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Glücksspielsymposium Hohenheim kritisiert Politik und Regulierung

Ralf Schneider, 13. März 2019, Sport & Spiel

Glücksspiel weiter auf Erfolgskurs (Bildquelle)

Die Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim hat zum Symposium Glücksspiel geladen. Bei der Veranstaltung kamen unterschiedliche Leute aus der Branche zu Wort. Der Tenor war überdeutlich: Die Politik sollte aufgerüttelt werden. Denn weder zeigen sich die Experten von der aktuellen Regulierung, noch von den Zukunftsplänen vollends überzeugt. Besonders in der Kritik stehen hierbei der Spieler- und Jugendschutz, sowie die geplante Umsetzung des Dritten Glücksspieländerungsstaatsvertrages.

Eine Vorschau auf das Symposium der Universität Hohenheim haben wir bereits im Dezember verfasst. Zu Wort kamen bei der Veranstaltung sowohl Branchenkenner, als auch Mathematiker, Psychologen und Mediziner. Dies zeigt auch, dass der Schutz des Spielers, die Spielsucht und der Jugend ein Thema waren. Die Universität Hohenheim engagiert sich bereits seit 15 Jahren Defizite bei der Regulierung aufzudecken. Das aktuelle Chaos bringt Tilmann Becker als Leiter der Forschungsstelle auf den Punkt: „Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Paradies für illegale Anbieter von Glücksspielen entwickelt“.

„Politikversagen“ sorgt für fehlenden Schutz der Spieler und Jugend

Die nächste Sportwette oder der folgende Spin am Automaten ist heute nur einen Klick oder Wisch am Smartphone entfernt. Ob die Angebote in Deutschland illegal und zugelassen sind, spielt derzeit keine Rolle. Bundesbürger haben auf eine breite Palette von Glücksspielen Zugriff. Würden die Anbieter von einer Aufsicht reguliert, könnten Probleme eingedämmt werden. Derzeit ist es jedoch so, dass keine Kontrollen stattfinden. Der Staat kommt seiner Pflicht gegenüber dem Bürger demzufolge nicht nach. Tilmann Becker führte beim Symposium aus, dass die Politik seine Ziele in Bezug auf das Glücksspiel verfehlt hat. Offensiv spricht er von „Politikversagen“ und meint damit, dass Casinos und Lotterien den Markt mit 83 Prozent im nicht regulierten Online-Sektor dominieren. Die Rede ist von zwei Milliarden Euro, die hier umgesetzt werden. Weiterhin werden ca. sieben Milliarden Euro bei den Sportwetten umgesetzt. Eine wirkliche Regulierung gibt es in diesen Geschäftsfeldern nicht.

Natürlich bietet der Leiter der Forschungsstelle gleich einen Lösungsansatz. Er empfiehlt die Einrichtung einer Glücksspielkommission. „Wir haben die Situation, dass gegen das illegale Angebot nicht vorgegangenen wird. Der Staat vernachlässigt seine Aufgaben des Jugend- und Spielerschutzes.“ Weiterhin führt Becker aus, dass auch Steuereinnahmen erzielt werden könnten. Wichtig sei bei der erwähnten Glücksspielkommission freilich, dass diese bundesweit Gültigkeit hat. Denn derzeit kann es bei der Gesetzgebung der einzelnen Bundesländer durchaus Unterschiede geben. Erneut formieren sich einige Bundesländer, die eigene Lizenzen vergeben möchten. Schleswig-Holstein war diesen Weg 2011/12 schon einmal gegangen. Eine zentrale Lizenzvergabe würde die Übersicht erhöhen und gleichwohl eine Überwachung vereinfachen.

Regulierungsfragen: Werden Sportwetten-Lizenzen dauerhaft an beliebig viele Anbieter vergeben? Kommen Casinos und Poker ebenfalls in den Genuss einer Regulierung? Wie einigen sich die Ministerpräsidenten der Länder in den kommenden Treffen?

Universität Hohenheim: DSWV übt Kritik am dritten Änderungsstaatsvertrag

Netzsperre in Deutschland? Nicht ausgeschlossen! (Bildquelle)

Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) sieht die geplante Regulierung beim Dritten Glücksspielstaatsvertrag als nicht ausreichend an. Harsche Kritik gibt es, weil es sich eigentlich nur um eine Neuauflage aus der ersten Version handelt. Was sich ändern soll ist, dass die Anzahl der Lizenzen für Sportwetten ohne die Begrenzung auf 20 Buchmacher vergeben werden. DSWV-Präsident Dahms fasst seine Ansicht zusammen: „Es ist richtig, dass die Länder nach sieben Jahren Regulierungschaos endlich ein Erlaubnissystem für Sportwettenanbieter etablieren. Problematisch ist jedoch, dass die ebenso unzeitgemäßen wir restriktiven Regelungen des Staatsvertrages bestehen bleiben.“ Dahms erwähnt hier zutreffend die Live-Wette, welche eingeschränkt werden soll. Immerhin fallen 60 bis 70 Prozent der Wetten in diesem Teilbereich an. Solche Einschränkungen könnten dazu führen, dass die Spieler wieder auf den nicht regulierten Markt ausweichen.

Die Wettanbieter selber sehen die neue, alte Ausgestaltung des Vertrages ebenfalls bestenfalls als Lösung für den Übergang. Das neue Stichdatum wird 2021 sein. In diesem Jahr muss dann eine zuvor ausgearbeitete Grundsatzreform greifen. Auch die Ministerpräsidenten wissen um das wackelige Gerüst, auf dem ihr Gesetz steht. Wie kommt es sonst, dass die Lizenzen für die Buchmacher nur über 18 Monate vergeben werden. Und um das noch zu verdeutlichen, erläutert Dahms folgendes: „Die realitätsfernen Regelungen zu Sportwetten im aktuellen Staatsvertrag stammen aus einer Zeit, als es noch kein iPhone, kein Facebook und keine Apps gab.“

Vorbild Dänemark: Bei unserem nördlichen Nachbarn wurde das Glücksspiel lizenziert und modernisiert. Es wurden Standards geschaffen, welche das Angebot attraktiv gehalten, den Schutz der Spieler gestärkt und den Schwarzmarkt leergefegt haben.

Lotto-Chef wünscht sich eine bessere Kontrolle des Glücksspielmarktes

Georg Wacker sprach auf dem 16. Glücksspielsymposium davon, dass „der Gesetzgeber konsequenter handeln könnte“. Er appellierte an die Politik, mehr Personal für die Kontrolle zur Verfügung zu stellen. Auch Wacker würde gerne eine landesübergreifende Glücksspielaufsicht eingesetzt sehen. Doch der Lotto-Chef geht noch einen Schritt weiter. Er befürwortet das Blocken von Internetseiten, die in Deutschland illegale Angebote aus der Branche des Glücksspiels an Bürger des Landes feilbieten. Als starker Mann beim Lotto spricht Wacker hier auch aus eigenen Interesse. Denn die Sekundärlotterien untergraben das Lotto-Monopol in Deutschland und sorgen jährlich für hohe Verluste in den Kassen der Lotteriegesellschaften.

Glücksspielsymposium Hohenheim kritisiert Politik und Regulierung 1200 1000 2019-03-13 11:09:19 Online-Casino.de

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