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Glücksspiel-Steuern: Verkraften Online-Casinos 125 Prozent?

Sabina Kugler, 9. Juni 2021, Steuern

Glücksspiel-Steuer: Kritik & Unterstützung (Bildquelle)

Ab Juli 2021 gelten für Online-Casinos und Poker-Seiten eine Glücksspiel-Steuer in Höhe von 5,3 Prozent. So ist es zumindest laut einem Gesetzesentwurf geplant, welcher kürzlich vor dem Finanzausschuss bewertet wurde. Zunächst scheinen 5,3 Prozent sehr wenig zu sein. Besonders vor dem Hintergrund, dass herkömmliches Glücksspiel mit 25 Prozent (der Anteil, der nicht wieder ausgeschüttet wird) besteuert wird. Doch besonders bei den Automaten gibt es eine Crux. Denn die Gewinnspanne für die Online-Casinos bewegt sich hier nur im niedrigen Prozentbereich. Dementsprechend wirft Renatus Zilles vom Deutschen Verband für Telekommunikation und Medien (DVTM) ein, dass die Glücksspiel-Steuer in Höhe von 5,3 Prozent eigentlich einer 125-prozentigen Besteuerung auf die Einkünfte entspricht!

Bamm. Und damit muss die Besteuerung gleich unter mehreren Gesichtspunkten neu betrachtet werden. Doch zunächst möchten wir noch den Gesetzesentwurf des Bundesrates eines Gesetzes zur Änderung des Rennwett- und Lotteriegesetzes und deren Ausführungsbestimmungen verlinken. So kann nämlich jeder Leser die geplanten Änderungen – auf 120 Seiten – nachvollziehen. Allerdings ist der Gegenwind allem Anschein nach nicht so stark, dass die 5,3 Prozent Besteuerung von Internet-Casinos und Poker-Seiten vom Tisch wäre. Derzeit lässt sich die Debatte wohl am ehesten als kontrovers beschreiben.

Fakten auf den Tisch: Was spricht gegen die Glücksspiel-Steuer von 5,3 Prozent

Kritiker führen allem voran an, dass der geplante Spielerschutz mit dieser Maßnahme nicht zu erreichen ist. Dazu ein kurzer Abriss, was die Steuererhöhung bewirken könnte: Online-Casinos müssen künftig 5,3 Prozent Glücksspiel-Steuern abführen. Folglich gilt es den Return on Invest abzusenken. Dabei handelt es sich um die Auszahlungsquote eines Spielautomaten. Anstatt 96 Prozent gibt es dann vielleicht nur noch 86 Prozent des Einsatzes (im Durchschnitt) zurück. Doch die Kunden einer Internet-Spielbank sind nicht mit dem Klammerbeutel gepudert. Und das Internet verbreitet Fakten sehr schnell. Viele Spieler fühlen sich im Nachhinein um bessere Gewinnchancen betrogen. Und diese können sie sich nach wie vor woanders suchen – nämlich im nicht regulierten Bereich. Plötzlich wird das Gegenteil vom Spielerschutz erreicht. Denn die Kunden spielen lieber im nicht regulierten Ausland. Und diese Domains werden kaum alle gesperrt werden können. Selbst wenn, dann können diese noch immer mit einem VPN (Virtuelles Privates Netzwerk) umgangen werden. Spielerschutz ade!

Nicht nur das Schutzversprechen gegenüber den Kunden, welches gesetzlich übrigens verankert ist, wäre damit gebrochen. Ein weiteres Ziel, auch wenn dieses nicht offensiv formuliert ist, tut dem Staatssäckel gut. Natürlich meinen wir die Steuereinnahmen. Doch wenn sich ein Großteil der Kunden im nicht regulierten Ausland amüsiert, so könnten die Einkünfte sogar fallen, anstatt anzusteigen. Behörden versuchen länger schon den Markt über die Zahlungsanbieter zur regulieren. Doch hier ist das Scheitern ebenfalls vorprogrammiert. Im Zweifel bieten die Online-Casinos im Ausland einfach die Kryptowährungen zum Bezahlen an. Diese lassen sich von staatlicher Seite kaum kontrollieren. Frankreich hat übrigens schon gewechselt – von der Einsatzsteuer auf Online-Poker, hin zu einer Ertragssteuer. Aus genau diesen Gründen. Die Spieler spielen einfach anderswo.

Sensible Stammspieler: Diesbezüglich würden wir auch von Vielspielern sprechen. Sie bringen den meisten Einsatz ein und folglich auch die meisten Steuern. Gerade diese Zielgruppe würde am ehesten den Anbieter für eine bessere Gewinnchance wechseln.

Steuer-Kritik unberechtigt? Besteuerung hat durchaus Fürsprecher!

Sind 5,3 Prozent Glücksspiel-Steuer okay? (Bildquelle)

Natürlich gibt es bei der Glücksspiel-Steuer auch Fürsprecher. Dazu zählt Thomas Eigenthaler von der Deutschen Steuergewerkschaft. Er sagt bezüglich des Arguments zum Abwandern der Spieler in die Illegalität: „Sonst kann jeder Handwerker sagen: besteuert mich nicht so hoch, sonst gehen die Leute in die Schwarzarbeit.“ Gleichwohl werden Wettbewerbsargumente ins Feld geführt. Denn das landbasierte Glücksspiel ist höher besteuert. Da wäre zum Beispiel die kommunale Vergnügungssteuer. Außerdem müssen Online-Spielotheken weder für Geschäftsräume, noch für Bedienpersonal bezahlen. Daher dürfe es bei der Glücksspiel-Steuer keine Bevorzugung geben. Wer so argumentiert, der sieht die Steuer in Höhe von 5,3 Prozent oftmals sogar eher als zu niedrig an.

Rechtsanwalt Markus Ruttig spricht überdies den Vergleich mit dem Sportwettenmarkt an. Da sind die Spieler, trotz der 5-Prozent-Steuer, auch im regulierten Markt geblieben. Allerdings fehlt an dieser Stelle ein wenig Kontext. Denn es ist schwer zu sagen, wie viele Kunden in Deutschland bei den lizenzierten und wie viele bei den nicht lizenzierten Anbietern spielen. Ein anderes Argument ist, dass Kunden im illegalen Online-Casino (aus deutscher Sicht) nicht wüssten, ob sie ihren Einsatz überhaupt zurückbekommen. Allerdings gibt es hier eine zweite Seite der Medaille. Wenn die Spielbank nicht auszahlen würde, würde sie nicht empfohlen werden. Online spricht sich ein solches Verhalten herum. Auch eine frische eco-Umfrage zeigt, dass Spieler wegen der Glücksspiel-Steuer eher bereit sind in illegale Märkte auszuweichen. Vermutlich wird die Besteuerung samt dem neuen Glücksspielgesetz erst einmal im Juli in Kraft treten. Anschließend gilt es anhand realer Daten eine Bewertung anzustellen.

Kassiert die EU die Glücksspiel-Steuer ein? Einige Kritiker verweisen darauf, dass die Steuer gegen EU-rechtliche Richtlinien verstößt. Hintergrund ist eine Bevorzugung von staatlichen Spielbanken. Auch Automatenaufsteller sollen profitieren. Doch die EU wollte sich bei Glücksspielfragen mehr zurückhalten als in der Vergangenheit. Unterstützer behaupten überdies, dass die Steuer beihilferechtlich erlaubt ist.

Glücksspiel-Steuern: Verkraften Online-Casinos 125 Prozent? 1200 1000 2021-06-09 10:01:04 Online-Casino.de

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