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Glücksspiel-Kanalisierung: Lernen aus Fehlern in Schweden

Martin Hill, 19. Februar 2021, Recht & Gesetze

Schweden verschärft Glücksspiel-Regeln / Shutterstock.com

Dem Glücksspiel in Deutschland stehen Änderungen ins Haus. Neue Regeln gilt es von den Anbietern umzusetzen. Das vorrangige Ziel der Gesetzgeber ist der Spieler- und Jugendschutz. Um dieses Ziel jedoch zu erreichen, müssen die Glücksspieler zu den legalen Seiten gelotst werden. Dieser Prozess nennt sich Kanalisierung. Denn die besten Vorschriften helfen nix, wenn die Kunden sie umgehen. Doch genau dies könnte passieren. Nämlich dann, wenn das Regelwerk zu starr ist und die Einschränkungen über die Erlaubnisse triumphieren. So wurde in Schweden 2019 ein neues Glücksspielgesetz erlassen, welches zum 2. Juli 2020 nochmals eine Verschärfung erfuhr. Doch gibt es Kritik an den neuen Einschränkungen.

Der Reihe nach. Zunächst einmal soll erklärt werden, wie es zur neuerlichen Verschärfung der Regeln in Schweden kam. Die Neuauflage des Glücksspielgesetzes zum Jahr 2019 war geplant und akkurat umgesetzt. Mitte 2020 gab es plötzlich einen Schwung neuer Regeln, welche die Glücksspielanbieter umzusetzen hatten. Corona ist der Grund. Die Schweden sollten in einer Phase wo sie häufiger zuhause sind und eventuell weniger verdienen nicht dem Glücksspiel anheimfallen. Doch Regeln haben ein Ziel. Hier: Glücksspiel unterbinden. Doch in diesem Fall könnte genau das Gegenteil eintreten. Entgleiten die Spieler dem legalen schwedischen Markt?

Blick nach Schweden: Ist die Kanalisierung der Glücksspieler in Gefahr?

Schweden verschärfte die Glücksspiel-Regeln mitten in der Pandemie. Schutzgedanken haben das Regelwerk erweitert. Doch wo genau setzte die schwedische Regulierung an? Einerseits reduzierte sich das Einzahlungslimit auf 5.000 Schwedische Kronen (SEK). Dabei handelt es sich um gut 497 Euro. Für Highroller ist diese Summe natürlich ein Witz. Und ein weiteres Limit sollte Neukunden abschrecken. Denn die Bonus-Zahlung der Glücksspielseiten in Schweden wurde rechtlich auf 100 SEK beschränkt. Hier reden wir tatsächlich nur von einem Bonus in Höhe von 9,94 Euro. Zunächst hören sich diese Verschärfungen plausibel an. Denn die Spieler können in der Pandemie weniger Geld ausgeben und erhalten kleinere Anreize sich überhaupt für ein Glücksspiel zu registrieren. Allerdings hat die Umsetzung einen Denkfehler. Selbst im deutschen Glücksspielrecht ist vom „natürlichen Spieltrieb“ die Rede. Das Glücksspiel lässt sich also kaum unterbinden oder im großen Maße einschränken. Glücksspieler finden ihren Weg. Doch das Gleichgewicht auf dem schwedischen Markt verschiebt sich.

Und damit sind wir bei der Kanalisierung angekommen. Anbieter mit schwedischer Lizenz sind an die neuen Vorschriften gebunden. Dies gilt jedoch nicht für den nicht regulierten Markt. Zwar sind andere Anbieter rechtlich illegal. Doch auch in Schweden sind diese für die Politik nur schwer zu greifen. Im Februar 2019 schätzte die Regierung die Kanalisierung auf den in Schweden legalen Glücksspielmarkt auf 75 Prozent. Seitdem geht der Prozentsatz aber zurück. Faktisch ist es möglich bei Casinoseiten ohne Konzession einzuzahlen und zu spielen. Dafür müssen Spieler praktisch nur Anbieter suchen, die weder eine schwedische Internetseite, noch das Bezahlen in Schwedischen Kronen gestattet. Damit entziehen sich die Glücksspieler aus dem hohen Norden der heimischen Regulierung und dem schwedischen Glücksspielmarkt. Nähere Informationen finden sich auf der Seite des Sveriges Riksdag (Schwedisches Parlament).

Verschärfte Regeln: Natürlich unterliegen die strengeren Vorschriften einer Frist. Diese ist auf den 30. Juni 2021 gesetzt.

Gelingt die Kanalisierung des deutschen Glücksspiels ab Juli 2021?

Deutsches Glücksspiel am Scheideweg / Shutterstock.com

Von Schweden nach Deutschland. Auch hier kommen schärfere Regeln. Dazu zählt ebenfalls ein Limit bei der Einzahlung in Höhe von 1.000 Euro – diese Limitierung gilt pro Kunde und erstreckt sich auf alle Glücksspielplattformen gemeinsam. Eventuell sind höhere Limits nach Vorlage eines Verdienstnachweises möglich. Außerdem sollen die Einsätze bei Spielautomaten auf einen Euro je Runde beschränkt sein. Das Glücksspiel wird in diesem Fall sogar noch weiter beschnitten, da nach einer Drehung fünf Sekunden Pause technisch eingefordert werden. Und wer sich jetzt denkt, dann weiche ich eben auf Roulette oder Blackjack aus, der schaut ebenfalls in die Röhre. Denn die Tischspiele verschwinden scheinbar auch vom Online-Markt. Die Restriktionen in Deutschland sind hart. Und ähnlich wie es aktuell in Schweden der Fall ist, gerät damit die Kanalisierung in Gefahr.

Denn was passiert, wenn das Angebot der in Deutschland lizenzierten Glücksspielanbieter nicht attraktiv genug ist? Dann weichen auch hier die Spieler auf die illegalen Anbieter aus. Bislang haben wir kein Konzept gesehen, welches diese Abwanderung in den Schwarzmarkt verhindert. IP-Sperren der Domain-Hoster (Netzsperren) können mit einem simplen Add-on im Browser schon umgangen werden. Wenn es Spieler darauf anlegen, dann entziehen sie sich also der Glücksspielregulierung in Deutschland. Umso wichtiger sind Regeln, die zwar einerseits schützen, aber andererseits ein attraktives Spiel ermöglichen. Zu einem Problem könnte sich überdies die Überwachung der Spieler entwickeln. Denn um Einzahlungs- und Einsatzlimits zu prüfen, muss eine Kontrolle stattfinden. Ohnehin befindet sich die neue Glücksspielbehörde noch im Aufbau und wird zum Start der Einführung des neuen Glücksspielstaatsvertrages (1. Juli 2021) noch nicht fertig sein.

Verderben zu viele Regeln das Glücksspiel? Dieser Eindruck lässt sich gewinnen. Vielleicht sollten sich die Gesetzgeber entweder auf die Art des Spiels oder auf den finanziellen Aspekt konzentrieren und erst einmal die Entwicklung abwarten. Denn wenn sich ein Großteil der Kunden nicht kanalisieren lässt und sich somit dem deutschen Markt entzieht, ist niemandem geholfen.

Glücksspiel-Kanalisierung: Lernen aus Fehlern in Schweden 1200 1000 2021-02-19 09:55:16 Online-Casino.de

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