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Holland ermöglicht Fremdsperre im Glücksspiel

Sabina Kugler, 26. Juli 2021, Technik

Glücksspiel Regulierung in den Niederlanden / Shutterstock.com

Glücksspiel ist eine feine Sache – sofern es unter Kontrolle ist. Doch im Falle einer Spielsucht sind die Glücksspieler häufig nicht einsichtig. Doch als Betroffene gelten in der Regel nicht nur die Spieler. Auch Angehörige oder Arbeitgeber können unter der Glücksspielsucht leiden. Und deshalb führen die Niederlande, neben der Möglichkeit sich selbst für Glücksspiele zu sperren, die Fremdsperre ein. Folglich ist es möglich, einen Glücksspiel-Spieler durch einen Dritten sperren zu lassen. Dies darf natürlich nicht willkürlich passieren. Daher gibt es klar definierte Regeln, wie eine Fremdsperre im holländischen Glücksspiel auszusehen hat.

Neben der Ausgestaltung in Holland richten wir unseren Blick nach Deutschland. Denn wir möchten wissen, wo die Vor- und Nachteile einer Fremdsperre liegen. Schlussendlich leuchtet die Logik dahinter ein. Ein Single, der keine Dritten mit einer eventuellen Glücksspielsucht tangiert, kann im Prinzip mit seinem Geld umgehen, wie er möchte. Ein Familienvater jedoch könnte mit einer Sucht Frau und Kinder in eine schwierige, bisweilen sogar unzumutbare Lage bringen. Und dann wäre die Fremdsperre als Mittel der Wahl eine Option. Allerdings gilt diese Maßnahme auch in Holland als „Ultima Ratio“ – also letztes Mittel im Kampf gegen eine Glücksspielsucht.

Kanssperlautoriteit veröffentlicht Richtlinien zur Fremdsperre

Die Kanssperlautoriteit ist die holländische Glücksspielaufsicht. Von dort werden Richtlinien für die Fremdsperre herausgegeben. Konkret geht es um die Sperre für (Online) Glücksspiele, ohne das direkte Einverständnis der betroffenen Person. Doch eine solche Maßnahme lässt sich nicht ohne eine gewisse Vorlaufzeit durchsetzen. Schon ab Oktober 2021 soll es jedoch soweit sein. Problemspieler können beispielsweise durch Arbeitgeber oder Familienangehörige dann in die Zentraldatei „Cruks“ eingetragen zu werden. Allerdings ist dies nie der erste Schritt. Wer schlussendlich einen Eintrag in Cruks bekommen hat – entweder auf eigenem Wusch oder eben durch die besagte Fremdsperre – der darf nicht mehr spielen. Dafür haben dann die Veranstalter Sorge zu tragen. Der Zugriff auf Spielgelegenheiten ist in Holland dann zu verwehren. Doch ist man sich in Holland darüber im Klaren, dass es sich um einen weitreichenden Eingriff in die Freiheit der Person handelt. Daher gilt es im Vorfeld einer Fremdsperre zu prüfen.

Wer den Antrag stellt, der muss selber unter dem Glücksspiel der betroffenen Person leiden. Es könnte also vermutlich kein Freund sein, der weder beruflich, noch finanziell mit dem vermeintlich Süchtigen in Verbindung steht. Umgekehrt dürfte der Ehepartner, sofern die Gelder zum Bezahlen gemeinsamer Rechnungen verspielt würden, eine Fremdsperre beantragen. Etwas schwammiger ist die Formulierung bereits, bei einer etwaigen Abkapslung des Spielers. Wenn dieser sich also immer mehr von Freunden und der Familie distanziert, könnte eine unfreiwillige Registrierung in Cruks ermöglicht werden. Hier scheint die Behörde einen gewissen Spielraum zu haben. In jedem Fall muss den Betroffenen die Möglichkeit der Stellungnahme gewährt werden. Außerdem würde eine Sperre über Cruks vorerst nur für sechs Monate gelten. Danach werden die Daten des Spielers gelöscht. Bleibt die Glücksspielsucht bestehen, müsste ein erneuter Antrag eingereicht werden.

Vorherige Intervention: Da Cruks das letzte Mittel sein soll, müssen vorherige Maßnahmen (z.B. Therapieangebote vom Hausarzt) ohne Erfolg geblieben sein.

Vor- und Nachteile einer unfreiwilligen Eintragung in Cruks

Fremdsperre gegen Spielsucht (Bildquelle)

Bestimmte Gründe können durchaus dazu führen, dass Spieler vor sich selbst zu schützen sind. Dieser Logik folgend ist eine Fremdsperre immer dann sinnvoll, wenn der Betroffene über die Maße mit Glücksspiel beschäftigt ist. Hier gibt es im Prinzip zwei Faktoren. Einmal ist die Zeit zu nennen. Denn verbringt der Spieler mehr Zeit mit dem Glücksspiel, als mit seiner eigentlichen Arbeit, der Schule oder dem Studium, so ist durchaus ein Problem zu erkennen. Gleiches gilt natürlich, wenn der Betroffene keine Zeit mehr für seine Familie hat. Neben der Zeit gibt es einen zweiten Aspekt: Das Geld. Geld ist nicht alles. Aber ohne Geld ist alles nichts. Wenn die Familie ihre Rechnungen nicht mehr begleichen kann oder wenn der Spieler sogar versucht ist sich an Firmengeldern zu bedienen, dann ist es Zeit zu intervenieren. Auch in diesem Zusammenhang leuchtet die Fremdsperre als Mittel der Wahl durchaus ein.

Doch können wir es drehen und wenden wie wir wollen, die Fremdsperre ist immer ein Eingriff in die Freiheit des Einzelnen. Geschieht dies zu seinem eigenen Schutz, ist dies kein Problem. Doch ist es ebenfalls richtig, diese Art der Glücksspielsperre als allerletztes Mittel ins Feld zu führen. Wer zum Beispiel genug Geld verdient oder über ein entsprechendes Vermögen verfügt, der darf damit natürlich umgehen, wie es ihm beliebt. Wer zeitlich keine Verpflichtungen familiärer oder beruflicher Natur hat und diese durch das Spiel auch nicht versäumt, der sollte auch hier entsprechende Freiheiten genießen. Natürlich gibt es jeweils Grenzen. Und diese abzustecken ist in Holland künftig die Aufgabe der Kansspelautoriteit.

Selbstprüfung: Solange das Glücksspiel im Rahmen bleibt, handelt es sich um ein feines Hobby. Diesbezüglich sollten sich Spieler aber immer selbst hinterfragen. Wer den Verdacht hat an einer Glückspielsucht zu leiden, der sollte einen Selbsttest (oder eine Selbstsperre) durchführen und sich dann bei entsprechenden Organisationen Rat einholen.

Holland ermöglicht Fremdsperre im Glücksspiel 1200 1000 2021-07-26 09:34:48 Online-Casino.de

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