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Facebook: Algorithmus verbindet Jugendliche und Glücksspiel

Martin Hill, 11. Oktober 2019, Technik

Facebook Algorithmus bringt Jugendliche und Glücksspiel zusammen. (Bildquelle)

Dass Facebook allerhand Daten seiner Nutzer analysiert, sollte hinlänglich bekannt sein. Diese werden vor allem dazu verwendet, damit Werbetreibenden ihre Anzeigen zugeschnitten auf die jeweilige Zielgruppe ausliefern können. Jetzt allerdings droh Facebook aufgrund seines Algorithmus wieder einmal Ärger.

Wie die britische Zeitung „The Guardian“ herausgefunden haben möchte, soll Facebook durch den Algorithmus offenbar Jugendliche und Glücksspiel in eine Verbindung zueinander bringen. Kritiker vermuten, dass so gezielt Glücksspielwerbung an Kinder und Jugendliche ausgestrahlt werden kann. Und das, obwohl Facebook diese Art der Werbung laut eigener Aussage nicht zulässt.

Glücksspielwerbung für Minderjährige ein No-Go bei Facebook

Nachdem Facebook vor allem in der ersten Zeit nach seiner Einführung als Austausch-Medium für die Menschen bekannt wurde, hat das Unternehmen nach und nach auch immer stärker die Werbung auf seiner Plattform eingebaut. Schon seit Jahren analysiert Facebook das Nutzerverhalten und findet so zum Beispiel heraus, welche Menschen sich besonders stark für welche Dinge interessieren. Eigentlich ist das nichts Verwerfliches, denn heutzutage werden überall im Internet Spuren der Nutzer hinterlassen.

Allerdings hatte Facebook in der Vergangenheit immer wieder betont, dass man keine Glücksspielwerbung auf dem Portal erlauben werden. In einem offiziellen Statement des Internetriesen heißt es sogar:

“Wir erlauben keine Werbeanzeigen, die den Verkauf von Alkohol oder Glücksspielen an Minderjährige auf Facebook fördern, und unterbinden solche Aktivitäten, wenn wir sie finden. Wir arbeiten zusätzlich eng mit den Aufsichtsbehörden zusammen, um den Marketingfachleuten Anleitungen zu geben, damit diese ihr Publikum effektiv, aber verantwortungsbewusst erreichen können.“

Oder vielleicht doch nicht?

Ermöglicht Facebook die Werbung gezielt? (Bildquelle)

Aber ist dem wirklich so? Recherchen der bekannten britischen Zeitung „The Guardian“ werfen jetzt ein anderes Licht auf das Unternehmen. So möchte die Zeitung herausgefunden haben, dass der Algorithmus des Unternehmens im Hintergrund gut 740.000 Jugendliche bzw. Minderjährige als mögliche Interessenten des Glücksspiels eingestuft hat. In gut 130.000 Fällen soll es sich dabei um Kinder und Jugendliche aus Großbritannien handeln. Zusätzlich dazu sollen rund 940.000 Jugendliche vom Algorithmus als „interessiert an alkoholischen Getränken“ markiert worden sein. Damit wird nun erstmals öffentlich, dass der Algorithmus offenbar doch Kinder und Jugendliche sowohl mit Alkohol als mit Casinospielen in Verbindung bringt.

Die große Frage: Warum tut Facebook dies, wenn doch eigentlich gar keine Glücksspiel- oder Alkoholwerbung an die Kinder und Jugendlichen ausgespielt werden soll? Die Rahmenbedingungen und wichtigsten Vorgaben wären durch den Algorithmus immerhin bereits geliefert. Facebook hält sich hier recht bedeckt, argumentiert aber unter anderem damit, dass die Werbekunden durchaus die Glücksspiel-Daten der Kinder und Jugendliche für ihre Werbungen nutzen können. So könnten zum Beispiel Spielerschutzorganisationen auf diesem Wege ganz gezielt junge Menschen ansprechen, um diese rund um mögliche Gefahren durch das Glücksspiel aufzuklären.

Findige Unternehmen dürften die Daten ebenfalls nutzen

Dass nicht ausschließlich Spieler- und Verbraucherschutz-Organisationen auf die analysierten Daten von Facebook zurückgreifen, dürfte auf der Hand liegen. Vermutet wird, dass auch Spieleentwickler für Online Games auf die Glücksspieldaten zurückgreifen. Diese können dann ihre kostenlosen Entwicklungen anbieten, die aber oftmals mit sogenannten In-App-Käufen ausgestattet sind. Diese fallen jedoch nicht unter die Glücksspielregelung und sind somit via Facebook auch nicht verboten. Kritiker bemängeln schon seit geraumer Zeit, dass mit diesen In-App-Käufen Kinder und Jugendliche verfrüht an die Mechanismen des Glücksspiels herangeführt werden. In einigen Ländern wurden die sogenannten Lootboxen, also zufällige Extras erworben für echtes Geld, mittlerweile sogar als Form des Glücksspiels eingestuft und sind nur volljährigen Spielern zugänglich. Deutschland gehört bisher nicht dazu.

Facebook selbst steht aufgrund der Datenverarbeitung und dem Jugendschutz ebenfalls immer wieder in der Kritik. So sehen die Richtlinien zwar vor, dass Werbeanzeigen zügig gestoppt werden, wenn diese gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstoßen. Tatsächlich lässt sich im Vorfeld aber nicht prüfen, welche Werbung genau ausgestrahlt wird. Bis diese durch die Plattform anschließend entdeckt und gestoppt wird, wurde die Anzeige in der Regel bereits Tausendfach betrachtet – und das eben auch von Kindern und Jugendlichen.

Facebook kann als echte „Datenkrake“ bezeichnet werden. Der Internetriese analysiert alle relevanten Nutzerdaten für seine Werbekunden und ermöglicht diesen eine perfekte Auswahl der Zielgruppe. Hierfür werden zum Beispiel Standortfaktoren, Interessen, Verhaltensweise oder auch die Verbindungen auf der Plattform genau aufgezeichnet und analysiert werden.

Problem derzeit nur schwer zu lösen

Ob der Fall in Großbritannien in den Händen der strengen britischen Behörden Folgen haben wird, ist noch unklar. Facebook kann sich hier tendenziell gut aus der Affäre ziehen und für die illegalen Werbeanzeigen ausschließlich die Werbetreibenden verantwortlich machen. Immerhin führt der Glücksspielriese in seinen Bedingungen klar auf, an welche Vorgaben sich diese zu halten haben.

Auf der anderen Seite sind es aber genau die Extras und Analysen von Facebook, die den punktgenauen Zugriff der Werbetreibenden bei den Jugendlichen und Minderjährigen erst möglich machen. Hier dürfte sich also ein nur schwer zu lösender Konflikt entdecken lassen.

Facebook: Algorithmus verbindet Jugendliche und Glücksspiel 300 250 2019-10-11 12:48:37 Online-Casino.de

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