Aktuelle Casino Nachrichten für Deutschland
Recht & Gesetze, Sport & Spiel, Steuern, Technik, Unterhaltung und Wirtschaft

Gibraltar verliert seine Sonderstellung für Glücksspiel-Anbieter

Martin Hill, 14. Juni 2017, Wirtschaft

Bleibt Gibraltar ein Paradies für Glücksspiel-Unternehmen? (Bildquelle)

Beim Brexit haben sich die Politiker in Großbritannien verzockt. Schottland kämpft um einen Verbleib in der EU. Und Gibraltar wird vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) eindeutig unter die Autorität von Großbritannien gestellt. Problematisch ist des für alle Unternehmen mit Bezug zum Glücksspiel, die aktuell vom Sonderstatus auf Gibraltar profitieren. Denn künftig sollen die Dienstleistungen auf dem „Affenfelsen“ ebenso bewertet werden, wie in England.

Derzeit ist Gibraltar für Glücksspiel-Unternehmen noch eine Steueroase. Tatsächlich ist die Anzahl der Firmen aus der Casino- und Sportwetten-Branche, die sich dort niedergelassen haben, in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen. Damit kletterte auch der Reichtum des 6,8 Quadratkilometer großen Zwergstaates auf 55.000 Pfund je Einwohner. Solche Summen sind ansonsten nur in Regionen zu finden, die mit Erdöl handeln.

Gerichtsurteil: Großbritannien und Gibraltar als Einheit

Am vergangenen Dienstag fiel schließlich die Entscheidung, welche von vielen Unternehmen schon befürchtet wurde. Steuerlich wird sich in absehbarer Zeit etwas ändern. Denn das Recht in Bezug auf Dienstleistungen in Gibraltar muss dem vom England angepasst werden. Dies wirkt sich auf die Verbrauchssteuer aus, wegen der die Unternehmen aus den Branchen „Glücksspiel“ und „Finanzen“ überhaupt nach Gibraltar gezogen sind. Der Zwergstaat selber ist Leidtragender. Denn die beiden genannten Branchen spülen ungefähr 50% des Bruttoinlandprodukts ein. Ebenso müssen sich die Unternehmen überlegen, wie oder von wo sie in Zukunft agieren. Die Entscheidung des EuGH könnte damit auch für die 3.200 Beschäftigen im Glücksspiel-Bereich Auswirkungen haben. Tatsächlich haben sich 33 Glücksspiel-Firmen, aus den Sektoren Online Casino und Wetten, auf Gibraltar niedergelassen.

Verbrauchssteuer auf Gibraltar: Aktuell zahlen die Dienstleister auf dem „Affenfelsen“ nur ein Prozent. Indem das Territorium unter die Kontrolle Englands gestellt wird, ist ein Anstieg auf 15 Prozent denkbar. Handelt es sich sogar um das Aus für das sogenannte „Online-Las-Vegas“?

Verlierer der EuGH-Entscheidung in Bezug auf Gibraltar

Gerade bei den Sportwetten finden sich eindeutige Verlierer bei den Wettanbietern. Dazu gehört Bet365, ein britisches Unternehmen mit Sitz auf Gibraltar. Auch das in Deutschland lange Zeit sehr populäre Bwin ist auf dem „Affenfelsen“ zu finden. William Hill ist eine weitere Größe des Wettmarktes, die mit einer höheren Besteuerung rechnen muss. Die 33 Glücksspielunternehmen sollen 60 Prozent des Wettmarktes auf der ganzen Welt unter sich aufteilen. Im Jahr 2016 haben diese Unternehmen 30 Milliarden Euro eingenommen. Solange die Online-Buchmacher noch auf Gibraltar aktiv sind und mit höheren Steuern belegt werden, könnten auch die Kunden als Leidtragende gelten. Denn in diesem Fall ist es nicht ausgeschlossen, dass es zu Quotenabschlägen kommt, um die Gewinnmarge aufrecht zu erhalten.

Verlierer Gibraltar: Der Sonderstatus scheint verloren zu gehen. Dennoch möchte die Region nicht Spanien zugeordnet werden. Bei einer Arbeitslosigkeit von 35 Prozent in der Nachbargemeinde „La Linea“ ist diese Haltung zu verstehen. Dennoch könnte eine Massenflucht der Glücksspielanbieter bevorstehen, welche sich negativ auf die Wirtschaft auswirkt.

Gewinner der EuGH-Entscheidung in Bezug auf Gibraltar

Natürlich ist die andere Seite der Medaille zu beleuchten. Spanien könnte als Gewinner gesehen werden. Denn die Nation hofft schon lange auf eine Rückkehr von Gibraltar in das eigene Hoheitsgebiet. Die autonome Regierung auf Gibraltar muss sich vom Festland diverse Vorwürfe gefallen lassen: Die Behinderung der Fischer, der Schmuggel von Zigaretten und das zu kleine Engagement gegenüber Steuerhinterziehern sind den Spaniern ein Dorn im Auge. Große Gewinner sind die Glücksspielunternehmen, welche ihren Sitz nicht auf Gibraltar haben. Und in diesem Zusammenhang könnte Malta zum großen Gewinner werden. Denn sollte es tatsächlich eine Massenflucht der Glücksspiel-Branche geben, so ist Malta das naheliegende Ziel. England selber könnte ebenfalls ein Gewinner sein, da mit höheren Steuereinnahmen zu rechnen ist – wenngleich wohl nur vorübergehend.

Gewinner Malta: Auf Malta haben viele andere Glücksspiel-Unternehmen ihren Hauptsitz. Neben Malta selber gehören auch diese Firmen zu den Gewinnern, da bei der Konkurrenz höhere Steuern oder ein Umzug des Sitzes bevorstehen.

Brexit als Triebfeder: Gibraltar stimmte gegen Austritt

Gibraltar gilt seit vielen Jahren als Hochburg des Glücksspiels. Der Status Quo war daher das Ziel. Dementsprechend ist es wenig erstaunlich, dass auf Gibraltar 99 Prozent der Einwohner während des Referendums im Jahr 2002 gestimmt haben. Bezüglich der Brexit-Entscheidung 2016 waren auch immerhin 96 Prozent gegen die Abspaltung von der EU. Allerdings fürchten nicht nur die Glücksspielunternehmen um ihre Sonderstellung auf der Insel. Auch die Tourismus-Branche könnte mit Problemen zu kämpfen haben. Denn durch die Zuordnung von Gibraltar zu England findet eine Ausgrenzung von der Europäischen Union statt. Spanien könnte daher das Passieren der Grenze für Touristen deutlich erschweren, was wiederum das Interesse von Reisenden reduziert. Für Gibraltar stehen wirtschaftlich schwere Zeiten bevor. Eine Zuordnung zu Spanien könnte die Probleme zumindest teilweise lösen. Allerdings fühlen sich die Einwohner klar britisch.

Dienstleistungsverkehr: Das aktuelle Urteil vom Europäischen Gerichtshof wurde mit Spannung erwartet. Für Gibraltar ist es nicht nach Wunsch ausgegangen. Gleichwohl verwies der EuGH darauf, dass der gesonderte und unterschiedliche Status von Gibraltar unangetastet bleibt. Der Dienstleistungsverkehr wird künftig aber als Leistung eines Staates gesehen. Bezüglich des Brexits werden in Kürze erste Verhandlungen geführt.

Gibraltar verliert seine Sonderstellung für Glücksspiel-Anbieter 300 250 2017-06-14 17:20:17 Online-Casino.de

Weitere Casino News