustand eines geliebten Menschen ist, denkt nicht immer rational. Die genannte Werbung geht sogar noch einen Schritt weiter und spielt auf Schulden an. Sollen die Beworbenen sich etwa verschulden, um spielen zu können und eine minimale Chance auf finanzielle Sicherheit zu erlangen?

Fake-News: William ist verschuldet und gewinnt 700.000 Pfund

Diese Werbeannoncen spielen mit der Leichtgläubigkeit der Menschen. Schlimmer noch, es werden die geplagten Gefühle echter Personen ausgenutzt, um einen eigenen Vorteil aus deren schlimmer Lage zu ziehen. In einem konkreten Fall geht es um das Krebsleiden einer Frau und deren verzweifelten Mann, der die Kosten für die Behandlung nicht bezahlen kann.

„William“ hat Schulden von 130.000 Pfund. Obwohl er sein Haus verkauft hat, um die Behandlungskosten seiner Krebskranken Frau zu bezahlen, kam er auf keinen grünen Zweig. Über Facebook wollte er von Zustand seiner Frau berichten. Dort sah er eine Werbung von SkyBet. Er entschließt sich zu einer Anmeldung und kurze Zeit später gewinnt er 700.000 Pfund. Alle seine Sorgen haben sich verflüchtigt.

So oder so ähnlich lauten die Fake-News, welche in den vergangenen Tagen im Umlauf sind. Bislang erstreckt sich das Phänomen auf den englischen Sprachraum. Freilich wird es keinen „William“ geben. Die Möglichkeit bei Wettanbietern und Online-Casinos viel Geld zu gewinnen, ist ohne Zweifel gegeben. Die Chance ist jedoch gering. Entsprechende Meldungen säen jedoch Zweifel: Vielleicht gibt es doch einen einfachen Weg. Die Ernüchterung wird jedoch für fast alle Spieler eintreten. Verluste vergrößern sich und für das Leid der Familie wäre noch weniger Geld vorhanden.

Was sind Fake News? Als Nachrichten getarnte Werbung!

Eines muss verdeutlicht werden. Wir sprachen bislang bewusst von Werbung. Das perfide an dieser Geschichte ist jedoch, dass diese Annoncen als Nachrichten getarnt ihren Weg in das World Wide Web finden. Unerfahrene Internetnutzer, leichtgläubige Menschen oder verzweifelte Personen, die sich an jeden Strohhalm klammern wollen, sehen darin einen Ausweg. Tatsächlich sind diese Fake News aber lanciert. Das bedeutet, die „Nachrichten“ wurden in Auftrag gegeben und sind in der Regel so nie passiert. Die Verbreitung der Fake News findet hauptsächlich viral, also über soziale Netzwerke, statt. Einige dieser Meldungen sind sehr glaubwürdig verfasst, so dass diese unabsichtlich und ohne genauere Überprüfung bereits von Journalisten aufgegriffen worden sind.

Fake-News im Duden: Die deutsche Rechtschreibung hat den Begriff aufgenommen und beschreibt ihn als „in den Medien und im Internet, besonders in den Social Media, in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldung.“

Britische Werbeaufsicht hat Ermittlungen aufgenommen

Diese Art der unlauteren Werbung bleibt nicht unter dem Radar der britischen Werbeaufsicht. Diese hört auf den Namen Advertising Standards Authority (ASA) und hat bereits auf die Problematik hingewiesen. Auch Politiker und Behörden haben sich zu Wort gemeldet. Tom Watson als Vorsitzender der Labour Party sagt: „Die Glücksspiel-Kommission muss gegen die Nutznießer dieser ekelerregenden Werbungen Konsequenzen einleiten, um klarzustellen, dass Ähnliches nicht mehr passieren darf.“ Inzwischen ist ein Verfahren eingeleitet worden. Es bleibt jedoch abzuwarten, wer bestraft wird. Entsprechende Fake News sind mit den Namen der Glücksspielanbieter 888, SkyBet, Casumo und Ladbrokes geschaltet worden. Eben diese Buchmacher und Online-Casinos verweisen jedoch auf ihre Affiliate-Partner und meinen, für diese Art der Werbung nicht verantwortlich zu sein.

Ebenfalls abgestraft: Der Anbieter Lottoland wurde von der ASA bereits Anfang des Jahres wegen unlauterer Werbung zur Verantwortung gezogen. Die Betreiber legten hier eine Lotterie nahe, dabei handelte es sich um ein Glücksspiel.

Die Wettanbieter oder die Affiliate-Partner: Wer hält den Schwarzen Peter auf der Hand?

Droht den 888 Holdings die nächste Geldstrafe?

Was sind überhaupt Affiliates? Es handelt sich um Werbepartner. Angenommen ein Glücksspiel-Unternehmen vertreibt Sportwetten. Es handelt sich um eine Dienstleistung, die Dritte auf ihrer Homepage bewerben dürfen. Für gewöhnlich wird diesbezüglich ein Mehrwert geboten und anschließend auf den Partner verwiesen. Eigentlich eine Win-Win-Win-Situation. Denn der Anbieter selber steigert seine Einnahmen. Der Affiliate Partner verdient am vermittelten Gewinn. Und der Spieler bekommt nähere Informationen über das Angebot. Das Konzept wird jedoch konterkariert, durch die Veröffentlichung von Fake-News. Denn hier steht kein Mehrwert im Blickpunkt, sondern eine Falschmeldung, die zu einer Anmeldung verleiten soll. Die Glücksspiel-Unternehmen sehen die Schuld bei den Affiliates. Allerdings werben diese für die Dienstleister, wenn auch auf eigenständiger Basis. Politiker Watson sieht die Verantwortung bei den Glücksspiel-Anbietern: „Auch wenn die Werbung von Affiliates vertrieben wird, liegt es ausschließlich in der Verantwortung der Unternehmen, dessen Produkt verkauft wird.“ Es bleibt abzuwarten wie die ASA entscheidet. Für die 888 Holdings wäre es die zweite Geldstrafe innerhalb kürzester Zeit.

Buchmacher verleiten Schuldner mit Krebstherapie zum Spielen 300 200 2017-09-15 16:33:23 Online-Casino.de

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