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Droht Österreich ein tschechisches Glücksspiel-Monopol?

Sabina Kugler, 12. Mai 2021, Wirtschaft

Glücksspiel in Österreich (Bildquelle)

Was ungewöhnlich klingt, könnte zur Realität werden. Denn in Österreich hat die tschechische Sazka-Gruppe längst die Schirmherrschaft über die teilstaatliche Casinos Austria AG inne. Inzwischen geht es um die Reform der Glücksspielgesetzgebung. Ein großer Streitpunkt ist der Ausschluss ausländischer Operatoren vom Marktgeschehen in Österreich. Ähnlich ist die Schweiz vorgegangen. Und selbst Deutschland hat diese Maßnahme in seinem Staatsvertrag verankert. Doch gibt es zu Österreich einen Unterschied. Die Schweizer haben diversen inländischen Casinos erlaubt, Angebote ins Web zu bringen. Und in Deutschland sollen großflächig Konzessionen vergeben werden.

In Österreich hingegen, da gibt es einen klaren Profiteur. Es ist die Sazka-Gruppe, welche dann das Glücksspiel in der Alpenrepublik noch mehr unter Kontrolle hätte. Was die in Österreich tätigen Anbieter befürchten, darauf möchten wir schauen. Weiterhin gib es Baustellen im Sport. Denn viele Sportarten und Mannschaften werden von Glücksspielanbietern finanziell gestützt. Eine ganze Branche fürchtet daher um seine Wettbewerbsfähigkeit. Dennoch könnte das verschärfte Glücksspielrecht in Kraft treten. Denn nach der Ibiza-Affäre wollen Politiker keineswegs als Lobbyisten für Glücksspielunternehmen auftreten. Daher könnte es sein, dass Proteste von Anbietern, Branchenvertretern und Experten ungehört bleiben.

Glücksspielreform in Österreich: Was fürchten dort tätige Anbieter konkret?

Dass das Glücksspielrecht überarbeitet wird, ist nicht ungewöhnlich. Die Schweiz hat es gemacht. Deutschland ist gerade mittendrin. Und auch Österreich ändert seine Regeln. Dagegen protestiert die Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG). Die dortigen Mitglieder stammen aus der Branche der Sportwetten. Doch offerieren viele von ihnen ebenfalls Casino-Spiele, machen teilweise sogar einen Großteil ihres Umsatzes mit Spielautomaten und Co. Die Vereinigung unterstellt der Politik, dass sie mit ihrer Reform des Glücksspielmarktes lediglich ein „veraltetes Monopol“ zu schützen versucht. Erweitert wird diese Kritik dadurch, dass dieses Monopol nicht mal einem österreichischen Unternehmen dient, sondern in erster Linie der tschechischen Sazka-Gruppe. Da ist natürlich mehr als nur ein Körnchen Wahrheit dran. Denn die Tschechen kontrollieren über die Casinos Austria AG (Casag) den Glücksspielmarkt in Österreich. So hat beispielsweise nur die Seite win2day eine offizielle Lizenz zum Veranstalten von Casino-Spielen.

Interessant ist vor diesem Hintergrund auch, dass viele Anbieter von Glücksspielen sogar ihren Ursprung in Österreich haben. Interwetten gehört dazu. Freilich wurde der Hauptsitz inzwischen nach Malta verlegt, wo auch die EU-Lizenzierung erfolgt. Dazu äußerte sich die Casag erst kürzlich: „Es gibt keine europaweite Gültigkeit von Glücksspiellizenzen, das Glücksspielwesen ist europarechtlich nicht harmonisiert.“ Die Anbieter wiedersprechen natürlich und verweisen diesbezüglich fast schon reflexartig auf die Europäische Dienstleistungsfreiheit. Doch für gewöhnlich schadet fehlender Wettbewerb dem Markt und damit auch dem Spieler. Dieser muss sich, wenn es wirklich zum Geoblocking ausländischer Operatoren kommt, nämlich mit einem kleineren und vermutlich qualitativ verminderten Angebot zufriedengeben. Wobei dies nur ein kleiner Teil der Wahrheit ist. Offiziell sind in der Schweiz auch hunderte Homepages geblockt. Und doch ist bekannt, dass sich laut Schweizer Recht illegale Glücksspielseiten weiterhin aufrufen lassen. Und so wäre es in Österreich mit Gewissheit ebenfalls.

Erweitert Oberösterreich den Betrieb von Automaten? Angeblich gibt es Planungen, die einarmigen Banditen nicht mehr nur im Gastgewerbe aufzustellen. Von einer Erweiterung der Betriebsflächen könnte erneut Casinos Austria profitieren.

Sportverbände protestieren gegen österreichische Glücksspielreform

Profiteur: Casinos Austria. Bild: Casag

Es geht um Millionen. Daher erging ein Protestbrief der Sportverbände an Vizekanzler Kogler. Dabei gehört er der grünen Partei an und würde die Glücksspielunternehmen gerne stärker regulieren. Dazu zählt laut aktueller Planung auch ein Werbeverbot. Dieses wiederum würde sich auf das Sport-Sponsoring auswirken. Und schon sind wir bei einem sensiblen Thema angekommen. Denn in Österreich wäre nicht nur der Fußball betroffen. Auch im Eishockey, Basketball, Volleyball und Handball machen Glücksspielanbieter die Kassen auf und werben im Gegenzug auf Trikots und Banden. Die Bedeutung des Sponsorings durch Sportwetten-Unternehmen wird schon bei der Bezeichnung der Wettbewerbe überdeutlich. Da hätten wir beispielsweise die Tipico Fußball-Bundesliga oder die Bet-at-Home Ice Hockey League. Der Verband spricht von einem wesentlichen Rückgang im Budget und bezieht sich hierbei nicht nur auf den Spitzensport, sondern ebenfalls auf den Breitensport. Christian Feichtinger bringt es als Geschäftsführer der Eishockeyliga auf den Punkt:

„Für den Eishockeysport steht ein mittlerer siebenstelliger Betrag auf dem Spiel.“ Selbst wenn die Regulierung des Glücksspiels in Österreich nur die Casino-Spiele umfassen sollte, so hätte dies ganz konkrete Auswirkungen. So ist unlängst bekannt, dass die Buchmacher bis zu 60 Prozent ihres Umsatzes ebenfalls mit der Casino-Sparte verdienen. Folglich würden die Einnahmen aus Sponsoring schon alleine deshalb zurückgehen, wenn ein IP-Blocking zur Anwendung kommt. Denn ein Unternehmen möchte mit Sicherheit nicht mehr im gleichen Umfang werben, wenn Teile des Angebots in Österreich gar nicht verfügbar sind. Ausschnitte vom Protestbrief der Sportverbände an Vizekanzler Kogler liegen dem Nachrichtenmagazin profil vor. Auch aus der österreichischen Bundesliga regt sich der Protest. Kein Wunder, haben doch elf der zwölf Clubs einen Glücksspielanbieter als Partner.

Zweiter Dämpfer für den Sport in Österreich: Im letzten Jahr griff Corona um sich. Noch ist die Pandemie nicht ausgestanden. Fallen jetzt Sponsoring-Einnahmen für österreichische Clubs auch noch weg, so könnte die Existenz einiger Vereine gefährdet sein.

Droht Österreich ein tschechisches Glücksspiel-Monopol? 1200 1000 2021-05-12 08:11:02 Online-Casino.de

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