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EGBA kritisiert Deutschlands Art der Casino-Regulierung

Ralf Schneider, 21. Februar 2020, Recht & Gesetze

5 Regeln für mehr Glück und Spaß im Online-Casino / Shutterstock.com

Am 19. Februar 2020 trafen sich die Ministerpräsidenten der Länder, um über die Legalisierung der Online-Casinos und Pokerspiele, sowie über die Neugestaltung des Glücksspiels in Deutschland zu sprechen. Fortschritte sind deutlich zu erkennen. Casinos sollen legal werden. Selbst dem Poker gegenüber scheinen die Verantwortlichen inzwischen aufgeschlossen. Dennoch gibt es Gegenwind. Allerdings nicht gegen die Regulierung. Denn diese wird auch aus Europa begrüßt. Die European Gaming and Betting Association (EGBA) sieht den Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag (GlüNeuRStV) in seiner jetzigen Form jedoch als zu konservativ an. Verpasst Deutschland damit die Spieler und wirtschaftlich eine Chance?

Der EGBA gehören Branchengrößen, wie William Hill, Betsson oder Bet365 an. Auch in Deutschland sind diese Anbieter dank ihres Casino oder der Sportwetten bekannt. Die geplante Regulierung wird von den Unternehmen als überaus positiv empfunden. Darauf warten die Firmen schon seit sehr vielen Jahren. Doch obwohl Sportwetten, Online-Casinos und Poker erlaubt werden sollen, stößt die Art der Regulierung auf Kritik. Die EGBA befürchtet, dass die Spieler weiterhin auf illegale Angebote zurückgreifen, wenn die legalen Marktteilnehmer von der Politik im größeren Maße eingeschränkt werden.

Regeln für Online-Casino und Wetten: EGBA zweifelt an Kanalisierungswirkung

Bezüglich der Casinospiele ist geplant, dass die Spielautomaten in den Online-Casinos erhalten bleiben. Wenn überhaupt, dann bleiben Roulette, Black Jack, Baccarat und Poker den Dealern und Croupiers in den Live-Casinos vorbehalten. Hier spielt der Kontrollwunsch der Deutschen sicherlich eine Rolle. Denn eben diese Spiele sollen auch weiterhin in den landbasierten Spielbanken eine Erfolgsgeschichte schreiben. Außerdem soll ein Spin an Slot mindestens fünf Sekunden in Anspruch nehmen. Und der Einsatz dürfte hier einen Euro nicht übersteigen. Ein sehr strenges Korsett, welches die Bundesregierung hier anscheinend schnürt.

Bei den Sportwetten machen einige Einschränkungen durchaus Sinn. Wetten auf Sportereignisse wo vorwiegend minderjährige Teilnehmer auftreten, gehören verboten. Und Amateurligen sind ein Nischenmarkt, den nur wenige vermissen werden. Komplizierter wird es bei Wett-Tipps, welche von einem einzelnen Spieler zu beeinflussen sind. Diese sollen nämlich verboten werden. Wetten auf eine rote Karte im Fußball würden damit ausscheiden. Die stärkste Einschränkung würde wohl die Live-Wetten betreffen. Denn hier dürfte künftig nur noch auf das nächste Tor oder das Endergebnis gesetzt werden. Auch ein Einsatzlimit wird diskutiert.

Womit wir zur hauptsächlichen Kritik der EGBA kommen. Wer selber schon mal eine Runde im Online-Casino gedreht oder seinen Einsatz bei Sportwetten gesetzt hat, der erkennt die Strenge dieser Vorschrift. Fast jeder der aktuellen Kunden wird mit zumindest einer der Einschränkungen anecken. Die Folge: Viele Spieler suchen sich Anbieter, wo sie ihre Einsätze so wie früher platzieren können. Doch genau in diesem Fall wandert die Kundschaft in den illegalen Markt ab. Dies zu verhindern ist laut EGBA das Ziel, welches die Politik in Deutschland verfolgen sollte.

Attraktive Produkte für einen regulierten Markt: So müsste der Plan lauten. Dabei lässt sich auf Großbritannien verweisen, wo 95 Prozent der Kunden inzwischen legal spielen. In Dänemark sind es immerhin 90 Prozent.

Welche Vorschläge macht die EGBA hinsichtlich des deutschen Glücksspiels?

EU übte schon öfters Kritik an DE-Glücksspiel (Bildquelle)

Der Generalsekretär der EGBA, Maarten Haijer spricht darüber, dass Deutschland eine Regulierung des Glücksspiels dringend nötig hat. Gleichwohl führt er aus, dass die neuen Konzepte die derzeit schon vorhandene Schieflage zwischen legalem und illegalem Markt eher noch verschlechtern können. Er verweist eindringlich darauf, dass attraktive Produkte der Schlüssel sind, um die Marktteilnehmer zu gewinnen. Demzufolge ist die EGBA gegen die strikten Restriktionen eingestellt. Daher herrscht dort die Meinung vor, dass das 1.000 Euro Einsatzlimit aus dem Entwurf gestrichen gehört. Andere Länder machen es vor und überlassen das Setzen von Limits den Spielern selber.

Die zwanghafte Regulierung der Einsätze wirft übrigens auch bei Datenschützern Fragen auf. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitiert diesbezüglich den langjährigen Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit: „Was als Schutz vor der Spielsucht gedacht ist, führt zur Totalüberwachung und Bevormundung. Die fürsorgliche Beobachtung durch den Staat geht zu weit. Es fehlt die Verhältnismäßigkeit.“ Bezüglich der Spielautomaten wird die Wartezeit zwischen zwei Spielen kritisiert.

Vertragsunterzeichnung am 30. März 2020: An diesem Stichtag wollen die Ministerpräsidenten die Glücksspielregulierung auf den Weg bringen. Dafür ist es erforderlich, dass 13 von 16 Personen dem Vertragsentwurf zustimmen. Ob die Anregungen der EGBA Berücksichtigung finden, ist noch unklar.

Wo entsteht die neue Regulierungsbehörde?

Lange ist sie überfällig, eine Behörde um das Glücksspiel in Deutschland zu regulieren. Denn die aktuellen Gesetze zu den Buchmachern und Online-Casinos lassen sich praktisch kaum durchsetzen. Darmstadt ist schon länger als Standpunkt im Gespräch. Doch nicht nur in Hessen wird mit den Hufen geschart. Auch Schleswig-Holstein, welches sich schon seit vielen Jahren für eine Liberalisierung des Glücksspiels einsetzt, möchte die Regulierungsbehörde gerne auf eigenem Boden wissen.

Dabei hat Schleswig-Holstein durchaus Argumente auf seiner Seite. Denn die bisherigen Änderungen – Vergabe von Lizenzen für Sportwetten und Online-Casinos – gehen in die Richtung des damaligen Alleingangs. Kurz gesagt: In Schleswig-Holstein haben die Politiker und Angestellten bereits die größte Erfahrung vorzuweisen. Auch der „Safe-Server“ der 2014 in den Staatsvertrag eingebracht wurde, stammt aus Schleswig-Holstein. Doch ähnlich wie beim gesamten Entwurf, ist hier noch kein Urteil gefällt.

EGBA kritisiert Deutschlands Art der Casino-Regulierung 1200 1000 2020-02-21 10:36:25 Online-Casino.de

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