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Casinos Austria: Zwischen Rekordzahlen und Selbstzerstörung

Martin Hill, 19. März 2018, Wirtschaft

Logo der Casinos Austria aus Österreich

Die teilstaatliche Casinos Austria hätte eigentlich Grund zur Freude. Denn sämtliche Sparten des Geschäfts sind im Jahr 2017 gewachsen. Dies gilt sogar für das einstige Sorgenkind, die Auslandstochter. Dennoch ist von Zufriedenheit keine Spur. Konzernchef Alexander Labak hat mehr erwartet. Zudem gibt es einen Konflikt zwischen dem Boss und den Untergebenen. Diesen Streit wird sich die Regierung sicherlich nicht mehr lange mit anschauen.

Immerhin hält das Land Österreich ein Drittel der Anteile aus den Casinos, Sportwetten, dem Automatenspiel und den Lotterien. Dass der Staat nicht tatenlos zusieht, wie der Konzern sich gegenseitig zerfleischt, dabei an Glaubwürdigkeit und Seriosität verliert, sollte einleuchten. Dies gilt insbesondere, da die aktuelle Selbstzerstörung auch ein Spiel mit den Steuereinnahmen des Unternehmens ist. Denn im Geschäftsjahr 2017 hat die Casag 622 Millionen Euro an Steuern eingespielt. Damit ist das Glücksspiel-Unternehmen einer der tatkräftigsten Steuerzahler in Österreich.

Casinos Austria: Interner Machtkampf überschattet Rekordergebnis

Das Wachstum des Konzerns beziffert sich von 2016 auf 2017 auf einen Gegenwert von 3,5 Prozent. Dementsprechend überschritt die Casag mit dem Umsatz die Marke zu vier Milliarden Euro. Beachtlich ist, dass jeder Geschäftsbereich zulegen konnte. Dennoch ist Labak nicht zufrieden.  Er liest gegenüber seinen Mitarbeiter verlauten, dass sich die Besucherzahlen der Casinos „nicht nach Wunsch“ entwickeln. Weiterhin wurde kritisiert, dass die Lotto-Sparte junge Spieler kaum erreicht. Ebenfalls angeprangert wurde der Marktanteil von lediglich 40 Prozent im Online-Glücksspiel. Tatsächlich hat das Betriebsergebnis eine rückläufige Bilanz vorzuweisen. Wurden 2016 noch 150 Millionen Euro eingespielt, waren es 2017 noch 139 Millionen Euro. Dennoch konnte das Konzernergebnis auf 101 Millionen Euro zulegen.

Die Begründung ist in der Straffung von Prozessen zu suchen. Dadurch konnten Kosten optimiert werden. Geringere Einnahmen sind weniger ins Gewicht gefallen, weil die Ausgaben in einem größeren Maße zurückgegangen sind. Überaus zufrieden waren alle Beteiligten jedoch mit der Plattform Win2day, die einen Umsatzanstieg von 4,8 Prozent zu vermelden hatte. Damit sind 1,61 Milliarden Euro eingespielt worden. Das herkömmliche Lottospiel brachte es immerhin auf 1,34 Milliarden, während Lotto 6 aus 45 lediglich 604 Millionen Euro einspielte. Einer der größten Streitpunkte zwischen Konzernchef Labak und dem Aufsichtsrat sind die Casinos Austria International. Während der Boss die Auslandstochter abstoßen möchte, drängen die Aktionäre und das Finanzministerium darauf, diese Sparte zu halten. Zuletzt wurde das Thema daher von der Sitzung gestrichen.

Casag-Boss bittet um Gelassenheit: Nachdem Labak öffentlich kritisiert wurde, verschickte er einen Brief an die Belegschaft, in welchem er mehr Gelassenheit in Bezug auf vorherige Äußerungen einforderte. Vom Betriebsrat wurde Labak zuvor ein harter Führungsstil, ohne Rücksicht, vorgeworfen.

Begannen die Schwierigkeiten mit dem Einstieg der Sazka-Gruppe?

Der Börsengang als zweischneidiges Schwert (Bildquelle)

Lassen sich die Konflikte bei Casinos Austria mit dem Einstieg der Tschechen Jiri Smejc und Karel Komarek in Einklang bringen? Immerhin hält die Sazka Group inzwischen 34 Prozent des Konzerns in der Hand. Es wird offen kommuniziert, dass die vollständige Kontrolle angestrebt wird. Eine Übernahme der Aktien vom Bankhaus Schelhammer & Schattera ist angedacht. Dies wären über 9 Prozent, die hinzukämen. Allerdings können die anderen Aktionäre diesbezüglich von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen. Zudem könnte es die Regierung sogar auf einen Rechtsstreit mit der Sazka-Gruppe ankommen lassen. Auch die Anteile der Novomatic scheinen unerreichbar. Denn die Geschäftsbeziehungen zwischen den Tschechen und dem österreichischen Traditionsunternehmen haben einen Tiefpunkt erreicht.

Allerdings gibt es eine Stimmrechtsbindung, welche die Novomatic dazu verpflichtet, dieselbe Position wie die Sazka-Group einzunehmen. Diesbezüglich befinden sich die Tschechen wiederum in einem Konflikt. Denn in London wird der Börsengang angestrebt. Mit diesem Schritt würden die Strukturen unter der Eigentümerschaft geändert. Damit wäre auch die Stimmrechtsbindung von Novomatic Geschichte. Noch liegt die Mehrheit bei der ÖBIB. Ein Börsengang würde frisches Kapital akquirieren. Damit könnte expandiert werden. Allerdings schätzen Experten die Chance gering ein, sollte die Casag nicht vorher konsolidiert werden.

Rauer Ton: Weiterhin halten sich hartnäckig Gerüchte, demzufolge Labak mit rauen Umgangsformen führt. Da die Casinos Austria AG gerade für schlechte Presse sorgt, bleibt die Frage offen wie lange Labak noch für die Führung verantwortlich ist.

Labak auf Konfrontationskurs mit der Stadt Wien

Aktuell kämpft Labak nicht nur innerhalb des Unternehmens um sein gutes Image, sondern ebenso mit der Stadt Wien. Denn dort wurden zu Beginn des Februars 50 VLT (Video-Lotto-Terminals) aufgestellt. Dies war dem Unternehmen möglich, weil diesbezüglich eine Bundeslizenz vorliegt. Eigentlich ist das Kleine Glücksspiel in der österreichischen Hauptstadt jedoch verboten. Der Chef der Casinos Austria beharrt darauf, dass dieser Schritt mit dem scheidenden Bürgermeister der SPÖ, Michael Häupl, abgesprochen wurde. Die Regierung der Stadt zeigt der Öffentlichkeit ihre Überraschung jedoch ganz offen. Dabei soll es zwischen Labak und Stadträtin Ulrike Sima einen persönlichen Gesprächstermin gegeben haben. Die Staatsholding schlägt sich aktuell auf keine Seite und möchte lediglich dafür Sorge tragen, dass die eigene Position und die strategische Weiterentwicklung der Casnos Austria vorangetrieben werden.

Vertrauen verloren? Labak ist von mehreren Seiten der Kritik ausgesetzt. Aus dem Inneren begehren die Mitarbeiter auf. Politisch ist der Casinos-Boss mit der Stadt Wien angeeckt. Und auch mit dem Aufsichtsrat läuft es nicht rund. Einen Vertrauensbeweis von Seiten der Sazka-Gruppe, zu welcher Labak gehört, ist bislang ebenfalls ausgeblieben.

Casinos Austria: Zwischen Rekordzahlen und Selbstzerstörung 1200 1000 2018-07-16 13:27:10 Online-Casino.de

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