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Irland erwägt Steuervergünstigung für Buchmacher

Ralf Schneider, 22. Juli 2019, Steuern

Wer erhält die Sportwetten Steuer? (Bildquelle)

Das Glücksspiel ist für Irland ein wichtiger Wirtschaftszweig. Besonders die Buchmacher sind hier zu nennen. Daher berät die Regierung über einen Steuerfreibetrag für die Wettanbieter des Landes. Eine fixe Summe des Umsatzes wäre dann von den Steuern befreit. Dies käme besonders kleineren Anbietern zugute, die dann eventuell mehr Zeit haben, um auch international Fuß zu fassen. Doch es ist nicht die erste Änderung die am irischen Glücksspielgesetz erfolgen könnte. In der Vergangenheit wurde schon mehrmals nachgebessert.

Um die Gesetzesänderungen mal am Beispiel der Wettsteuer Irlands aufzuführen, blicken wir auf das Jahr 1986 zurück. Damals lag die Steuer noch bei 20 Prozent. Zwischenzeitlich zahlten die Anbieter lediglich ein Prozent Steuern. Doch zu diesem Jahr setzte Minister Paschal Donohoe eine Erhöhung auf zwei Prozentpunkte durch. Dennoch kein Vergleich zu Deutschland, wo eine fünfprozentige Besteuerung gesetzlich verankert ist.

Vor- und Nachteile eines Steuerfreibetrages für irische Wettanbieter

Die Vorzüge betreffen vor allem kleinere Marktteilnehmer. Denn der Steuerfreibetrag in Irland soll sich auf 2,5 Millionen Euro beziffern. Diese Zahl bezieht sich auf den erzielen Umsatz. Je größer das Unternehmen und je höher die Umsätze, desto weniger fällt die Vergünstigung ins Gewicht. Doch wenn neue Unternehmen der Glücksspielbranche ihre ersten Schritte auf dem Markt gehen, ist diese Entlastung eventuell essentiell. Dazu ein Beispiel: Wenn eine Firma 5 Millionen Euro Umsatz im Jahr erzielt, so liegt die Steuer bei 1 %. Denn die Hälfte der Summe ist steuerfrei. Große Anbieter aus der Glücksspielbranche liegen dahingegen eventuell bei einem Umsatz in Höhe von 750 Millionen Euro. Hier bleibt der errechnete Steuersatz bei 1,99 % und liegt damit kaum unter den ansonsten gesetzlich verankerten 2 %. Für neue Sportwettanbieter wäre der irische Markt dadurch definitiv interessant.

Allerdings wird diese Entscheidung als Folge der Steuererhöhung – eine Verdopplung von ein auf zwei Prozent – angesehen. Denn diese Erhöhung kam überhaupt nur zustande, weil Lobbyisten aus dem Bereich der Pferderenn- und Zuchtbranche die aktuelle Regelung anprangerten. Doch mit dem neuen Plan einer Steuervergünstigung für Buchmacher fallen ebenfalls die zu erwartenden Einnahmen des Staates. Hier ist von einer Summe in Höhe von 3,4 Millionen Euro die Rede, welche Irland bis in das Jahr 2020 entgehen könnte. Umgekehrt wäre es natürlich lediglich eine Abschwächung der vorher durchgeführten Steuererhöhung. Im Geschäftsjahr 2018 zahlten Buchmacher dort 52,3 Millionen Euro. Im Jahr 2019, bis einschließlich des Mais, wurden bereits 34,7 Millionen Euro an Wettsteuer eingenommen.

Weiterer Vorschlag: Online-Buchmacher könnten im Vergleich zu stationären Shops die doppelte Steuer zahlen. Doch erste Gespräche mit Brüssel haben gezeigt, dass diese Idee womöglich nicht mit der EU-Vorschrift bezüglich staatliche Beihilfen konform geht.

Eckt Irland mit seinem Steuerfreibetrag für Buchmacher bei der EU an?

Irland vervollständigt das Steuer-Puzzle (Bildquelle)

Fangen wir mit einem kleinen Rückblick an. 2001 wurde ein Gesetz verabschiedet, welches die Wettsteuer zur Unterstützung der Pferde- und Hunderennen etablierte. Doch daneben sollten die sozialen Kosten von problematischen Spielern in Irland gedeckt werden. Ein Bericht spricht diesbezüglich davon, dass acht von 1.000 Iren als Problemspieler einzustufen sind. Dennoch bleibt die Frage offen, ob eine Ungleichbehandlung von der Europäischen Union geduldet würde. Dazu möchten wir beispielhaft zwei Aspekte aufgreifen. Einerseits könnten Buchmacher klagen, weil bei den Online-Casinos keine gesonderte Steuer zu entrichten ist. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass andere Länder der EU dies ebenso handhaben. Dort gab es keine Klagen.

Womit wir zum nächsten Aspekt kommen. Sollten die Online-Wettanbieter und die stationären Shops ungleich behandelt werden, so wären die Wettgeschäfte in den Städten bei verringerter Steuer begünstigt. Ausländische Operatoren, die nur online agieren, dürfen sich zu Recht benachteiligt fühlen. Hier hätte eine Klage wohl eher Aussicht auf Erfolg. Beziehungsweise ist es wahrscheinlicher, dass eine solche Umsetzung nach eingehender Prüfung der europäischen Richtlinien gar nicht erst zustande kommt. Denn als Mitglied der EU müssen sich die Iren natürlich an die übergeordneten Gesetze hinsichtlich des Wettbewerbs halten.

Ziele verfehlt? Das irische Kabinett visierte mit der zum 1. Januar 2019 eingeführten Verdopplung der Wettsteuer Einnahmen in Höhe von 52 Millionen Euro mehr pro Jahr an. Die Freigrenze könnte eine Schmälerung um 3,4 Millionen Euro oder sieben Prozent zur Folge haben.

Sportwetten als wichtiger Teil der Wirtschaft in Irland

Ein Prozent mehr oder weniger hört sich nicht nach viel an. Doch für Irland konnten so Steuereinnahmen von 52 Millionen Euro mehr prognostiziert werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die irischen Buchmacher einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Wirtschaft des gesamten Landes haben. Eine Rückschau ins Jahr 2016 zeigt, dass der Jahresumsatz in dieser Branche 2,8 Milliarden Euro übertrifft. Gleichwohl sind die Buchmacher ein wichtiger Zweig für Arbeitnehmer. 8.000 Angestellte sollen in diesem Geschäft tätig sein.

Weitere Änderungen in Irland stehen bezüglich des Glücksspiels bevor. Denn zum Jahr 2020 soll ein neues Gesetz greifen. Besonders das geplante Verbot von Lotto-Wetten ist umstritten. Denn damit werden im Land aktuell zehn Prozent der Umsätze landbasierter Wettanbieter erzielt. Bei einem Wegfall dieser Einnahmen, hätte der Steuerfreibetrag eventuell lediglich eine abmildernde Wirkung.

Wettsteuer in Deutschland: Auch hierzulande gibt es bisweilen Diskussionen, wie im März wo Wettbüros eine Rückforderung im Sinn hatten.

Irland erwägt Steuervergünstigung für Buchmacher 1200 1000 2019-07-22 08:19:38 Online-Casino.de

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