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Computerspielsucht seit 2022 offiziell als Krankheit anerkannt

Martin Hill, 3. Januar 2022, Sport & Spiel

Computerspielsucht seit 2022 als Krankheit anerkannt? / Shutterstock.com

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits 2018 die Klassifikation von Krankheiten überarbeitet. Dort wurde erstmals die Computerspielsucht aufgenommen. Da es sich um ein internationales Dokument handelt, wird sie dort unter „Gaming Disorder“ geführt. Folglich handelt es sich um eine behandlungswürdige Krankheit. Tatsächlich steht mit diesem Phänomen auch der Rückzug aus dem Sozialleben in Zusammenhang. Computerspiele selbst zum Problem zu erklären, ist verkehrt. Der richtige Umgang damit ist jedoch sicherlich kritisch zu hinterfragen. Doch gibt es auch Experten, welche die Klassifizierung von Computerspielsucht als Krankheit nicht begrüßen. Sie sehen das „Zocken“ eher als Symptom.

Auch die Computerspiel-Branche ist von der neuen Einstufung nicht gerade begeistert. Erschwerend kommt hinzu, dass die Klassifizierung mitten in der Corona-Pandemie greift. Jetzt kommen nämlich zwei Dinge zusammen. Einerseits kann exzessives Computerspielen schnell, auch fälschlicherweise, als Krankheit ausgelegt werden. Andererseits sind soziale Kontakte, insbesondere für Jugendliche, nicht im gleichen Umfang möglich. Sportvereine haben eventuell geschlossen. Verabredungen fallen wegen Kontaktbeschränkungen flach. Und selbst der Kinobesuch mit Freunden wird in der aktuellen Lage kritisch beäugt. Umso wichtiger ist es herauszustellen, dass nicht jeder, der regelmäßig am Computer sitzt und spielt, gleich ein Suchtproblem hat.

Die Einstufung von Gaming Disorder als Krankheit lässt sich bei der WHO nachschlagen.

Was spricht für die Klassifizierung der Computerspielsucht als Krankheit?

Zunächst einmal tritt die Computerspielsucht durch die Klassifizierung als Krankheit mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die WHO hat im Katalog die Symptome benannt. Es handelt sich um den Kontrollverlust über das Spiel. Wer häufig beginnt, nicht aufhören kann, zu lange spielt oder das Spiel als übermäßig intensiv empfindet, der zeigt ein erstes Anzeichen von Gaming Disorder. Ähnlich verhält es sich, wenn das Zocken vor anderen, eigentlich wesentlicheren Lebensinteressen priorisiert wird. Obendrein ist die Computerspielsucht dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht nur einmalig auftritt, sondern es sich um wiederkehrendes Verhalten handelt. Experten klagen jedoch nicht nur über ein übermäßiges Gaming. Auch die Mediennutzung an sich steht im Fokus. Dabei können sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vermehrt in sozialen Netzwerken, Chat-Gruppen oder sonstigen virtuellen Welten verlieren.

In diesem Sinne ist eine Klassifizierung als Krankheit nützlich. Wird übermäßiges Gaming erkannt, so kann gegengesteuert werden. Kinder und Teenager müssten dann mehr am Vereinsleben teilhaben. Dass können Sportvereine, die Freiwillige Feuerwehr oder sonstige Aktivitäten sein. Im Fokus steht dabei die Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Gerade Minderjährigen geht in ihrer persönlichen Entwicklung etwas verloren, wenn sie keine Kontakte pflegen. Alltägliche soziale Fähigkeiten würden dadurch zurückbleiben. Dass die Computerspielsucht als Krankheit klassifiziert ist hilft auch dabei, den Betroffenen Hilfe in Form von Beratung oder Suchtprogrammen zukommen zu lassen. Ihnen werden Hinweise und Empfehlungen an die Hand gegeben. Obendrein ist es möglich regelmäßige Treffen zu vereinbaren, um den Fortschritt der Behandlung zu überwachen.

Corona und Computerspielsucht: Derzeit ist es natürlich paradox. Kinder durften zeitweise nicht in die Schule. Sie durften keine Kontakte nicht diversen Mitschülern oder Kameraden pflegen. Gleichwohl mussten die Eltern arbeiten und noch als Lehrer einspringen. Irgendwie muss sich die junge Generation trotzdem beschäftigen. Fernseher, Smartphone, Computer und Playstation waren daher willkommene Begleiter. Damit Kinder und Jugendliche weniger zocken, müssen Erwachsene die Möglichkeit dazu bieten.

Was spricht gegen eine Klassifizierung von Computerspielsucht als Krankheit?

Kinder sind vom Spielen fasziniert (Bildquelle)

Es könnte ein Stigma entstehen. Computerspielen würde negativ belastet. Dabei handelt es sich in erster Linie um ein Hobby, wie jedes andere auch. Die Gaming-Branche ärgert sich natürlich über die Klassifizierung der Computerspielsucht als Krankheit. Innerhalb eines offenen Briefes beklagen sich 28 Psychologen über die Aufnahme als Krankheit. Besonders sticht aus der Argumentation heraus, dass Computerspielsucht eventuell keine eigenständige Krankheit ist, sondern eher ein Symptom. Die Forschung ist hier aus ihrer Sicht noch nicht abgeschlossen. Aktuell wäre das übermäßige Spielen am Computer oder der Konsole eventuell eine Folge der Corona-Pandemie. Ob die exzessive Nutzung weiter fortdauert, auch wenn die Pandemie beendet ist, bleibt abzuwarten. Bei einer Mediensucht sind es häufig soziale Ängste oder Depressionen, die als Ursache gelten. Für die ursprüngliche Belastung gibt es Gründe. Süchte sind hier nur das Symptom.

Doch Experten sind sich ebenfalls einig, dass Kinder und Jugendliche ihre sozialen Fähigkeiten schärfen müssen. Wenn durch das übermäßige Spielen am Computer oder den übermäßigen Medienkonsum der Kontakt zu Freunden in der echten Welt leidet, so sollten Eltern gegensteuern. Dass ist über fest geregelte Spielzeiten möglich. Je nach Alter des Nachwuchses und den Arbeitszeiten der Eltern mag die Kontrolle jedoch schwerfallen. Doch eine Sucht zeichnet sich halt nicht nur durch die übermäßige Nutzung aus. Leidet jemand der täglich 400 Seiten liest an einer Büchersucht? Oder ist jemand der vier Folgen seiner Lieblingsserie am Tag schaut fernsehsüchtig? Solche Krankheiten gibt es nicht. Eine Computerspielsucht gibt es seit 2022 offiziell schon.

Flucht aus der Realität: Wenn Spieler durch das Zocken Realitätsflucht betreiben, ist das natürlich kein förderwürdiges Verhalten. Vielmehr gilt es sich den Problemen der realen Welt zu stellen. Wer dann zur Entspannung zockt, der darf dies bei normaler Nutzung gerne als Hobby ansehen.

Computerspielsucht seit 2022 offiziell als Krankheit anerkannt 1200 1000 2022-01-03 15:37:10 Online-Casino.de

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