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Lassen sich Sportwetten und Datenschutz noch vereinen?

Ist das neue Glücksspielgesetz datenschutzkonform? / Shutterstock.com

Wenn du auf dieser Seite gelandet bist, interessierst du dich mit großer Sicherheit für Sportwetten. Vielleicht hast du ebenfalls schon mitbekommen, dass der Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag (GlüNeuRStV) Regeln mit sich bringt, welche die Höhe der Einsätze erfasst. Damit diese Maßnahme einen Sinn hat, müssen die Daten von allen Buchmachern bezogen auf eine Person in Einklang gebracht werden. Daher braucht es eine zentrale Behörde, welche eine Datensammlung anstellt. Dies wirft jedoch im Zuge des Datenschutzes berechtigte Fragen auf.

Näher mit diesen Fragestellungen hat sich Professor Dr. Julian Krüper befasst. Er ist bereits seit 2015 im Themenfeld der Glücksspielerforschung tätig und ist Bestandteil des Instituts für Glücksspiel und Gesellschaft (Glüg). In seinem jüngsten Blogbeitrag mit Titel „Welcher (Daten-) Schutz für welche Spieler“ geht er näher auf die Problematik ein. Doch ein erster Rückschlag bezüglich des neuen Staatsvertrages wurde kürzlich hingenommen. Denn die Lizenzierung in Deutschland ist, weil die Online-Buchmacher aller Länder nicht zeitgleich informiert worden sind, vorerst ausgesetzt.

Regulierung der Sportwetten vs. Datenschutz der Spieler

Stehen diese beiden Aspekte tatsächlich im Widerspruch zueinander. Aus Sicht des Staates ist es absolut logisch, dass ein Milliardenmarkt wie Sportwetten reguliert gehört. Grundsätzlich hat sich Deutschland diesbezüglich in den letzten Jahren, ja fast schon im letzten Jahrzehnt, sehr schwer getan. Doch der aktuell noch gültige Glücksspielstaatsvertrag läuft zur Mitte des Jahres 2021 aus. Es braucht einen Ersatz. Und dafür liegt derzeit noch der GlüNeuRStV in der Schublade. Die Umsetzung scheint nur noch Formsache. Doch hat die Konzessionierung kürzlich gezeigt, dass bezüglich der Praxisumsetzung nichts sicher ist. In der Theorie verfolgt der Staat schon immer die Maßgabe, dass durch Eingriffe in den Markt der Schutz der Spieler und Jugend gestärkt werden soll. In der Praxis sind die Behörden damit zuletzt aber gescheitert.

Jetzt folgt der nächste Anlauf. Und dieses Mal soll Alles besser werden. Doch besser für wen? Geplant ist beispielsweise das Führen eines Kontos für Spieler und zwar in der neu zu gründenden Behörde. Dort sollen gewissermaßen alle Wettkonten des Sportwetters zusammenlaufen. Denn nur auf diesem Wege lässt sich erfassen, welche Einsätze in einem bestimmten Zeitraum getätigt werden. Diese Überwachung stößt einigen Spielern übel auf. Doch argumentiert die Politik damit, dass dies zum Schutz der Spieler geschieht. So soll frühzeitig pathologisches Spielverhalten entdeckt und nach Möglichkeit eingedämmt werden. Doch geht dieses mit einer Überwachung des Geldflusses der Kunden einher.

Gläserne Spieler: Datenschützer sehen die Entwicklung kritisch. Denn die Maßnahmen erfassen nicht nur die Kunden mit bedenklichem Spielverhalten, sondern jeden Spieler.

Sind geforderte Maßnahmen mit Datenschutz in Einklang zu bringen?

Behörde soll künftig Daten sammeln / Shutterstock.com

Zunächst möchten wir einige der Änderungen, die hinsichtlich des Datenschutzes relevant sein können, zusammenfassen. Die Einrichtung einer Kontrollbehörde ist nur noch Formsache. Diese soll sämtliche Glücksspieler in einer großen Datenbank erfassen. Gleichwohl sollen die getätigten Einsätze sämtlicher Spieler dort gelistet werden. Dies gilt für den Einsatz bei jedem Buchmacher. Hast du bei Tipico, Bwin und Betway jeweils 100 Euro eingesetzt, so listet die Behörde für dich 300 Euro auf. Dass ist nur deswegen notwendig, weil die Einsätze bei Sportwetten limitiert werden sollen. Gleichwohl ist in Planung, dass eine Software das Spielverhalten der Kunden analysiert. Auffälligkeiten sollen auf diesem Wege möglichst schnell offenkundig werden.

Dr. Krüper nimmt diesbezüglich das Wort „Vorratsdatenspeicherung“ in den Mund. Und genau hier schrillen spätestens bei allen Datenschützern die Alarmglocken. Außerdem ist es sehr wahrscheinlich, dass zum Großteil die Durchschnittsspieler erfasst sind. Diese bleiben bei den ihren bekannten Buchmachern. Die Anbieter wiederum sollen an die Datenbank angebunden werden. Doch wird es auch weiterhin ausländische Operatoren geben, die online Glücksspiele feilbieten. Ein Abwandern von Problemspielern zu diesen Sportwettanbietern ist mit der Maßnahme nicht zu verhindern. Es könnte daher darauf hinauslaufen, dass der Durchschnittsspieler erfasst, der Problemspieler aber verfehlt wird. Doch muss es ebenfalls das Ziel der Politik sein, die deutschen Spieler mit der Attraktivität der Angebote zum legalen Spiel zu bewegen.

Freiheit vs. Gefahrenabwehr: Dr. Krüper spricht eine Abwägung zwischen der im Grundrecht verankerten Freiheit eines jeden Spielers, sowie der dort ebenfalls genannten Schutzpflichten an.

Fehlt der Diskurs mit den Buchmachern und Wissenschaften?

Natürlich können wir der Politik nicht auf die Finger schauen. Doch gibt es Anzeichen, dass Regeln erlassen werden, ohne zumindest mit den Vertretern der Branche Rücksprache zu halten. Das Einsatzlimit könnte ein solcher Fall sein. Denn hier soll für jeden die gleiche Begrenzung gelten. Dabei ist es natürlich durchaus ein Unterschied, ob jemand nur 1.000 Euro oder gar 7.000 Euro im Monat verdient. Auch die Beschränkung beim Angebot der Livewetten wird nicht im Interesse der Wettanbieter sein. Immerhin findet ein Großteil des Umsatzes inzwischen an dieser Stelle statt.

Natürlich ist es nicht ratsam, nur die Sportwettanbieter anzuhören. Dann wäre der Diskurs sehr einseitig. Bestenfalls werden auch die Wissenschaften, sowie die Verbände und Organisationen bezüglich Suchthilfe angehört. Das Institut für Glücksspiel und Gesellschaft plant diesbezüglich im November eine Tagung zum Thema „Die Ordnung des Glücksspiels: Selbstbestimmung, Spielerschutz, Paternalismus“ durchzuführen. Ob diese bezüglich der aktuellen Gesundheitskrise wie gewünscht stattfinden wird, ist abzuwarten.

Lassen sich Sportwetten und Datenschutz noch vereinen? 1200 1000 2020-04-08 09:44:02 Online-Casino.de

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