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Eva Glawischnig wechselt von der Politik zu Novomatic

Martin Hill, 5. März 2018, Sport & Spiel

Bildquelle: Novomatic Gruppe

Die ehemalige Grünen-Politikerin Eva Glawischnig heuert beim Novomatic Konzern an. Nachhaltigkeit im Glücksspiel lautet das neue Ziel. Überrascht nahm die Politik diesen Jobwechsel zur Kenntnis. Denn Glawischnig und die Grünen gehören zu den ärgsten Kritikern der Novomatic. Die ehemalige Politikerin schwärmte von der Innovationskraft des Unternehmens, sowie der Internationalität ihrer neuen Tätigkeit. Diese Argumente, sowie das Gespräch mit Konzernchef Neumann, sollen den Wechsel schmackhaft gemacht haben.

Ehemalige Kollegen sind überrascht und empört. Denn die Ziele der Grünen sind mit denen des Novomatic Konzerns nicht vereinbar. Es herrscht die allgemeine Meinung vor, dass Glawischnig dem Vertrauen in die Politik mit ihrem Wechsel einen Schlag versetzt hat. Die neue Nachhaltigkeitschefin von Novomatic hat dies wohl ein Stück weit vorhergesehen. Sie trat praktisch mit der Verkündung ihrer neuen Tätigkeit aus der Partei aus.

Glawischnig und Novomatic: Gegensätze die sich anziehen?

Die Grünen haben häufig kein Blatt vor den Mund genommen. Häufiger wurde darauf angespielt, dass Novomatic sein Geld mit Süchtigen verdient. Eine Übertreibung, ohne Zweifel, ist das Spielbedürfnis doch gewissermaßen im Menschen verankert. Und ein Großteil der Spieler hat sich diesbezüglich unter Kontrolle. Weitere Vorwürfe der Grünen beziehen sich auf die starke Glücksspiel-Lobby, die sogar auf Gesetze Einfluss nimmt. Sogar das Schlagwort Korruption ist schon gefallen. „Ich habe gewusst, dass mein Wechsel Irritation, Unbehagen bis hin zu Unverständnis auslösen würde, so Glawischnig. „Mein Job wird es sein, für das gesamte globale Unternehmen den Bereich der Nachhaltigkeit sowie die Frage des „responsible Gaming“ auszurollen, und zwar weltweit.“

Ist die Empörung der Politik fehlgerichtet? Glawischnig wechselt zur Novomatic und setzt sich dort für den Spielerschutz ein. Vielleicht kann sie intern wesentlich mehr erreichen, als ihr dies als Grünen Politikerin gelungen wäre. Sie schränkte diesbezüglich ein, dass sie kein Lobbying für Novomatic und das Glücksspiel betreiben werde. Strittig ist jedoch der Zeitpunkt der Verkündung. Denn die Pressekonferenz wurde während der Kärnten-Wahl abgehalten. In diesem Bundesland war Rolf Holub der Spitzenkandidat der Grünen. Zunächst übte sich der Politiker in Zurückhaltung. Später stichelte er dennoch in Richtung Gumpoldskirchen: „Novomatic ist die reichste Partei Österreichs. Und man sieht ja, welche Zufälle es vor Wahlentscheidungen so gibt.“

Rücktritt: Am 18. Mai 2017 legte sie ihre politischen Ämter als Bundessprecherin und Klubobfrau der Grünen aus gesundheitlichen Gründen nieder. Mit Ihrem Jobwechsel folgte der Austritt aus der Partei.

Novomatic Boss Neumann freut sich auf Glawischnig

Spielerschutz als neue Aufgabe von Glawischnig (Bildquelle)

Glawischnig hätte auch andere Angebote annehmen können. Harald Neumann freut sich jedoch die ehemalige Politikerin in seinem Team begrüßen zu dürfen. Er sagt, „es ist sehr gut für ein Unternehmen, nicht nur Jasager zu haben.“ Und in diesem Sinne möchte Glawischnig agieren. Vor ungefähr einem Jahr äußerte sich die damals Grüne noch als ärgster Widersacher der Novomatic. „Gesetzeskauf. Dass die, die halt Geld haben, Einfluss haben – wie die Novomatic – und damit auch Gesetze beeinflussen.“ Kürzlich wurde sie als neues Mitglied im Novomatic Konzern vorgestellt. Dort zeigte sie sich entsprechend versöhnlich: „Wenn Glücksspiel strengen Regeln unterworfen ist, dann ist das vertretbar […] Man kann Glücksspiel nicht wegverbieten.“ Trotzdem schickte sie auch eine interne Kampfansage ab: „Ich werde meinen kritischen Geist nicht aufgeben.“

 

Johann F Graf: Der Gründer der Novomatic ist der zweitreichste Mann in Österreich. Sein Vermögen erhöhte sich von 2011 (2,2 Milliarden), über 2016 (4,5 Milliarden), bis 2018 (5,8 Milliarden Euro). Auch der Umsatz von Novomatic steigt weiter.

Wie Novomatic mit der Politik verbandelt ist

Von der versuchten Einflussnahme auf Gesetze einmal abgesehen, ist der Novomatic Konzern auch auf anderen Wegen mit der Politik verbunden. Johann F. Graf hat seinen Aufstieg vom Fleischermeister zum Glücksspielmogul vollzogen.  Allerdings gab es andere Personen, die gleichermaßen mit der Politik, wie mit dem Unternehmen in Verbindung standen.

Johannes Hahn: In den Jahren 1997 bis 2003 war der ÖVP-Landtagsabgeordnete im Vorstand der Novomatic zu finden. Bis er als Stadtrat nominiert wurde, war er sogar Vorsitzender des Vorstandes.

Alfred Gusenbauer: Der frühere SPÖ-Chef ist heute Berater der Novomatic. Osteuropa und Südamerika sind sein Steckenpferd. Vorab war er als Aufsichtsrat bei Löwen Entertainment, einer Novomatic Tochter, tätig.

Karl Schlögl: Der ehemalige Innenminister der SPÖ fand sich in den Jahren 2004 bis 2011 im Aufsichtsrat der Novomatic wieder. Und er ist nicht der Einzige. Denn mit Barbara Feldmann (ÖVP) und Martina Flitsch (ehemalige Kanzleipartnerin von Fannes Jarolim von der SPÖ) sitzen nach wie vor im Aufsichtsrat

Glawischnig steigt als Bereichsleiterin für Corporate Responsibility und Sustainability weit oben in der Unternehmenshierarchie ein. Sie ist nicht die erste Politikerin, die mit der Novomatic verbandelt ist. Karl-Heinz Grasser, ehemals Finanzminister, wurde vorgeworfen von der Novomatic 100.000 Euro als Bestechungsgeld angenommen zu haben. Das Verfahren wurde im Jahr 2017 jedoch eingestellt. Er sollte bei der gescheiterten Liberalisierung des Glücksspielmonopols Einfluss nehmen. Allerdings konnte kein Gesetzesverstoß nachgewiesen werden.

Novomatic hält darüber hinaus einen Anteil an der teilstaatlichen Casinos Austria. Dadurch ist es sogar im Wien, wo das kleine Glücksspiel untersagt ist, möglich in der Spielbank zu spielen. Weiterhin hat der Konzern in der Hauptstadt Dutzende Video-Lotto-Terminals (VLTs) aufgestellt und damit der Glücksspielverbot ein Stück weit ausgehebelt. Novomatic ist immer erfolgreich seinen eigenen Weg gegangen. Die Entscheidung für Eva Glawischnig eckt an, ist im Sinne der Unternehmenskultur, Außendarstellung und in Bezug auf die Verpflichtung gegenüber den Spielern keine schlechte Wahl.

Eva Glawischnig wechselt von der Politik zu Novomatic 1200 1000 2018-03-05 16:26:18 Online-Casino.de

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