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Gehen die Novomatic / Novoline Spiele offline in Deutschland?

Martin Hill, 22. Dezember 2017, Recht & Gesetze

Bildquelle: Novomatic Gruppe

Kürzlich hat Gauselmann seine Merkur Games online vom Markt genommen. Jetzt wurden Gerüchte bestätigt, dass Novomatic mit seinem Novoline Spiele Angebot in Deutschland folgt. Damit wir uns nicht missverstehen, dieses Vorgehen zielt ausschließlich auf den deutschen Markt ab. Es bleibt jedoch fraglich, ob die Unternehmen dem vagen Glücksspielrecht in Deutschland vorbeugen, negative Presse befürchten und sich aus Vorsicht zurückziehen oder ob es nicht einen konkreten, wirtschaftlichen Grund für diesen Schritt gibt.

Rechtlich ist die Situation mit dem Glücksspiel in Deutschland aktuell schwierig. Die Online-Casinos trifft es ganz besonders hart. Nach deutschem Recht befindet sich jeder Anbieter im so genannten „grauen Markt„. Erst kürzlich hatdie EU-Kommission das Verfahren gegen das deutsche Glücksspielrecht eingestellt. Erneut kann spekuliert werden. Haben die Ressourcen gefehlt? Wurde politisch interveniert? Oder weiß die EU bereits mehr als der deutsche Durchschnittsbürger? Auf der anderen Seite wurde erst kürzlich das deutsche Lottomonopol für rechtswidrig erklärt, wir berichteten darüber.

Folgt Novomatic den Fußspuren von Gauselmann?

Ein großer Aufschrei ging durch die Szene, als die Merkur Automaten online verschwunden waren – zumindest für den Echtgeld-Markt. Stake7, ein Anbieter der sich zu 100% auf die Spiele mit der lachenden Sonne stützte, musste sich umorientieren. Deals mit anderen Casinos wurden abgebrochen oder zumindest ausgesetzt. Heute erreichte uns eine Email von einem Anbieter mit Novoline Spielautomaten, dass Novomatic wohl einen ähnlichen Schritt geht:

„Kürzlich nachdem alles unterschrieben, versiegelt und ausgeliefert war, hat der Anbieter seinen Rückzug vom deutschen Markt angekündigt. […] Konkret bedeutet dies, dass die Novoline Spiele wie Book of Ra nur bis zum 29. Dezember 2017 live sind und dann müssen wir sie für Deutschland deaktivieren.“ Frei übersetzt aus einer Mitteilung von einem Online Casino zum Rückzug von Novomatic.

Dies trifft nun auch Stargames besonders hart, denn der Anbieter zählt als ursprüngliche Heimat der Novoline Spiele. Allerdings wurden in der jüngeren Vergangenheit weitere Verträge geschlossen, zum Beispiel mit dem Ovo Casino, Quasar Gaming, LvBet oder auch GVC Plc mit dem Party Casino. Während sich Stargames ebenfalls im großen Maßstab umorientieren muss, werden die anderen Partnerschaften zu alternativen Software Herstellern wie NetEnt oder Playtech zurück greifen.

Novomatic soll dabei einen rigorosen Plan verfolgen. Das Stargames Casino soll die Novoline Spiele einerseits behalten, Andererseits sollen Echtgeldeinsätze verboten werden. Damit wäre eine Aktivität in Deutschland gewährleistet, ohne in die Branche des Glücksspiels einzutreten. Einsätze würden folglich mit einer Spielgeldwährung, wie „Stars“, erfolgen. Bei anderen Anbietern wären die Games für Deutschland nicht zu erreichen. Geoblocking würde die Titel von Deutschland aus sperren. Lediglich über ein Virtuelles Private Netzwerk (VPN) könnte diese Sperre umgangen werden. Eine Frage bleibt unbeantwortet: Warum gibt Novomatic den Millionen-Markt Deutschland kampflos auf? In Bezug auf Merkur könnte rückwirkend das Gleiche gefragt werden. Hier hat wohl Paul Gauselmann selber das Machtwort gesprochen. Nach den Paradise Papers galt es weitere schlechte PR zu vermeiden. Zudem hatte der deutsche Konzern, welcher den Online-Start gerade erst vollziehen wollte, weniger zu verlieren.

Casinos ohne Merkur und Novoline: Da Novomatic nachzieht, wären die beliebtesten Spielautomaten vorerst vom deutschen Echtgeld-Casino-Markt verschwunden. Oder steckt eine tiefergehende Strategie dahinter?

Wie endet die Hängepartie im deutschen Glücksspielrecht?

Lächelt diese Sonne 2018 wieder in den Online-Casinos? (Bildquelle)

Während einige Bundesländer die restriktive Gesetzgebung der vergangenen Jahre fortführen wollten, hat sich inzwischen eine Front gegen diese Planung gebildet. Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen haben aktuell nicht vor den 2. Glücksspieländerungsstaatsvertrag zu unterzeichnen. Damit bleiben die für 2018 geplanten Änderungen vorerst aus. Dies ist für die Online Casino Branche eigentlich ein positives Signal. Denn in der bisherigen Planung wären die Online-Casinos erneut nicht bedacht worden. Schleswig-Holstein und Co. haben sich bereits dazu geäußert, dass minimalinvasive Eingriffe in den Glücksspielstaatsvertrag nicht zielführend sind. Denn nicht nur die Casinos, auch das Pokern und neue Herausforderungen, wie der virtuelle Sport, E-Sports und Fantasy Football fehlen dort vollständig.

Eine Sache ist jedoch merkwürdig. Nachdem sich inzwischen eine breite Front gegen den 2. Glücksspieländerungsstaatsvertrag gebildet hat, ist die EU-Kommission eingeknickt. Das Verfahren gegen das deutsche Glücksspielrecht wurde eingestellt. Dazu gibt es zwei Theorien. Entweder die EU wollte ihre Liste an Verfahren reduzieren und dachte in Deutschland geht mit der Überarbeitung ab 2018 alles einen rechtssicheren Weg oder die EU-Kommission wusste schon mehr. Denn die zweite Option wäre, dass sich politisch im engeren Kreis bereits auf die Umsetzung des damaligen Glücksspielrechts aus Schleswig-Holstein geeinigt wurde. Diese Rechtsauslegung hatte mehr oder weniger bereits den Segen der EU. Entsprechende Anpassungen wären gegebenenfalls nötig, sind aber schneller gemacht als beim Glücksspielstaatsvertrag. Denn Schleswig-Holstein lizenzierte seinerzeit nicht nur Sportwetten-, sondern auch Casino-Anbieter.

Und was wäre, wenn nicht nur die EU, sondern auch die Unternehmen Gauselmann und Novomatic wüssten, dass es zukünftig eine klare Regelung für den deutschen Markt gibt? Die Erfahrung hat gezeigt, dass Konzessionen nur dann vergeben werden, wenn Firmen nicht auf dem Schwarzmarkt aktiv sind. Spätestens nach dem Rückzieher der EU müsste Deutschland als solcher angesehen werden. Sieht der Plan vielleicht folgendermaßen aus: Zunächst gilt es den graunen Markt in Deutschland zu verlassen. Wenn rechtlich die Weichen gestellt sind, soll wiederum eine Lizenz erworben werden, um noch stärker auf den deutschen Markt zurückzukehren. Wirtschaftlich macht dieser Plan eindeutig mehr Sinn, als der kampflose Rückzug, den die beiden Großunternehmen derzeit einläuten.

Steuereinnahmen für Deutschland: Weiterhin ist darauf zu verweisen, dass die großen und bekannten Glücksspielunternehmen in Deutschland Steuern zahlen. Dies ist den Finanzämtern natürlich bewusst. Somit sollte auch die Politik Bescheid wissen. Auf diese Einkünfte wird die Bundesrepublik nicht verzichten wollen. Klare gesetzliche Vorgaben könnten die Weichen sogar hin zu Mehreinnahmen stellen.

Wann hat das politische Hin und Her ein Ende?

Politisch und damit auch rechtlich ist das Glücksspiel in Deutschland seit vielen Jahren eine große Baustelle. Schleswig-Holstein hatte 2012 den Ehrgeiz Casinos und Sportwetten zu legalisieren. Diese Lizenzen laufen größtenteils noch bis ins Jahr 2018 hinein. Später wurden dennoch dem Staatsvertrag zugestimmt. Ein länger laufendes Verfahren von der EU und mehrere fruchtlose Überarbeitungen später, hat sich die Lage nicht merklich verbessert. Im Gegenteil: Schauen wir nach Großbritannien oder Dänemark, dort wird der Gewinn der Glücksspielunternehmen mit 15 oder 20 Prozent besteuert, sind einige unserer Nachbarn ein gutes Stück weiter. Liebe Politiker, es wird Zeit das Deutschland bei der Glücksspielgesetzgebung einen großen Schritt weiterkommt. Wir hoffen, dass dies auf eurer Agenda für die guten Vorsätze des Jahres 2018 steht.

Gehen die Novomatic / Novoline Spiele offline in Deutschland? 300 250 2018-07-04 15:47:49 Online-Casino.de

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