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Merkur Spielotheken: Gauselmann mit Erlaubnis für Face-Check

Martin Hill, 1. Mai 2017, Technik

Die Merkur-Sonne: Das Firmenlogo der Gauselmann-Gruppe (Bildquelle)

82 Filialen von Paul Gauselmann sollen an Rhein und Ruhr mit einer neuen Technik versehen werden. Der Name Merkur ist in Deutschland unter Glücksspiel-Fans eine Institution. Wenn die Symbole der Automaten in Rotation geraten, fangen die Augen der Kunden an zu leuchten. Bezüglich des Jugend- und Spielerschutzes gibt es jedoch seit Jahren Bedenken. Jetzt werden High-Tech-Kameras angebracht, welche nicht nur die Kunden filmen, sondern auch deren Gesichter scannen. Ein Fall für den Datenschutzbeauftragen?

Kaum wird bei den Anforderungen des Jugend- und Spielerschutzes nachgelegt, droht neues Ungemach. Allerdings ist die Ausstattung mit Videokameras genehmigt und auch die Datenschutzbehörde in Nordrhein-Westfalen wurde diesbezüglich angehört. Daher gibt es „Grünes Licht“. Ob dies zukünftig auch für alle Besucher gilt, bleibt abzuwarten.

Wie funktioniert Face Check in den Merkur Spielotheken?

Grundsätzlich ist die Überwachung von Öffentlichen Plätzen und Bürgersteigen vor Geschäften in Großstädten auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. Zumindest im Rheinland und im Ruhrpott lassen sich viele Kameras erblicken. Häufig ist den Passaten aber gänzlich unbekannt, was mit den gesammelten Daten gemacht wird. Dies soll bei Face Check in den Merkur Filialen anders sein. Die Ausstattung mit High-Tech-Videokameras ist beschlossen. Die Aufgaben gehen jedoch über die simple Überwachung hinaus, obwohl die Kameras auch abschreckend auf Einbrecher wirken können. Aber worin liegt der eigentliche Zweck von Face Check?

Das Konzept Face Check: Die Kamera filmt potentielle Kunden, die um Einlass bitten. Innerhalb von wenigen Sekunden ermittelt eine Software, anhand der Gesichtszüge, ob Spieler aus Jugendschutzgründen näher zu überprüfen sind. Weiterhin bekommen Spieler, die eine Selbstsperre beantragt haben, keinen Zugang.

Das biometrische System erkennt laut eigener Aussage zu junge Gesichter mit einer Trefferquote von 99 Prozent. Um das Konzept abzusichern, werden Personen im geschätzten Alter unterhalb von 25 Jahren gezielt angesprochen und gesondert überprüft. Eine Aufklärung über die Risiken des Glücksspiels erfolgt. Bleibt die Frage, wie gesperrte Spieler eindeutig zu erkennen sind. Denn das Gesicht bleibt von den Veränderungen der Zeit nicht verschont. Allerdings sucht die Software hier nach sogenannten „Templates“. Es handelt sich hierbei um Muster im Gesicht, welche eindeutig zu identifizieren sind. Die Verortung der Wagenknochen, die Kanten der Augenknochen und auch die Seitenpartie beim Mund gehören in diese Kategorie und erlauben einen zuverlässigen Abgleich mit der Sperrdatei.

Das Ampel System: Während die Kunden sich draußen von der Kamera ablichten lassen, erscheint im Inneren der Spielhalle eine Ampel auf dem Bildschirm. Leuchtet diese grün auf, dürfen die Kunden hereinkommen. Rot bedeutet, dass der Spieler gesperrt ist. Zeigt die Anzeige Gelb, so muss das Personal eine Überprüfung vornehmen.

Datenschutz: Wo stößt Face Check an Grenzen?

Das System zur Eingangskontrolle ist nicht unumstritten. Ohne Zweifel wird hier eine Lücke geschlossen. Denn nicht nur der Jugendschutz profitiert. Auch gesperrte Spieler erhalten keinen Einlass. Allerdings findet gewissermaßen eine Datensammlung statt, um die ankommenden Kunden mit den gesperrten Spielern abzugleichen. Von Seiten der Datenschützer aus NRW ist zu vernehmen, dass die Gesichtskontrolle geeignet ist, die Datenschutzbelange einzuhalten. Allerdings müssen diesbezüglich Vorgaben beachtet werden.

Bilder eingehender Kunden dürfen nicht gespeichert werden. Hier kommt die Gauselmann Gruppe den Vorgaben konsequent nach. Denn innerhalb von 30 Sekunden findet eine Löschung Eine Verknüpfung mit anderen Dateien oder eine Weitergabe an Dritte sind nicht gestattet.

Andererseits sehen die Datenschützer die Freiheit sich öffentlich und anonym zu bewegen gefährdet. In dieser Hinsicht wird das biometrische System als „kritisch“ eingestuft. Weiterhin fehlt es nach Angabe des Datenschutzbeauftragten an einer Rechtsgrundlage in Bezug auf die Abwehr von Gefahren oder der Strafverfolgung.

Face Check: Wo wird das System schon verwendet?

Ein Gesichts-Scan soll das Alter der Kunden bestimmen. (Bildquelle)

Gauselmann argumentiert aus einem anderen Blickwinkel. Für den Unternehmer ist jetzt eher denn je ein anonymer Zutritt zu seinen Spielhallen möglich. Denn für die meisten Gäste fällt nicht nur die persönliche Überprüfung weg, sondern auch die damit in Verbindung stehende Wartezeit. Während das Konzept in Nordrhein-Westfalen noch vor der Umsetzung steht, wird es in Baden-Württemberg unlängst verwendet. Wer bislang an der Notwendigkeit gezweifelt hat, dem sei gesagt, dass bereits 180 Spielern der Zutritt verweigert wurde, weil diese in der Sperrdatei eingetragen sind. Im Gegensatz zu NRW, steht das Konzept in Baden-Württemberg jedoch auf einer sicheren Rechtsgrundlage verankert.

Nachfolgend soll also das biometrische System in 82 Filialen am Rhein und der Ruhr mit den hochmodernen Kameras ausgestattet werden. Bekannt ist, dass fünf Merkur Spielotheken in Essen, drei Spielstätten in Duisburg und zwei in Dortmund ausgestattet werden sollen. Ein Blick nach Düsseldorf und Bielefeld zeigt, dass dort die Kameras schon installiert sind. Dabei lässt sich der Unternehmer die Schutzmaßnahmen einiges kosten. Je Spielothek beläuft sich der Preis für die Umsetzung auf 25.000 Euro. Da das Personal im Zweifel ebenfalls kontrollieren muss, kann auch an anderer Stelle nicht eingespart werden.

Paul Gauselmann denkt schon einen Schritt weiter. Seine Zukunftsvision ist ein eingebautes Gesichtserkennungssystem in den Merkur Spielautomaten. Prototypen sollen bereits im Testlauf sein. Damit könnte das Alter und der Abgleich mit der Sperrdatei auch außerhalb der Spielhallen stattfinden. Fraglich ist hier erneut, was die Datenschützer von dieser Umsetzung halten.

Merkur Spielotheken: Gauselmann mit Erlaubnis für Face-Check 300 250 2017-05-01 08:51:00 Online-Casino.de

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