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Google und Apple wegen illegalen Glücksspiel-Apps verklagt

Sabina Kugler, 8. März 2021, Technik

Glücksspiel-Apps bei Google und Apple in der Kritik / Shutterstock.com

Zwei der weltweit größten Tech-Konzerne (Google und Apple) sehen sich derzeit mit einer Klage konfrontiert. Diverse Nutzer haben sich Apps von Zynga geladen und dadurch aus ihrer Sicht ein Glücksspiel über das Smartphone betrieben. Doch in vielen Ländern ist das Anbieten von Glücksspielen ohne Lizenz illegal. Dies gilt natürlich auch für ein App-Angebot. Und so kam die Sammelklage zustande. Dies wurde mit Bezug auf Apple schon im Februar 2021 bekannt. Jetzt steht auch Google im Fadenkreuz der Kläger. Entsprechende Sammelklagen wurden vor einem US-Gericht eingereicht. Dabei besonders pikant: Google und Apple sollen ordentlich am illegalen Glücksspiel mitverdient haben.

Apps sind unglaublich nützlich. So zeigen sie uns das Wetter an, informieren über den Verkehr oder dokumentieren unsere Leistungen im Sport. Diverse Minianwendungen widmen sich jedoch dem Thema Unterhaltung. Per App spielen ist heute nicht ungewöhnlich. Und besonders während der Bus- und Bahnfahrten, sowie zur Überbrückung der Wartzeiten in einer Arztpraxis, ist dies wirklich praktisch. Doch auch auf der Coach genießen Handy-Spiele derzeit hohes Ansehen. Manchmal kosten Apps Geld, manchmal sind sie gratis. Und manchmal sind sie nur auf den ersten Blick umsonst – wie bei den Zynga-Apps, um die es in den Sammelklagen geht.

Unterstützt Apple illegales Glücksspiel?

Apple ist für sein intuitiv zu bedienendes und elegantes Design, sowie für seine Innovationskraft bekannt. Aktuell schwebt jedoch eine US-Klage über dem Konzern. Denn Apple hat die Apps von Zynga in seinem App Store vertrieben. Wobei „vertrieben“ vielleicht erst einmal gar nicht das richtige Wort ist. Denn der Download der Glücksspiel-App ist kostenlos möglich. Und jeder Spieler erhält nach dem Herunterladen einen Schwung Münzen oder Chips, um damit am virtuellen Spielautomaten oder an einem Tischspiel (Roulette, Blackjack, etc.) spielen zu können. Doch handelt es sich um ein Spiel. Und irgendwann sind die Münzen oder Chips alle. Wer zu diesem Zeitpunkt seinen Spaß hatte, der lässt sich bei der anschließend aufpoppenden Aufforderung vielleicht nicht lange bitten. Denn die Apps von Zynga fragen den Nutzer jetzt, ob dieser sein Konto nicht wieder auffüllen möchte. Dafür sind sogenannte In-App-Käufe nötig – Mikrotransaktionen.

Tatsächlich ist das Spielkonzept in mehrfacher Hinsicht fragwürdig. Denn es gibt einen Grund, warum Zynga glaubt keine Glücksspiel-Lizenzen zu benötigen. Echtes Geld kann dort nämlich nicht gewonnen werden. Wofür zahlt der Spieler ein? Mit der Einzahlung lassen sich die Münzen und Coins erwerben. Und wer gewinnt, der bekommt weitere Münzen oder Coins. Doch lassen sich diese nicht wieder in Form von echtem Geld auszahlen. Was gewinnt der Spieler über die vermeintliche Glücksspiel-App also? Zeit zu spielen. Denn je mehr Münzen sich auf dem Konto befinden, desto länger kann die Spielsitzung am virtuellen Automaten oder am Roulette-Tisch ausgedehnt werden. Kern der Sammelklage gegen Apple ist folgender Fakt: Es ist Geld zu zahlen, um Spielzeit zu generieren. Laut der Klageschrift verstößt dieses Konzept in 25 US-Staaten gegen das Anti-Glücksspiel-Gesetz.

Zynga in Deutschland: Auch wenn wir aus der Bundesrepublik den App Store von Apple durchsuchen, finden wir zumindest den Titel „Zynga Poker: Texas Holdem“. Dort lassen sich dann auch Screenshots von einem Spielautomaten finden.

Sind die Zynga-Apps auch bei Google im Umlauf?

Glücksspiel-App ohne echte Gewinne / Shutterstock.com

Natürlich haben wir ebenso im Google Play Store nachgeschlagen. Auch dort findet sich „Zynga Poker: Texas Holdem“ mit einer identischen Beschreibung und mit Bildern. Und in den USA sieht sich der Suchgigant ebenfalls einer Sammelklage ausgesetzt. Der Vorwurf lautet Automaten im Stile eines Casinos anzubieten, Tischspiele ebenso. Da die In-App-Käufe direkt an Google Play gehen, ist Google wohl auch der richtige Adressat der Klage. Weiterhin heißt es, dass Google eine Provision von 30 Prozent einstreicht. Google soll über die Android Apps also als illegales Casino fungieren. Dies ist im Bundesstaat Kalifornien, wo die Klage initiiert ist, verboten. Problematisch ist wohl auch, dass 80 bis 90 Prozent der Einnahmen aus diesen vermeintlich illegalen Glücksspiel-Apps bei Google von drei Prozent der Nutzerschaft erwirtschaftet wird. Damit scheint die Casino-App von Zynga gezielt Highroller anzusprechen.

Innerhalb der Sammelklage wollen die Betroffenen erreichen, dass Google die Zynga Games von seiner Plattform entfernt. Weiterhin wird eine Rückerstattung und Schadensersatz eingefordert. Näheres zum Fall lässt sich direkt bei Law Street einsehen. Eine Entscheidung des US-Gerichts steht noch aus. Fraglich ist an dieser Stelle aus unserer Sicht nur, ob es sich um ein Glücksspiel handelt, wenn keine echten Gewinne möglich sind. Andererseits können zumindest virtuelle Münzen oder Coins gewonnen werden. Und da das Smartphone heute ein ständiger Begleiter ist, standen die vermeintlich illegalen Glücksspiel-Apps immer zum Spielen bereit.

Glücksspielstaatsvertrag und Glücksspiel-Apps: Abschließend darf der Blick nach Deutschland nicht fehlen. Denn im Juli erlangt ein neuer GlüStV Gültigkeit. Tatsächlich sollen Glücksspiel-Apps sehr strikten Regeln ausgesetzt sein. Auch Anwendungen von renommierten Casinos könnten verschwinden, wenn diese sich gegen einen Erwerb einer deutschen Lizenz entscheiden. Und da die Vorschriften sehr streng sind, werden diverse virtuelle Spielbanken lieber den Rückzug antreten. Kurz gesagt: In Deutschland könnte das Angebot von Casino-Apps im App Store von Apple und bei Google Play ab Juli schrumpfen.

Google und Apple wegen illegalen Glücksspiel-Apps verklagt 1200 1000 2021-03-08 09:03:23 Online-Casino.de

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