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Macht Pay2Win das Gaming zum Glücksspiel?

Martin Hill, 12. Februar 2018, Wirtschaft

Verschwimmt die Linie zwischen Gaming und Glücksspiel? (Bildquelle)

Pay2Win ist ein Konzept, bei dem die Computerspiele durch Ingame-Käufe erleichtert oder aufgewertet werden können. Spielehersteller streiten in der Regel ab, dass die Games damit leichter sind. Grundsätzlich bekommen die Spieler definitiv Vorteile geboten. Dabei mag es sich um ein Gebäude handeln, welches sonst nicht oder erst später gebaut werden kann oder eben um zusätzliches Geld einer Spielwährung, die es erlaubt schneller voranzuschreiten.

Anstoß dieses Artikels ist die Aussage eines 19-jährigen, der gegenüber der Welt ausgesagt hat, dass er spielsüchtig ist. Dabei meint der Betroffene, der lieber anonym bleiben möchte, jedoch nicht das herkömmliche Glücksspiel. Er berichtet, dass er 10.000 US-Dollar innerhalb von zwei Jahren über Mikrotransaktionen für Smartphone-Games ausgegeben habe. „Als es am schlimmsten war, hatte ich zwei Jobs und habe sogar überlegt, die Schule abzubrechen“, offenbart der Vielspieler. Das System Pay2Win wurde fast zu seinem Verhängnis.

Was ist Pay2Win und wie funktioniert das Konzept?

Der Name ist Programm: Pay2Win, also bezahlen um zu gewinnen. Das Prinzip ist denkbar einfach. Es handelt sich um Spiele aus dem App-Store, die kostenlos sind. So ist der Anreiz eines Downloads sehr niedrig. Ist das Game erst einmal ausprobiert und weiß zu gefallen, ist die Hemmschwelle Investitionen zu tätigen geringer. Generell handelt es sich nur um Mini-Zahlungen, sogenannte Mikrotransaktionen. Dieses Konzept sorgt bei den Spieleherstellern für einen Ausgleich. Denn seit 2008 sinken die Verkaufszahlen der Games. Umgekehrt steigen die Einnahmen der Ingame-Verkäufe. Diese beziehen sich größtenteils auf Handy- und Browsergames. Im Jahr 2016 soll der weltweite Umsatz der Pay2Win-Spiele bei ungefähr 8 Milliarden Euro gelegen haben. Aktuelle Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor. Die Branche darf sich voraussichtlich auf eine Steigerung von 30 Prozent freuen.

Generell sollten natürlich alle Spieler wissen, worauf sie sich einlassen. Durch Ingame-Käufe lassen sich Vorteile erkaufen. Häufig funktionieren diese Spiele im direkten Vergleich mit anderen Nutzern. Zahlen diese nicht auch, so haben sie einen Nachteil. Besonders gefährdet ist die jugendliche Generation, die praktisch mit dem Daumen am Smartphone aufwächst. Allerdings sollen die meisten Kunden gar keine Zahlungen leisten oder nur sehr selten auf Ingame-Käufe zurückgreifen. Eine wenige Spieler, die sehr viel Geld investieren, sollen die Branche gewissermaßen finanzieren. Forscher der Uni-Hamburg bringen dieses Merkmal eindeutig mit dem Glücksspiel in Verbindung. Eine konkrete Studie, die einen Vergleich zwischen Glücksspiel und Videospielen zieht, soll veröffentlicht werden.

Wer zahlt gewinnt? Bei entsprechenden Spielen rückt die Fähigkeit, Geschicklichkeit oder gar Geschwindigkeit des Spielers immer mehr in den Hintergrund. Ingame-Käufe bringen Vorteile, welche sich in häufigeren Siegen niederschlagen, die beim Kunden wiederum ein positives Gefühl zurücklassen.

Pay2Win: Erlaubtes Glücksspiel für Minderjährige?

Kinder und Jugendliche besonders gefährdet. (Bildquelle)

Kostenlose Spiele dürfen meist unabhängig vom Alter gespielt werden. Dadurch besteht auch Zugriff auf die Ingame-Käufe. Diese werden von den Spieleanbietern gezielt forciert. Spiele, wie Clash of Clans, sind auch in der Werbung präsent und machen auf diesem Weg neugierig. Besonders bedenklich ist ein anderer Trend. Zynga ist ein bekannter Hersteller von Spiele-Apps. Candy Crush gehört zu den wohl prominentesten Spielen. Dabei gibt es für die Vernichtung von Süßigkeiten Punkte gutgeschrieben. Allerdings hat der gleiche Anbieter inzwischen auch das Pokerspiel „Texas Hold’em“ im Angebot. Durch die typischen Handy-Games können viele Spieler frühzeitig auf klassische Glücksspiele aufmerksam werden. Nicht zuletzt entwickeln die Handy-Spiele eine enorme Sogwirkung, die bisweilen mit den Suchterscheinungen beim Glücksspiel gleichzusetzen sind.

Clash Royal ist in den Stores kostenlos herunterzuladen. Spieler haben dies bereits über 100 Millionen Mal getan. Gleichwohl handelt es sich um ein Spiel, welches auf den Gruppenzwang setzt. Denn die Spieler treten in Clans, also gemeinsam, gegen andere Clans an. Häufig sind es Minderjährige die zusammen spielen – vielleicht Schüler einer Klasse. Während das Spiel selber kein Geld kostet, sind die Teilnehmer mit sogenannten Arenapaketen besser den Herausforderungen gewappnet. Je nach Auswahl sind hier 6 bis 20 Euro zu bezahlen. Und nur wer stetig Investitionen tätigt, der ist für sein Team ein Gewinn.

Preise bei Pay2Win: Hier gibt es ganz unterschiedliche Modelle. Allein bei Clash of Clans können Edelsteine (virtuelle Währung) zwischen 5,49 und 109,99 Euro erworben werden.

Verschmelzen Gaming und Glücksspiel immer weiter?

Nicht nur Pay2Win steht in der Kritik. Gleiches gilt für die Loot-Boxen. Dabei handelt es sich um Kisten, die Gegenstände enthalten. Um die Schlüssel zum Öffnen der Kisten zu erhalten, ist ebenfalls eine Investition notwendig. Nun bekommen Spieler meist nicht den gesamten Inhalt einer Kiste ausgeschüttet, sondern nur einen Gegenstand. Dieser wird per Zufall ermittelt. Haben es Kunden auf einen bestimmten Gegenstand abgesehen, müssen sich unter Umständen viele Schlüssel käuflich erwerben. Diverse Länder diskutieren aktuell, ob es sich bei den Loot-Boxen um Glücksspiel handelt.

Electronic Arts stand bereits im Mittelpunkt der Kritik. Das Spiel Star Wars Battlefront II offerierte Star Cards. Diese konnten die Fähigkeiten der Helden über einen kurzen Zeitraum steigern. Die Spieler konnten jedoch nicht einsehen, welche Karten in den Loot-Boxen vorzufinden waren. Nach starker Kritik wurde das Konzept eingestampft.

Scharfer Widerstand aus Belgien: Der Justizminister Koen Geens äußerte sich folgendermaßen: „Die Vermischung von Glücksspiel und Gaming ist gerade im jungen Alter gefährlich für die geistige Gesundheit.“

Macht Pay2Win das Gaming zum Glücksspiel? 300 250 2018-02-12 16:17:48 Online-Casino.de

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