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Fußball geschockt: Italien verbietet Glücksspiel-Werbung

Martin Hill, 4. Juli 2018, Wirtschaft

Italien verbietet Glücksspiel-Werbung (Bildquelle)

Der Fußball, auch in Italien, lebt ein Stück weit von Werbung. Von Glücksspiel-Unternehmen, wie den Sportwetten-Anbietern, kommt hierbei ein beträchtlicher Anteil der Werbeeinnahmen. Dennoch sind die Italiener das erste Volk der EU, welches sich rechtlich gegen Glücksspielwerbung stark macht. Betroffen sind Übertragungen im Rundfunk, sowie das Sponsoring von Sportveranstaltungen. Die Fußballvereine in Italien haben bereits gegen dieses Maßnahmenpaket ihren Protest ausgesprochen.

Die Verabschiedung des Maßnahmenpakets in Rom fand am Abend des vergangenen Montags statt. Geht der 02. Juli 2018 damit in die Fußballgeschichte ein. Der Tag, an dem die italienischen Clubs endgültig den Anschluss an die Spitze des Weltfußballs herschenken mussten. Für Fans in Italien eine Horror-Vorstellung. Allerdings ist es zu früh für Schwarzmalerei, zumal die Einkünfte der Teams nicht nur aus Glücksspielwerbung bestehen.

Vorreiter Italien: Schlagen die Maßnahmen jetzt EU-weit an?

Konzepte die sich bewähren, laden zum Nachmachen ein. Müssen wir in Deutschland ebenfalls damit rechnen, dass die Fernseh- und Radiowerbung künftig ohne Betway, Tipico, Drückglück zur Ausstrahlung kommt? So weit ist es längst noch nicht. Tatsächlich ist Italien das erste Land innerhalb der EU, welches Glückspiel-Werbung rigoros verbietet. Luigi Di Maio ist der italienische Arbeitsminister. Er versucht das Konzept ins positive Licht zu rücken: „Wir sind das erste EU-Land, das Werbung für Glücksspiele verbietet. Wir stellen die Menschen in den Vordergrund. Wir sagen Schluss mit der Werbung für Glücksspiele, die viele Familien in den Ruin treiben.“ Auf den ersten Blick ist dieser Argumentation nicht viel entgegenzusetzen. Allerdings enthalt diese Meinung doch einige Schwachpunkte, die aufzudecken sind.

Zunächst einmal wird die Werbung für Glücksspiele in Italien gar nicht vollständig verbannt. Das staatliche Lotto darf weiterhin fröhlich auf Kundenfang gehen. Wo Geld in den Staatshaushalt fließt, scheinen die hohen Moralvorstellungen also nicht zu greifen. Auch der Vergleich zum Tabak- und Alkoholkonsum bietet sich an. Wie viele Familien werden von diesen Süchten zerstört. Aus deutschen Statistiken wissen wir, dass hier die Anzahl höher ist, als dies bei der Spielsucht der Fall ist. Wenngleich der Alkoholkonsum im „Stiefel-Staat“ auf dem Rückzug ist. Dennoch ist die Strategie in Bezug auf das Verbot der Glücksspielwerbung zu hinterfragen. Alternativ hätten die Unternehmen höher besteuert werden können, um von diesen staatlichen Einnahmen Programme ins Leben zu rufen, um generell vor Süchten zu schützen.

Strafzahlung: Die Maßnahmen zum Werbeverbot sehen eine Strafzahlung in Höhe von 50.000 Euro vor.

Fußball in Gefahr: Reaktion der Clubs zum Verbot der Glücksspiel-Werbung

Halten die Clubs ihre Sponsor-Einnahmen fest? (Bildquelle)

Allein in der italienischen Serie A spielen 20 Vereine und alle haben einen Glücksspiel-Partner. Das jährliche Investment in diese Clubs beziffert sich auf 120 Millionen Euro. Diesbezüglich wurden Sponsoring Verträge geschlossen. Wir reden also von 6 Millionen Euro, die jeder Verein im Durchschnitt kassiert. Für diesen Betrag kann bereits ein Spieler gekauft oder zumindest dessen Gehalt bezahlt werden. Im Fußball sagt man, dass häufig Nuancen über Sieg oder Niederlage entscheiden. Dass stimmt nicht nur auf, sondern auch neben dem Spielfeld. Ein weiteres Sprichwort besagt: „Geld schießt keine Tore“. Warum stehen mit dem FC Bayern München, Juventus Turin, dem FC Barcelona und Manchester City dann aber die mit finanzstärksten Clubs der Welt in der Saison 17/18 an der Spitze ihrer jeweiligen Tabelle? Und warum gewinnt Real Madrid die Champions League? Tatsächlich gibt es einen nicht zu leugnenden Zusammenhang zwischen den Finanzen und dem Erfolg.

Demzufolge sehen die italienischen Mannschaften ihre Chancen, zumindest im internationalen Vergleich, schwinden. Dabei ist die Nation, welche aktuell nicht an der WM 2018 teilnimmt, sowieso schon arg gebeutelt. Daher verwundert es wenig, dass mehrere Clubbosse sich bereits gegen die Pläne der Regierung gestellt haben. Von Seiten der Vereine soll jetzt eine Analyse vorgenommen werden, um den wirtschaftlichen Verlust abschätzen zu können. Ob der Protest der Cluboberen etwas ändert, ist derzeit nicht abzusehen. Gleiches gilt jedoch für die Frage, ob das Verbot der Glücksspiel-Werbung dazu führen wird, dass weniger Leute spielen. Immerhin sind Anzeigen in Zeitungen und Internetwerbung anscheinend erlaubt.

Fünf Sterne-Bewertung: Das Maßnahmenpaket umfasst nicht nur das Werbeverbot, sondern verteuert die Anstellung auf befristeter Basis. Mehr als 24 Monate darf ein befristetes Arbeitsverhältnis nicht andauern. Dadurch sollen feste Anstellungen gefördert werden. Auch das Abwandern von Firmen ins Ausland soll damit effektiv unterbunden werden.

Glücksspielwerbung in Deutschland: Nimmt die Werbeoffensive überhand?

Wer in Deutschland den Fußball der 1. Bundesliga auf Sky verfolgt, der wird tatsächlich im großen Stil mit der Werbung von Buchmachern berieselt. Betway, Tipico, Bet3000 und weitere Wettanbieter sind in den Werbepausen, die inzwischen fast die ganze Halbzeit und einen nicht unwesentlichen Teil der Vorberichterstattung füllen, allgegenwärtig. Bwin und Co befüllen aber auch die Banden in den Fußballstadien. Allerdings werden die Werbeplätze, sowohl in den Stadien, als auch im Fernsehen, an den Höchstbietenden vergeben. Wer am meisten zu investieren bereit ist, bekommt den Sendeplatz. Frei Marktwirtschaft nennt man das. Ein Werbeverbot auf Basis der Spielsucht innerhalb der Bevölkerung scheint unverhältnismäßig. Denn laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind nur 0,79 Prozent von einem pathologischen Spielverhalten betroffen. Dahingegen gelten 1,3 von 82,67 Millionen Einwohnern als alkoholsüchtig.

Fußball geschockt: Italien verbietet Glücksspiel-Werbung 1200 1000 2018-07-04 16:00:32 Online-Casino.de

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