Aktuelle Casino Nachrichten für Deutschland
Recht & Gesetze, Sport & Spiel, Steuern, Technik, Unterhaltung und Wirtschaft

In England aktive Buchmacher ignorieren Hilfen für Spielsucht

Martin Hill, 10. September 2018, Sport & Spiel

Der Glücksspielsucht auf den Fersen (Bildquelle)

England ist gewissermaßen das Mutterland der Wetten. Damit steht die Spielsucht dort natürlich ebenso im Fokus. Die englische Premier League ist derzeit wohl die reichste Fußball-Liga der Welt. Freilich sind dort zahlreiche Buchmacher als Sponsoren der beliebten Fußball-Clubs tätig. Immerhin tragen die dortigen Spieler die Werbung in die ganze Welt hinaus. Jetzt ist jedoch herausgekommen, dass diverse Wettanbieter die im Sponsoring in England tätig sind, keine Unterstützung gegen die Spielsucht leisten.

In Großbritannien sollen 430.000 Spieler unter Spielsucht leiden. Da Wetten sehr beliebt sind und praktisch als Volkssport zählen, ist ein striktes Verbot keine Lösung. Dennoch sind sich die Briten ihrer Verantwortung bewusst und wollen etwas für die Süchtigen tun. Dies geht aus einem Bericht der NHS England hervor, eine leitende, jedoch nicht öffentliche Abteilung des Gesundheitsministeriums. Spielen die Buchmacher hier um die Hilfe der Spielsüchtigen?

10 Millionen Britische Pfund fehlen in der Hilfskasse gegen Spielsucht

Zunächst gilt es klarzustellen, dass es sich um Hilfen handelt, die Spielsüchtigen über eine Organisation zugutekommen. Normalerweise beteiligen sich Wettfirmen in England an dieser Kasse. Die ausländischen Operatoren verzichten jedoch darauf diesen Beitrag zu leisten. Leidtragender, neben den Süchtigen selber, ist das überlastete Gesundheitssystem. Denn die Kosten die aus glücksspielbezogenen, psychischen Erkrankungen entstehen, müssen vom System getragen werden. NHS England hat aufgeführt, dass ganze acht Buchmacher, die Partnerschaften mit Clubs der Premier League eingegangen sind, diese Beteiligung schuldig bleiben. Diese Information wurde von Simon Stevens als Chief Executive von NHS England bei der jährlichen Expo gestreut. Er fügt hinzu, dass diese Wettanbieter sich ihrer Verantwortung entziehen, Menschen die durch Wetten geschädigt werden zu helfen.

Stevens hat insbesondere der Premier League, welche das Oberhaus im britischen Fußball betreibt, nahegelegt, einzugreifen. Die entsprechenden Firmen sollen an ihren sozialen Auftrag erinnert werden. Weiterhin verweist NHS England auf eine Verbindung zwischen Problemspielern, Stress und psychischen Problemen. „Ärzte berichten, dass sich die Lage von zwei Dritteln der Problemspieler ohne Hilfe verschlechtert.“ Umso besorgniserregender sind die fehlenden 10 Millionen britischen Pfund, welche der Hilfsorganisation fehlen. Im Zweifel kann die Suchthilfe nicht hinreichend agieren. „Für die Gesundheit der Nation ist jeder verantwortlich“, wird Stevens zitiert. Dabei sind die Regeln der britischen Glücksspielaufsicht (UK Gambling Commission) eindeutig. Eine Unterstützung von GambleAware ist vorgesehen. Jetzt gilt es die Kurve zu bekommen, mit der Premier League zusammenzuarbeiten und die ausländischen Operatoren dazu zu bringen das Richtige zu tun.

Wetten in England: In Großbritannien gibt es sogar Wetten, welche Farbe der Hut der Queen während der Hochzeitsfeier hat. Auch auf die Namen der Königskinder konnte immer mal wieder gewettet werden.

GambleAware schlägt bezüglich der Buchmacher in die gleiche Kerbe

 

Sportwetten als Volkssport in Großbritannien (Bildquelle)

GambleAware ist eine führende Wohltätigkeitsorganisation im Bereich der Spielsucht in Großbritannien. Von dieser Seite wird Stevens Vorschlag gestützt: „Mit fast der Hälfte der Clubs aus der Premier League, die zu zwei Dritteln von Buchmachern gesponsort werden, sind wir ernsthaft um die Beziehung des Sports zum Glücksspiel besorgt.“ Die Rede ist von einem Wendepunkt. Auch hinsichtlich des Jugendschutzes gibt es Bedenken. Denn während Glücksspiel für Kinder tabu ist, steht Fußball seit vielen Jahren hoch im Kurs. Natürlich bekommt der Nachwuchs das Werbebombardement in der Vorberichterstattung und Halbzeit mit. Außerdem laufen die Vorbilder auf dem Rasen ebenfalls Werbung für die Buchmacher. So besteht das Risiko, dass Sportwetten von Kindern von klein auf als absolut normal eingestuft werden.

Doch gibt es ein weiteres Hindernis bei der Behandlung der Spielsüchtigen in Großbritannien. Denn von den eingangs erwähnten 430.000 Problemspielern begeben sich nur 2 % in Behandlung. Und erneut ergeht hierbei der Aufruf an die Clubs, Ligen und Fernsehsender, die allesamt am Glücksspiel partizipieren, dass ebenso Aufklärung bezüglich der Suchtgefahr betrieben und auf mögliche Anlaufstellen für Süchtige verwiesen wird. Die Remote Gambling Association (RGA) stimmt dem Ansinnen im Grundsatz zu: „Die RGA stimmt zu, dass mehr Finanzmittel benötigt werden, wenn die Glücksspielbranche als Ganzes ihrer Verantwortung gegenüber allen Spielern in diesem Land, die Glücksspiele spielen, erfüllen soll, insbesondere denjenigen, die von problematischen Glücksspiel betroffen sind.“

Sponsoren im englischen Profi-Fußball: Newcastle United läuft mit Fun88 auf, Everton mit SportPesa und Bournemouth mit M88, um nur einige Beispiele ausländischer Anbieter im britischen Sponsoring zu nennen.

Ist ein Verbot von Glücksspielwerbung im Fußball die Lösung?

Natürlich sind Sportwetten über den Profifußball hinaus bekannt. Dennoch könnte eine Reduzierung oder ein Verbot der Werbung zumindest dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche das Wetten nicht schon in die Wiege gelegt bekommen. Derzeit hat fast die Hälfte der Clubs in der Premier League einen Sponsor aus der Rubrik Sportwetten. Wenn schon kein Verbot in Frage kommt, denn immerhin handelt es sich auch um eine Branche, die für ordentliche Steuereinnahmen sorgt, so könnte doch ein Pflichtbeitrag diskutiert werden.  So würde die Industrie einen Teil der Behandlungskosten übernehmen.

Ein ähnliches Problem gibt es in der Bundesliga auch. In der Halbzeitpause kommen fast nur noch Werbeeinblendungen von Bwin, Tipico, Interwetten oder Betway. Die Buchmacher sind nicht nur auf den Trikots präsent, sondern auch während der Spielunterbrechungen. Und natürlich bekommen die Kinder auch mit, wie die Erwachsenen ihre Live-Wetten tätigen. Es fehlt praktisch überall am Ausgleich, für eine anständige Aufklärung zu sorgen.

In England aktive Buchmacher ignorieren Hilfen für Spielsucht 1200 1000 2018-09-10 15:42:39 Online-Casino.de

Weitere Casino News