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Droht ein Buchmacher Boykott des neuen Staatsvertrages?

Ralf Schneider, 9. September 2019, Sport & Spiel

Live-Wetten sind ein heikles Thema. (Bildquelle)

Schon ab 2020 sollen Lizenzen für Online-Buchmacher ausgestellt werden. Doch was, wenn sich gar kein Wettanbieter für diese Konzessionen interessiert? Denn die Vorgaben, welche Bestandteil der neuen Sportwetten-Regelung seien könnten, schränken die Spieler stark ein. Eventuell könnten sich die Anbieter gegen den Erwerb einer Lizenz entscheiden und sich weiterhin auf ihre Konzession aus dem europäischen Ausland berufen. Aus der Rechtsprechung geht nicht eindeutig hervor, ob die EU-Dienstleistungsfreiheit diese Auffassung abdeckt. Doch wenn sich die Buchmacher zwischen zwei Übeln entscheiden müssen, werden sie das Kleinere wählen. Droht also ein Boykott des neuen Glücksspielstaatsvertrages?

Zunächst einmal gibt es zum Staatsvertrag, welcher in Kürze auszuarbeiten ist und der ab dem 1. Juli 2021 greifen soll, bislang nur Eckdaten. Und selbst die Ministerpräsidenten der Länder sind sich nicht einig. Ohne diese Einigkeit könnten einige Bundesländer ausscheren und ihr eigenes Ding machen – wie Schleswig-Holstein schon in den Jahren 2011/12, wo eigene Lizenzen ausgestellt wurden. Auch bezüglich der Online-Casinos herrscht kein Einvernehmen. Und diese könnten ebenso in die Branche der Sportwetten hineinspielen. Warum sollten Buchmacher eventuell sogar auf ein neues deutsches Glücksspielrecht pfeifen?

Kritikpunkt 1: Beschränkung der Live-Wetten geht gegen den Trend

Über die letzten Jahre und Jahrzehnte wurde eines deutlich: Das Internet wird immer mehr mit dem Mobilgerät aufgerufen. Dies gilt auch für die Online-Buchmacher. Tatsächlich gibt es hier eine große Synergie mit den Live-Wetten. Viele Kunden sitzen daheim auf der Couch und schauen sich beispielsweise ein Fußballspiel an. Jetzt ist es naheliegend eine Summe zu riskieren, um die Spannung am Match noch zu steigern. Mit wenigen Klicks ist am Smartphone die Seite des Buchmachers aufgerufen. Ein weiterer Klick bringt den Spieler zu den Live-Wetten und dort sind schon die aktuellen Spiele aufgereiht. Dort darf der Nutzer noch immer aus einer größeren Liste von Einzelwetten auswählen. Dieser Markt ist immer weiter gewachsen. Und die deutsche Gesetzgebung möchte dem entgegenwirken.

Allerdings gibt es hierzu unterschiedliche Aussagen. Doch eigentlich sind die Live-Wetten schon verboten. Das Verwaltungsgericht Hannover hat das Verbot von Ereigniswetten auf laufende Sportveranstaltungen gemäß dem Glücksspielstaatsvertrag bereits bestätigt. Allerdings scheren sich die ausländischen Wettanbieter bislang nicht um dieses Verbot. Sie berufen sich auf die Dienstleistungsfreiheit der EU. Wenn sie jedoch den neuen Glücksspielstaatsvertrag akzeptieren und eine Lizenz erwerben, wären sie auch den Regeln unterworfen. Buchmacher, die einen großen Teil ihrer Einnahmen durch Live-Wetten erzielen, könnten rein aus wirtschaftlicher Sicht daher eher vom Boykott profitieren.

Sterben die Live-Wetten aus? Viele Kunden halten es für unwahrscheinlich. Doch Österreich hat es bereits vorgemacht. Ausgeschlossen ist das Live-Wetten-Verbot nicht, wenn sich die Ministerpräsidenten darauf verständigen.

Kritikpunkt 2: Werbung soll strenger reglementiert sein

Was ändert sich bei Online-Sportwetten? (Bildquelle)

Auf den ersten Blick werden viele Fernsehzuschauer, welche von den Sportwetten und Casino Spots gelangweilt sind, diesem Ansinnen zustimmen. Doch gibt es hier eine weitere Ebene und einen weiteren Interessenverband im Sport. Gemeint sind die Fußballclubs, die heutzutage fast alle mit Partnern aus dem Bereich des Glücksspiels verbandelt sind. Und die Vereine sollen finanziell schließlich nicht noch weiter im Vergleich zum Ausland verlieren. Doch wenn die Namen und Logos der Buchmacher von den Werbebanden, den Trikots oder auf Tafeln verboten werden, sind die Unternehmen nicht mehr verpflichtet zu zahlen. Dies trifft auch sämtliche Spitzenvereine, wie den FC Bayern München mit Tipico oder Borussia Dortmund mit Bwin. Gegen letztgenannte läuft ohnehin schon ein Verfahren.

Und noch ein Aspekt fällt in den Sektor der Werbung. Gemeint sind hier die Bonusangebote der Buchmacher. Viele Wettanbieter werben mit Slogans wie „100 Euro einzahlen, mit 200 Euro spielen“. Dies erhöht beim Kunden die Taktung, in welcher Wetten abgegeben werden. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Wettboni mit Bedingungen verknüpft sind. Dennoch sind die Angebote für Neu- und Bestandskunden ein wichtiger Punkte bei der Bewertung der Qualität eines Online-Buchmachers. Wenn die Firmen jedoch auf ihre Partnerschaft mit Sportvereinen verzichten müssen und nicht einmal mehr mit Bonusangeboten werden dürfen, stellen sie sich vielleicht erneut die folgende Frage: Warum sollte sich um eine Lizenz bemüht werden?

Halten sich die Buchmacher an deutsches Glücksspielrecht? Schon jetzt ist diese Frage eher mit „Nein“ zu beantworten. Wenn sie es in der Zukunft tun sollen, muss die Politik für die Unternehmen ebenfalls Anreize schaffen.

Fazit: Warum sollten sich die Buchmacher deutschem Recht unterordnen?

Zunächst einmal steht das Unions-Recht über dem deutschen Gesetz. Und die EU hat schon einen Blauen Brief verschickt, um Deutschland auf eine Fehlstellung beim Glücksspielrecht hinzuweisen. Es gilt also eine europarechtskonforme Lösung zu finden. Außerdem wurde die Europäische Dienstleistungsfreiheit schon mehrfach bestätigt. Dieses Recht ist nur in Ausnahmefällen zu beschränken. Bislang konnten sich die Buchmacher mit dieser Lücke immer auf ihre Konzessionen aus Malta oder Gibraltar berufen. Selbst ein neuer Staatsvertrag würde hier keine Abhilfe schaffen, wenn es keine anderslautende Rechtsprechung zur Dienstleistungsfreiheit gibt. Derzeit scheint ein Boykott irgendwie naheliegend, auch wenn sich noch kein Wettanbieter offiziell zur Problematik geäußert hat. Dabei wollen doch die Online-Buchmacher ebenfalls eine Lösung – aber eine, die ihre Kunden, das eigene wirtschaftliche Interesse und die rechtlichen Vorgaben achtet. Gelingt der Politik dieser Spagat?

Droht ein Buchmacher Boykott des neuen Staatsvertrages? 1200 1000 2019-09-09 10:57:39 Online-Casino.de

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