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Ist Glücksspiel-Streaming verwerflich?

Martin Hill, 2. November 2020, Unterhaltung

YouTube und Twitch bei Jüngeren sehr beliebt (Bildquelle)

Inzwischen fallen Spiele aus dem Online-Casino unter die Duldung. Vom Staat findet keine Verfolgung mehr statt. Denn im Jahr 2021 soll die Legalisierung kommen. Damit einher geht die Vergabe von Lizenzen für den Betrieb von virtuellen Spielbanken. Dennoch stehen Streamer aktuell in der Kritik. Denn sie spielen nicht nur genau diese Online-Spiele. Sie übertragen ihren Erfolg und Misserfolg für die ganze Welt sichtbar ins Internet. Heute ist es nicht mehr YouTube, sondern Twitch wo diese Influencer sich herumtreiben. Dies trifft besonders auf Jens Knosalla, besser bekannt als „Knossi“ zu.

Doch was gibt es zu kritisieren? Der derzeitige Stand der Dinge ist eindeutig. Glücksspiel-Anbieter im World Wide Web dürfen ihre Dienstleistung anbieten, ohne dafür in Deutschland verfolgt zu werden. Natürlich hat das Land Regeln aufgestellt. Wer diese missachtet, der darf sich künftig keine Chancen auf eine Konzession ausmalen. Wer sich jedoch an die Vorgaben hält, der darf schon jetzt den Kunden Slots auf der Plattform anbieten. Jedermann in Deutschland darf an den einarmigen Banditen drehen. Dies gilt natürlich ebenso für Influencer. Ist die Übertragung der Inhalte auf einem Twitch-Kanal dennoch verwerflich? Wir wollen das Glücksspiel-Streaming von zwei Seiten beleuchten.

Glücksspiel-Streaming ist nicht illegal und damit nicht verwerflich

Wenn wir in die Vergangenheit blicken, dann war das Online-Glücksspiel in Deutschland zum Teil immer gesetzwidrig. Dies galt zumindest für Online-Casinos außerhalb von Schleswig-Holstein. Doch inzwischen hat sich die Regierung für eine Duldung starkgemacht. Im Gesetz ist noch immer von einem Verbot die Rede. Doch die neue Regelung erlaubt den Spielbanken im World Wide Web Spielautomaten unter bestimmten Voraussetzungen zugänglich zu machen. Demzufolge bewegen sich diese Spielcasinos auch nicht mehr im Graubereich. Im Gegenteil: Sie halten sich an Vorschriften, um später mit einer gültigen Lizenz aus Deutschland bedacht zu werden. Gleichzeitig können sie ihr aktuelles Geschäftsmodell aufrechterhalten. Das nur vorweg um aufzuzeigen, dass Glücksspiel im Internet – auch das Online-Casino – nicht mehr nur über die Europäische Dienstleistungsfreiheit zu rechtfertigen ist. Und damit wollen wir die Brücke zum Glücksspiel-Streaming schlagen, welches die Influencer betreiben.

Was ist überhaupt ein Influencer? Die Übersetzung lautet „Einflussnehmer“. Und tatsächlich haben diese Streamer auf Twitch oder YouTube einen großen Einfluss auf ihre Follower. Knossi hat zum Beispiel je Stream im Durschnitt 25.000 Zuschauer an Bord. Diese sehen ihm beim Spielen zu. In diesem Fall beim Drehen an einem Spielautomaten. Und der Streamer sorgt dabei für Stimmung. Er freut oder ärgert sich. Jährlich generiert Knossi mehr als 22,3 Millionen Klicks auf Twitch. Damit ist er für Unternehmen von Interesse. Offizielle Deals von virtuellen Spielbanken die eigenen Produkte zu bewerben sind die Folge. Obendrein lässt sich über Empfehlungsmarketing Geld verdienen. Damit sind die Casino-Angebote aus unternehmerischer Sicht von Interesse.

Ist Casino-Streaming eine Win-Win-Situation? Streamer profitieren von Einnahmen. Unternehmen von neuen Kunden. Doch in dieser Betrachtung fehlt die Zielgruppe und diese gehört meist nicht zu den Gewinnern.

Gefährden Casino-Streams den Jugend- und Spielerschutz?

Knossi begann Karriere mit Poker. / Shutterstock.com

An dieser Stelle findet sich das Casino-Streaming zumindest moralisch in einer Grauzone. Wer als Erwachsener ein Casino betritt und dort monatlich mit einem festen Budget zu Unterhaltungszwecken spielt, der nutzt das Glücksspiel als Hobby und zur Entspannung. Wer jedoch einen Streamer sieht, wie dieser sich gewissermaßen beim Spielen regelmäßig abfeiert, dabei eine unbändige Freude vermittelt und dabei noch um hohen Summen spielt, der mag einen falschen oder sogar beeinflussten Eindruck erhalten. Dabei ist nicht zu vergessen, dass YouTube und Twitch eher die junge Generation als Zielgruppe haben. Natürlich tummeln sich dort Besucher jeden Alters. Doch gerade die Jugendlichen feiern YouTube-Stars heutzutage wie früher Teenie-Bands. Doch befassen sich die meisten Streamer nicht mit dem Glücksspiel, sondern mit Kosmetik, Games, Kleidung oder Spielzeug.

Knossi selbst stellt jedoch immer heraus, dass er niemanden zum Glücksspiel verleiten will. Der ehemalige Poker-Spieler macht aus seiner Sicht einfach nur das, was ihm selbst Freude bereitet. Und daran will er seine Zuschauer teilhaben lassen. Zuletzt mehr sich jedoch die Kritik. Die Geschichte kam im Fernsehen beim ZDF (Frontal) und sogar einige Fans melden sich kritisch zu Wort. Vielleicht hat diese unerwünschte Aufmerksamkeit den Streamer zum Umdenken bewogen. Denn er machte zuletzt auf seinem YouTube-Kanal durchaus Andeutungen, dass es mit dem Glücksspiel-Streaming bald zu Ende gehen könnte. Andererseits mag dies andere Gründe haben. Denn im Zuge der Legalisierung von Online-Casinos werden Richtlinien für Werbung kommen. Ähnlich wir Sportler und Funktionäre nicht mehr für Sportwetten werben dürfen – wie kürzlich bei Podolski und XTiP bekannt wurde – könnten Influencer bei den Online-Casinos ausgeschlossen werden. Doch die genaue Ausgestaltung dieser Regeln ist noch nicht in allen Einzelheiten bekannt.

Dauerwerbesendung: Als solche stellt Knossi seine Streams online. Damit soll von vorneherein klargestellt werden, dass es sich um werbliche Inhalte handelt. Gleichwohl macht der Streamer die Logos der Seite unkenntlich. Dennoch braucht niemand lange zu recherchieren, um die entsprechende Casino-Seite zu finden. Rechtlich scheint das Vorgehen aktuell sauber. Casinos firmieren in Deutschland auch schon seit Jahren über EU-Lizenzen dank der Europäischen Dienstleistungsfreiheit. Moralisch ist es eher eine Grauzone als rechtlich.

Ist Glücksspiel-Streaming verwerflich? 1200 1000 2020-11-02 10:46:41 Online-Casino.de

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