Aktuelle Casino Nachrichten für Deutschland
Recht & Gesetze, Sport & Spiel, Steuern, Technik, Unterhaltung und Wirtschaft

Glücksspiel Firma 888 Holdings zahlt 8,4 Millionen Euro Strafe

Martin Hill, 4. September 2017, Wirtschaft

Die 888 Holdings gehört zu den größten Glücksspiel-Unternehmen im Web.

Die 888 Holdings sind im World Wide Web, im Segment des Glücksspiels, vielen ein Begriff. Das Unternehmen ist in Sachen Casino-Spiele aktiv, beschäftigt sich aber auch mit dem Poker und Sportwetten. Damit wird ein Großteil der Bandbreite im Online-Glücksspiel abgedeckt. Zahlreiche Kunden vertrauen der Plattform. Und eben hier liegt ein Versäumnis vor, welches 888 Holdings teuer zu stehen kommt: 8,4 Millionen Euro müssen als Strafe bezahlt werden.

Die United Kingdom Gambling Commission hat das Fehlverhalten des Unternehmens aufgedeckt und die Strafzahlung auf 7,8 Millionen britische Pfund (8,4 Millionen Euro) festgesetzt. Auf der eigenen Homepage bezieht das Kontrollorgan Stellung und verweist dort auf den Umgang von 888 mit vertrauenswürdigen Kunden. Gemeint sind Spieler, die eine Selbstsperre haben vornehmen lassen, sowie Kunden mit auffälligem Spielverhalten.

Technisches Versagen: Selbstsperren haben bei 888 nicht gegriffen

Seriöse und zuverlässige Glücksspiel-Unternehmen geben dem Kunden die Chance sich selber zu reglementieren. Dazu zählen beispielsweise tägliche, wöchentliche oder monatliche Limits in Bezug auf Verluste, Einsätze oder Einzahlungen. Auf diesem Weg setzen sich Kunden selber eine Grenze. Andere kennen scheinbar kein Limit und fallen in die Kategorie der Spielsuchtgefährdeten. Daher wird die Chance geboten, sich selber vom Glücksspiel bei 888 auszuschließen. Diese technische Möglichkeit nehmen 7.000 Kunden von 888 wahr und schlossen sich somit selber aus. Dies betraf die Plattformen beim Poker, dem Casino, bei den Sportwetten und auch beim Bingo. Allerdings scheiterte die Umsetzung. Über das Bingo-Segment hatten die Spieler auch weiterhin Zugriff auf ihr Konto. Bis zu 13 Monate nach der Selbstsperre konnten die Kunden auch weiterhin Gelder zum Glücksspiel-Unternehmen transferieren. Auf diesem Weg wurden noch Einzahlungen in Höhe von 3,5 Millionen britische Pfunde getätigt.

Laut 888 Holdings handelt es sich um ein technisches Problem, welches über einen längeren Zeitrahmen nicht aufgedeckt wurde. Das Unternehmen setzte diverse Kontrollmechanismen ein, scheiterte jedoch an einer umfassenden, technischen Umsetzung. Diese Lücke hat spielsuchtgefährdeten Kunden einen Schaden zugefügt. Daher hat die Gambling Commission 888 zur Verantwortung gezogen.

Schutze des Kunden: Auffälliges Spielverhalten nicht hinterfragt

Wie aufmerksam müssen Glücksspiel-Unternehmen bei der Überwachung ihrer Kunden sein? Das nachfolgende Beispiel zeigt sehr schön, wie auffällig Spielverhalten sein kann. Denn ein Kunde setzte innerhalb von 13 Monaten 1,3 Millionen britische Pfund auf Sportwetten. Darin enthalten waren 55.000 britische Pfund, die vom Arbeitgeber entwendet wurden. Gleichwohl wurden Sportwetten täglich über einen Zeitraum von drei bis vier Stunden abgegeben. Das hochgradig auffällige Spielverhalten des Kunden hätte zumindest von 888 hinterfragt werden müssen. Allerdings hat das Unternehmen nicht reagiert und keinen Kontakt zu diesem „Problemspieler“ aufgenommen. Ein Blick auf die Häufigkeit und Intensität, sowie die geflossenen und gesetzten Geldbeträge genügen, um das Problem zu erkennen. Die 888 Holdings sind auch hier dem Schutz des Spielers nicht nachgekommen.

Bei der Strafzahlung sollte auch deutlich werden, dass die Maßnahmen des Spielerschutzes kein optionaler Bestandteil beim Online-Glücksspiel sind. Es handelt sich um sinnvolle Mechanismen, die sorgfältig überwacht gehören.

Rekordstrafe: Wurde mit der Strafzahlung ein Zeichen gesetzt?

Glücksspiel Aufsicht in U.K. – gamblingcommission.gov.uk

Auch in Deutschland steht die Überwachung des Online-Glücksspiels auf dem Prüfstand. Bei den Sportwetten findet eine Überarbeitung statt. Online-Casinos und Poker sollen nach aktuellem Stand noch nicht berücksichtigt werden. Die Chance der Legalisierung von Online-Casinos haben wir uns ebenfalls schon gewidmet. Diese Angebote befinden sich in der Bundesrepublik in einer Grauzone und rechtfertigen sich bestenfalls über die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU. Generell stellt sich im konkreten Fall schon die Frage, ob die Glücksspiel Kommission in Großbritannien auch anderen Anbietern im Web gegenüber ein Zeichen setzen wollte. Denn die Summe von 7,8 Millionen britischer Pfund wäre sicherlich für einige Firmen nur schwer zu tragen gewesen. Die 888 Holdings kann diese Summe aber handhaben. Dennoch möchten wir einmal schauen, wie sich der Strafbetrag zusammensetzt.

Sarah Harrison ist bei der UK Gambling Commission tätig und verweist auf Folgendes: „Dieses Strafpaket von knapp 8 Millionen Pfund spiegelt die schwerwiegenden Fehler von 888 wieder, bei ihrer Pflicht auffällige Kunden zu schützen.“ Aber wohin fließen die Millionen? Zunächst einmal erhalten die Betroffenen Spieler eine Rückzahlung. Gemeint sind hier die 7.000 Kunden, die trotz Selbstsperre spielen konnten. Diese erhalten ihre Einzahlungen der betroffenen 13 Monate zurückerstattet. Es handelt sich um eine Summe im Gegenwert von 3,5 Millionen Pfund. Zudem gehen 62.000 Pfund an den Arbeitgeber, welcher von seinem Mitarbeiter aus der Spielsucht heraus bestohlen wurde. Es handelt sich hier um eine Rückzahlung zuzüglich Schadensersatzes. Somit sind noch 4,25 Millionen Pfund offen. Dieser Betrag fließt in ein Maßnahmen-Paket zur Bekämpfung des Glücksspiels.

Die Sanktionen sind somit gerechtfertigt. Sie sollen abschreckend wirken und dafür sorgen, dass ähnliche Versäumnisse anderen Glücksspiel-Unternehmen nicht wiederfahren. Gleichwohl wird Nachsorge betrieben. Denn die Gambling Commission hat verkündet, dass zusätzlich noch eine unabhängige Prüfung in Auftrag gegeben wird, welche die Prozesse von 888 in Hinblick auf den Schutz der Spieler untersuchen soll.

Die Zusammenfassung im Originaltext kann direkt bei der Gambling Commission nachgelesen werden. Dort wird Bezug zum Sanktionspaket genommen, welches gegenüber der 888 Holding verhängt wurde.

Glücksspiel Firma 888 Holdings zahlt 8,4 Millionen Euro Strafe 300 250 2017-09-04 16:10:56 Online-Casino.de

Weitere Casino News