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Daran scheitert die Sportwetten Regulierung in Deutschland

Ralf Schneider, 20. Januar 2020, Sport & Spiel

Machen neue Regeln für Sportwetten Sinn? / Shutterstock.com

Sportwetten zu regulieren ist der richtige Schritt. Deutschland hängt der Entwicklung in diesem Punkt schon viele Jahre hinterher. Aktuell steht die Lizenzvergabe bevor. Nach längerer Zurückhaltung und einer Drohung die Zahlungsanbieter anzugehen, ist Bewegung in den Prozess gekommen. Einige Buchmacher haben sich um eine Konzession beworben. Andere haben angekündigt dies noch tun zu wollen. Wieder andere schließen jedoch ihr Sportwettprogramm in der Bundesrepublik. Doch wo die Politik häufig auf den Spielerschutz verweist, wenn sie neue Gesetze plant, so könnte es im Endeffekt genau daran fehlen.

Was ist überhaupt geplant? Sportwetten sollen nur durch regulierte Anbieter feilgeboten werden dürfen. Die weitere Planung sieht eine Abschaffung von Live-Wetten auf Tore vor. Zudem soll ein monatliches Einsatzlimit von 1.000 Euro greifen. Letztlich entsteht eine Behörde, welche das Spielverhalten überwacht. So können sich Spieler nicht innerhalb von fünf Minuten bei zwei Wettanbietern einwählen. Auch Spieleinsätze sollen auf diesem Wege übergreifend kontrolliert werden. Diese Fakten gehen aus einer Bild-Recherche hervor.

Doch warum ist die aktuelle Sportwetten Regulierung aus unserer Sicht nicht zu Ende gedacht?

1. Das Internet hört nicht an der Landesgrenze zu Deutschland auf!

Die Abkürzung „www“, mit der jede Homepage beginnt, lautet voll ausgeschrieben World Wide Web. Weltweit! Das Internet für Deutschland endet nicht an den Grenzen zu unseren Nachbarstaaten. Es ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit die Spieler bei den Wetten innerhalb der Bundesrepublik zu halten. Natürlich holen sich diverse Wettanbieter eine deutsche Lizenz. Wer sein Kerngeschäft in den Sportwetten hat, der setzt damit ein Zeichen. Und da einige Konkurrenten sich zurückziehen, mag für die Lizenznehmer sogar ein Wachstum einsetzen. Doch zum Start der jeweiligen Liga und wenn dann noch die Champions League dazukommt oder gar zu einem Großereignis wie der Weltmeisterschaft, da reicht manchem Spieler das Einsatzlimit eventuell nicht aus. Was passiert also, wenn ein Tipper anschließend weiterspielen möchte?

Von der neu zu gründenden „Super-Behörde“ würde eine Sperre verhängt. Damit ist die Abgabe von Tippscheinen vorbei. Dies soll dem Spielerschutz dienen. Doch was spricht dagegen, sich im Anschluss bei eher fragwürdigen Anbietern anzumelden? Ist der Spieler an diesem Punkt nicht mehr schutzbedürftig? Weltweit gibt es hunderte von Online-Buchmachern. Nebenbei bemerkt sind nicht alle im Ausland ansässigen Wettanbieter, die nicht in Deutschland aktiv sind, als dubios einzustufen. Was hat die Bundesrepublik also vor? Soll es ähnlich wie in der Schweiz eine Netzsperre geben? Diese lässt sich jedoch mit einfachen Tools, wie einem „Virtuellen Privaten Netzwerk“ (VPN) umgehen. Selbst ein Technik-Laie hat sich dieses in ein bis zwei Minuten eingerichtet. Damit wird ein Standort im Ausland vorgegaukelt, und die Netzsperre wäre ausgehebelt. Kurz gesagt: Wer spielen will, der lässt sich weder von deutschen Lizenzen, noch von einem 1.000 Euro Limit behindern.

Regulierungswut? Natürlich müssen die Ministerpräsidenten bald zu einer Einigung kommen. Ab Mitte 2021 soll der runderneute Glücksspielstaatsvertrag greifen. Und das Gesetz muss nach der Übereinkunft auch noch ausgearbeitet werden.

2. Ein starres Einsatzlimit von 1.000 Euro ist wenig sinnvoll

Wettbüros von Regeln abgedeckt? / Shutterstock.com

Wer sich die 1.000 Euro leisten kann, der wird recht gut verdienen oder ist ohnehin wohlhabend. Hier könnte Deutschland an den Steuern auf Sportwetten gut verdienen. Und den entsprechenden Spielern entstünde kein Schaden. Zumindest würden sie den Verlust verkraften. Wer sich hingegen die 1.000 Euro Einsatz monatlich nicht leisten kann und das werden viele Tipper sein, denen hilft dieses starre Limit wenig. Zumindest hinsichtlich einer dauerhaften Überbelastung des eigentlich verfügbaren Budgets. Allerdings ist es schwerer möglich, sich in kurzer Zeit sehr hoch zu verschulden. Wobei wir hier von einem Einsatzlimit reden. Wer 100 Euro einzahlt und immer gewinnt – z. B. zehn Wetten mit je 100 Euro Einsatz – der darf dann anscheinend trotzdem keine weitere Sportwette mehr platzieren.

Allerdings hat das Limit von 1.000 Euro noch ein Hintertürchen. Wer verheiratet ist, der kann seine Frau oder seinem Mann ein zweites Konto eröffnen lassen. Selbst die neue Behörde wird nicht beurteilen können, wer aktuell vor dem PC oder am Smartphone sitzt und eine Eingabe vornimmt. Das hebelt das Einsatzlimit aus, beziehungsweise verdoppelt es. Auch die Beschränkung sich nicht parallel bei zwei Wettanbietern gleichzeitig anmelden zu können, lässt sich damit spielend umgehen.

Sind Wettbüros angeschlossen? Ob die Politik ebenfalls an die Wettbüros denkt, ist uns nicht bekannt. Doch wer online sein Limit erreicht hat, der könnte sonst offline weiterhin zocken.

3. Nebenwirkungen der geplanten Regulierung von Sportwetten

Ebenfalls vorgesehen ist ein Werbeverbot im Internet und Fernsehen zwischen 6 und 23 Uhr. Zu dieser Zeit dürften keine Sportwetten-Einblendungen zu sehen sein. Doch was ist mit den Fußballvereinen der ersten drei Ligen in Deutschland. Dort haben die Vereine und sogar die Liga Verträge geschlossen. Gelder sind geflossen. Darf der FC Bayern München bald nicht mehr für Tipico werben? Müssen sich Betway, Sunmaker und Co von diesem Markt ebenfalls zurückziehen? Dann entgeht den Vereinen ein weiteres Standbein ihrer Finanzierung. Das wiederum schwächt ein Stück weit die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Profivereine. Auch in anderen Sportarten wird mit den Sportwettanbietern geworben.

Daran scheitert die Sportwetten Regulierung in Deutschland 1200 1000 2020-01-20 15:28:38 Online-Casino.de

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