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Lootboxen: Wo beginnt das Glücksspiel im Computerspiel?

Ralf Schneider, 26. November 2018, Recht & Gesetze

E-Sport vs. Vereinssport (Bildquelle)

Was sind Lootboxen? Nehmen wir einmal an, wir spielen ein Computerspiel. Das Genre ist dabei zunächst einmal unerheblich. Nach einem Sieg sammeln wir Punkte und mit einer bestimmten Anzahl von Punkten, bekommen wir eine Lootbox gutgeschrieben. Diese beinhaltet viele Gegenstände, mit denen wir das Aussehen und gegebenenfalls sogar unsere spielerische Leistung verbessern können. Doch es ist dem Zufall überlassen, welchen Gegenstand wir erhalten. Jetzt können solche „Kisten“ oftmals auch käuflich erworben werden. Wir haben also einen Geldeinsatz und ein Zufallsereignis. Reicht dies schon aus, um den Vorgang als Glücksspiel zu betiteln?

Bislang scheiden sich die Geister oder in diesem Fall die Länder, an der Regel mit den Lootboxen. Belgien hat als erstes Land überhaupt die Boxen als Glücksspiel eingestuft. Dabei werden sogar mehrere Spiele exemplarisch angesprochen. Politiker in den Niederlanden sehen es ähnlich. Erst kürzlich in Großbritannien wurde eine entgegengesetzte Stellung eingenommen. Dort betrachten die Entscheidungsträger eine Lootbox nicht als Glücksspiel.

Belgien behauptet Lootboxen sind eine Form von Glücksspiel

Am April 2018 haben sich die Belgier festgelegt. Die Gaming-Kommission prüfte bei bekannten und beliebten Videospielen die Lootboxen. Bei mehreren Titeln ist dieses Konzept jetzt verboten, weil es dem Glücksspiel zugeschrieben wurde. Ein Titel ist jedoch straffrei davongekommen. Zunächst sind Counter-Strike: Global Offensive, FIFA 18 und Overwatch zu nennen. Denn diese Computerspiele stellen mit ihren „Kisten“ einen Verstoß gegen das belgische Glücksspielgesetz dar. Die Belgier haben zum Gegenstand der Kritik gemacht, dass die Gegenstände, welche in den Boxen zu gewinnen sind, vorab nicht auszumachen sind. Wer ein konkretes Item haben möchte, der muss unter Umständen viele Lootboxen öffnen. Der Justizminister Koen Geen prangert insbesondere an, dass die Boxen oftmals eben auch von Kindern geöffnet werden. Theoretische Strafen bis zu 800.000 Euro stehen für eine Zuwiderhandlung des Glücksspielrechts zur Debatte.

Ausgerechnet Battlefront 2, aus der Star Wars Reihe, kommt jedoch davon. Dieser Titel hatte die Debatte überhaupt erst ausgelöst. Doch der Publisher EA hatte die Mikrotransaktionen rechtzeitig vorher abgeschafft, nur um diese später in veränderter Form wieder einzuführen. Neben der Ungewissheit wird auch der mediale Umgang mit diesem Konzept angesprochen. Gemeint sind Youtuber, die das Öffnen der Lootboxen aufnehmen und ihre Reaktion auf das Ergebnis besonders einem jungen Publikum zur Schau stellen. Überprüft wurden in Belgien zwar nur vier Spiele, doch können dauerhaft Dutzende Titel betroffen sein. Denn die Boxen kommen inzwischen doch sehr regelmäßig zum Einsatz. In den Niederlanden wurden die Kisten ebenfalls verboten.

Ist jedes Zufallsereignis ein Glücksspiel? Diese Frage stellt sich besonders, wenn zuvor Geld eingesetzt wurde. Dass die Nationen sich beim Thema Lootbox uneins sind, zeigt die Schwierigkeit der Bewertung.

Großbritannien zeigt sich beim Thema Lootboxen großzügig

Professioneller Spieler vor dem PC (Bildquelle)

Tatsächlich sind es gerade die Briten, die mit ihrem Glücksspielrecht in der jüngeren Vergangenheit scharf gegen Verstöße vorgegangen sind (888 und Daub Alderney), welche die Lootboxen weniger kritisch sehen. Dort stehen die Minispiele in Computerspielen nicht als Glücksspiele dar. Die Gambling Commission sieht keinen Zusammenhang zwischen dem Öffnen von Boxen in Spielen und einem Glücksspiel im Sinne des Gesetzes. Die Iren lehnen ein Verbot derzeit ebenfalls ab. In weiteren Ländern steht eine Überprüfung noch an, dazu zählen Frankreich und Österreich. Es wird in naher Zukunft also weitere Auffassungen geben.

In Deutschland ist das Thema ebenfalls umstritten. Rechtlich können die „Kisten“ ebenso als Gewinnspiel verstanden werden. So geht es aus einer Meldung von 2017 hervor, welche von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) veröffentlicht wurde. Doch diese Institution darf nicht entscheiden, ob die Mini-Games in den Computerspielen dem Glücksspiel zuzuordnen sind. Dies ist Sache der Glücksspielstaatsvertrages, welcher aktuell von den Ministerpräsidenten der Länder ohnehin überarbeitet wird. Die USK empfiehlt den Eltern sich hinsichtlich dieses Themas mit den Spielen ihrer Kinder zu befassen und gegebenenfalls Verbote oder Vorschriften aufzustellen.

Neue Bezahlmodelle: Die Kritik an den Boxen kann ebenfalls als generelle Beschwerde an den Zusatzinhalten aufgefasst werden. Früher wurden diese im Rahmen von Patches nachgeliefert oder über ein Add-On bereitgestellt. Heute sind Mikrotransaktionen nötig, um zumindest vom Design mit anderen Spielern mitzuhalten.

Lootbox vs. Panini Bilder: Ein Vergleich

Lootboxen enthalten bestimmte virtuelle Güter. Der Spieler weiß im Vorfeld nicht, was er bekommt. Dies erinnert uns an die guten Panini Sammelbilder. In den Packungen, für den Käufer verdeckt, finden sich Fußballspieler, welche in ein Sammelalbum zu kleben sind. Es ist ein Geldbetrag nötig, um die „Box“ mit den Fußball-Karten zu erwerben. Wo liegt der Unterschied? Einmal handelt es sich um physische Güter. Und dann ist sogar ein Tausch möglich. Letzteres geht in Online-Spielen jedoch auch. Der Wiederverkauf ist bei diversen Spielen ebenso möglich, wie bei den Panini-Bildchen. Tatsächlich scheinen die Gemeinsamkeiten tiefer zu gehen, als die wenigen Unterschiede.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist eklatant. Die wirklich wertvollen oder am meisten gewünschten Gegenstände/Karten sind mit einer kleinen Wahrscheinlichkeit ausgestattet. Dadurch ist es häufig unumgänglich weitere Panini-Boxen oder Lootboxen zu kaufen, um eine erneute Chance zu erhalten. Einen Vorteil haben die Panini-Bilder. Sie bleiben erhalten. Ein Computerspiel kann auch vom Markt genommen werden, wenn die Entwickler beispielsweise Bankrott gehen.

Lootboxen: Wo beginnt das Glücksspiel im Computerspiel? 1200 1000 2018-11-26 09:49:04 Online-Casino.de

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