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Ein Totalverbot von Online-Glücksspielen ist keine Lösung

Dieter Maroshi, 29. März 2021, Sport & Spiel

Totalverbot von Online-Glücksspiel ist vom Tisch! / Shutterstock.com

Eigentlich sind wir über diese Diskussion längst hinaus. Doch scheint sich dies noch nicht bis zum letzten Politiker herumgesprochen zu haben. Die Bundesländer suchen eine gemeinsame Lösung. Es soll zum vierten Glücksspieländerungsstaatsvertrag kommen. Dazu braucht es die Zustimmung von den Bundesländern. Zuletzt hat der Landtag in Schleswig-Holstein zugestimmt. Doch ist die Entscheidung nicht ohne Gegenstimme geblieben. Denn die SPD lehnte den Antrag konsequent ab. Andererseits wurden offenkundig keine Versuche unternommen ein Totalverbot im Online-Glücksspiel auszugestalten. Da das Internet nicht an der Landesgrenze aufhört und Verbote schon in der Vergangenheit nicht gefruchtet haben, ist jetzt der Weg zu einer weiteren Liberalisierung des Marktes offen.

Andererseits ist offenkundig, dass sich die Politik in vielen Punkten längst nicht einig ist. Manche Politiker sind mit der weitreichenden Öffnung für Online-Poker und –Casino zufrieden. Andere wiederum kritisieren, dass die Grenzen bereits zu eng gesetzt sind. Wieder andere sehen noch Spielraum nach oben beim Jugend- und Spielerschutz. Und dann gibt es noch immer die Stimmen, welche hintergründig das Totalverbot unterstützen bzw. die Umsetzung anderer Wege einfach zu blockieren versuchen. Doch gibt es gute Gründe für eine Regulierung. Wir haben einmal nachgeforscht, warum eine Verbotskultur im Online-Glücksspiel nicht funktioniert.

1. Totalverbote haben in der Vergangenheit nix gebracht

Manche Politiker hätten wohl lieber verschärfte Maßnahmen gesehen. Doch während die Sportwetten jetzt schon seit Jahren gestattet sind, war und ist das Online-Glücksspiel dem Gesetz nach eigentlich verboten. Natürlich sehen dies die Glücksspielseiten anders. Diese berufen sich auf die Europäische Dienstleistungsfreiheit. Und tatsächlich gab es eine Zeit, da hat die EU-Kommission die deutschen Glücksspielgesetze kritisiert. Die letzte größere Änderung beim Online-Glücksspiel gab es im Jahr 2012. Damals kam die Sportwettsteuer. Gleichwohl sind Online-Casinos und –Poker laut deutschen Gesetzen verboten.

Doch was hat diese Gesetzgebung gebracht? Die Spieler haben sich online trotzdem mit Automaten, Tischspielen und sonstigen Glücksspielen vergnügt. Die fehlende Regulierung hat lediglich dazu geführt, dass sich niemand hinsichtlich einer Kontrolle verantwortlich gefühlt hat. Fakt ist, dass der Mensch einen natürlichen Spieltrieb hat. Dies ist bekannt. Und obendrein schon seit 2011 als Ziele des Staatsvertrages gesetzlich verankert: „Durch ein begrenztes, eine geeignete Alternative zum nicht erlaubten Glücksspiel darstellendes Glücksspielangebot den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken, sowie der Entwicklung und Ausbreitung von unerlaubten Glücksspielen in Schwarzmärkten entgegenzuwirken“ (§1 Abs. 1 Nr. 2).

Hier gilt es aus der Vergangenheit zu lernen. Verbote, die nicht durchzusetzen waren, sind gescheitert. Dann lieber eine kontrollierte Öffnung im Online-Glücksspiel. Diese gewährt dann auch eher den notwendigen Spielerschutz.

2. Totalverbote im Online-Glücksspiel sind technisch nicht umzusetzen

Netzsperren sind leicht zu umgehen. (Bildquelle)

Natürlich ist es möglich die Internetseiten der Glücksspielanbieter nur in Deutschland zu sperren. Die Schweiz hat es vorgemacht. Dort gibt es Netzsperren. Doch haben die Schweizer Casinos selber Online-Angebote eingerichtet, die inzwischen sehr attraktiv sind. Hier können die Spieler perfekt kanalisiert werden. Wettbewerb bleibt unter den Spielbanken erhalten. Und die Kunden haben praktisch keinen Grund mehr die virtuellen Landesgrenzen zu verlassen. Wer jedoch nur auf Verbote setzt, der wird schnell scheitern.

Denn die Technik steht nicht still. Über ein VPN (Virtuelles Privates Netzwerk) können Internet-Nutzer aus Deutschland mit nur einem Klick vorgeben, aus einem anderen Land zu stammen. So entziehen sie sich einer Netzsperre. Manche Browser haben diese Funktion schon von Haus aus integriert. Und es wäre naiv anzunehmen, dass der willige Casino-Spieler nicht von dieser Funktion Gebrauch macht. Damit entzieht er sich im Zweifel nicht nur dem Gesetz, sondern auch dem Spielerschutz. Und damit wäre ein wichtiges Ziel im Staatsvertrag eindeutig verfehlt.

Selbst wenn Verbote umgesetzt würden, gäbe es immer Möglichkeiten diese auszuhebeln. Daher muss es das Ziel sein die Spieler auch beim Online-Glücksspiel in Deutschland zu halten. Und dies ist über Totalverbote nicht zu gewährleisten.

3. Totalverbote führen zu fehlender Überwachung

Wenn etwas verboten ist, gibt es scheinbar keinen Grund genauer zu kontrollieren. Welche Behörde wäre zuständig zu prüfen, ob ein Verbot ausgehebelt wird. Angenommen Online-Glücksspiele wären in Deutschland komplett verboten. Jetzt wählt sich ein Spieler über ein VPN bei einem Online-Casino im Ausland ein und spielt. Damit verlässt er den gesetzlichen Schutz und spielt auf eigenes Risiko. Doch wäre niemanden geholfen, wenn ein Großteil der Glücksspieler diesen Weg einschlägt. Online würden sich schnell Tipps und Tricks finden lassen, wie genau ein Totalverbot zu umgehen ist. Und niemand würde sich zuständig fühlen.

Schon jetzt findet ein großer Teil des Glücksspiels im Schwarzmarkt statt. Genau diesem Irrsinn soll mit dem vierten Änderungsstaatsvertrag ab 1. Juli 2021 entgegengewirkt werden. Zwar sind die Regeln des Gesetzes unter Politikern und auch bei den Dienstleistern noch umstritten, aber der Weg ist richtig. Denn ein Totalverbot sorgt letztlich nur dafür, dass praktisch keine Überwachung stattfindet. So ist es schon in der Vergangenheit gelaufen.

Regeln zu erlassen, um Kunden vor hohen Verlusten zu schützen, ist richtig. Ab Mitte des Jahres greifen obendrein weitere Regeln, wie der Panikknopf oder das Einsatzlimit. Doch auch eine übertriebene Regulierung könnte die Spieler – ähnlich wie ein Totalverbot – im größeren Ausmaß auf den Schwarzmarkt treiben. Es ist eine Gradwanderung.

Ein Totalverbot von Online-Glücksspielen ist keine Lösung 1200 1000 2021-03-29 09:56:20 Online-Casino.de

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