Aktuelle Casino Nachrichten für Deutschland
Recht & Gesetze, Sport & Spiel, Steuern, Technik, Unterhaltung und Wirtschaft

Casinos Austria: Dient der Stellenabbau nur den Aktionären?

Dieter Maroshi, 28. September 2020, Wirtschaft

Lassen sich bei Casinos Austria Kündigungen verhindern? / Shutterstock.com

Bis zu 600 Mitarbeiter stehen bei den Casinos Austria auf der Streichliste. Wie viele Personen tatsächlich ihren Hut nehmen, ist jedoch noch unklar. Denn dank ausgefeilter Teilzeit-Modelle soll eine große Kündigungswelle vermieden werden. Kürzlich meldete sich jedoch der Betriebsrat in Form von Manfred Schönbauer zu Wort. Er verhandelt seit Wochen, um möglichst viele Kündigungen zu verhindern. Aus seiner Sicht stellen die Casinos Austria das Interesse der Aktionäre in diesem konkreten Fall vor das Interesse der eigenen Belegschaft. Dennoch scheint es sogar eine Chance zu geben, sämtliche Kündigungen abzuwenden.

Ein Interview mit Manfred Schönbauer lässt sich komplett auf Kontrast.at nachlesen. Reduzierung der Personalkosten lautet das erklärte Ziel des Glücksspielunternehmens aus Österreich. Und obwohl der Staat beteiligt ist, hält die tschechische Sazka-Gruppe die Zügel in der Hand. Der Sparkurs lässt sich nicht abwenden. Ob nötig oder nicht, darauf wollen wir noch eingehen. Über die geplanten Entlassungen berichteten wir bereits. Ebenso haben wir bereits ausgeführt, dass die 600 beim AMS Frühwarnsystem gemeldeten Entlassungen nicht zwingend den finalen Stand darstellen. Inzwischen ist uns durch das genannte Interview mit Schönbauer bekannt, wie Teilzeit-Modelle bei Casinos Austria ausschauen könnten.

Geht Casinos Austria in Teilzeit um Arbeitsplätze zu retten?

Manfred Schönbauer machte deutlich, dass die Details künftiger Arbeitszeitmodelle noch im Detail festzuschreiben sind. Doch offenbarte der Betriebsrat immerhin einen Einblick in die Planungen. So soll jemand, der sich bereiterklärt die Arbeitszeit um 50 Prozent zu kürzen, noch immer 60 Prozent des Gehalts erhalten. Bei den Dienstälteren, die vor 2006 in das Unternehmen aufgenommen wurden, liegt das Durchschnittsgehalt bei 6.200 Euro im Monat (brutto). Daher nehmen wir diese Zahl als Basis für unsere Beispielrechnung. Blieben davon noch 60 Prozent übrig, so reden wir immerhin von 3.720 Euro monatlich. Um einen Vergleich anzustellen: Wer nach 2006 eingestellt wurde, der erhält ohnehin deutlich weniger. Der Durchschnitt liegt hier bei 2.700 Euro. Angestellte mit „Altvertrag“ könnten also ihre Arbeitszeit reduzieren, würden aber oftmals dennoch mehr verdienen, als später eingestellte Mitarbeiter. Verzichten hingegen die Arbeitskräfte, die im Schnitt nur 2.700 Euro verdienen auf 40 Prozent Gehalt, so blieben noch 1.620 Euro übrig.

Damit lebt es sich, besonders mit Familie, schon weniger komfortabel. Doch für die Gutverdiener, die sich eventuell für das Alter schon ein Polster zurücklegen konnten, mag die Reduktion der Arbeitszeit ein guter Deal sein. Tatsächlich ließ Schönbauer noch eine zweite Maßnahme durchblicken. Dabei handelt es sich um Abfindungen für Angestellte, die freiwillig ihren Posten räumen. Denn in diesem Fall werden bis zu 39 Brutto-Gehälter zur Auszahlung gebracht. Der Formulierung nach handelt es sich hierbei um das Maximum. Auf den Angestellten mit 6.200 Euro bezogen, würden wir von bis zu 241.800 Euro sprechen. Ob solch hohe Summen tatsächlich ausgeschüttet werden, ist uns nicht bekannt. Wer 2.700 Euro verdient, käme folglich maximal auf 105.300 Euro Abfindung raus. Auch da kommen sicherlich einige Angestellte ins Grübeln.

Arbeitszeitverkürzung vs. Abfindung: Wer schnell einen anderen Job findet, für den lohnt sich die Abfindung eventuell mehr. Wer einen sicheren Job bei reduzierter Arbeitszeit vorzieht, der wählt das Teilzeit-Modell.

Wäre eine Reduzierung der Lohnkosten eigentlich unnötig?

Wie viele Jobs gehen verloren? / Shutterstock.com

Casinos Austria versucht über Teilzeit-Modelle und Abfindungen die hohen Gehälter zu drücken. Jetzt könnte natürlich der Eindruck entstehen, dass dafür eine finanzielle Notwendigkeit besteht. Doch Schönbauer zeigt sich bezüglich des Stellenabbaus überhaupt nicht verständnisvoll: „2019 war das erfolgreichste Jahr überhaupt für die Casinos Austria. Und auch wenn ein großer Teil davon aus dem Online-Geschäft kommt, die zwölf Casinostandorte sind seit einem Jahrzehnt selbsterhaltend.“ Ein weiterer Punkt ist hier, dass die Einnahmen durch die Internet-Auftritte wegen der Corona-Krise nicht eingebrochen sein werden.

Tatsächlich spricht Schönbauer sogar davon, dass das ReFit-Programm der Casinos Austria einzig und allein den Aktionären und deren Dividende zugutekommt. Die unternehmerische Notwendigkeit von diesem Schritt sieht er als unnötig an. Umgekehrt glaubt Schönbauer nicht zwingend, dass die Lage eine andere wäre, wenn der Staat die von Novomatic freigegebenen Anteile erworben hätte – und nicht die Sazka-Gruppe. Denn auch dort sieht er die Arbeitsplätze mit Verweise auf AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) einen immer geringeren Stellenwert einnehmen.

Sozialverträglicher Stellenabbau: Kündigungen oder zumindest die Senkung der Gehaltsstruktur konnte vom Betriebsrat nicht gestoppt werden. Daher war die Sozialverträglichkeit beim ReFit-Plan der Casinos Austria ein großes Thema.

Casino Linz ist auf Standort-Suche

Innerhalb der vergangenen Woche trudelte eine weitere Nachricht mit Bezug zu den Casinos Austria ein. Dabei handelt es sich um einen Umzug. Denn beim Standort Linz konnte kein neuer und auf Dauer angelegter Vertrag ausgehandelt werden. Knackpunkt sind die Anzahl der Parkplätze und die dortige Infrastruktur. Dennoch steht fest, dass der Standort Linz trotz der Sparmaßnahmen beim Konzern erhalten bleibt. Wo jedoch ohnehin schon Mitarbeiter abgebaut werden, könnte das neue Casino kleinere Dimensionen annehmen. Dies könnte sich natürlich auf die Angestellten auswirken. Vor Ort arbeiten 135 Menschen im Linzer Casino.

Bezüglich der Suche nach einem neuen Standort äußerte sich Martin Hainberger in seiner Rolle als Casino-Direktor in Linz folgendermaßen: „Beim Aufstieg auf einen 8.000 Meter hohen Berg sind wir bei 1.000 Metern.“ Anders gesagt: Es dauert noch etwas.

Casinos Austria: Dient der Stellenabbau nur den Aktionären? 1200 1000 2020-09-28 10:48:37 Online-Casino.de

Weitere Casino News