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Online-Casinos bekommen in Deutschland 17.000 Werbeminuten

Dieter Maroshi, 8. Juli 2020, Technik

Werbung von Casino-Werbung im TV begrenzt. / Shutterstock.com

Schon seit längerer Zeit ist die TV-Werbezeit der Online-Casinos ein umstrittenes Thema. Streitpunkt ist hier die Frage, ob die Spielcasinos überhaupt Fernsehwerbung schalten dürfen. Denn nach aktuellem Stand sind die Anbieter in 15 von 16 Bundesländern gesetzlich verboten. Wenngleich sich dieses Gesetz kaum durchsetzen lässt und viele Casinos auf ihre EU-Lizenz und die europäische Dienstleistungsfreiheit pochen. Obendrein sind die Online-Casinos in Schleswig-Holstein lizenziert. Im nördlichen Bundesland darf also gespielt und freilich dementsprechend geworben werden. Damit ist das Dilemma perfekt. Denn TV-Werbung lässt sich nicht nur in einzelnen Bundesländern ausstrahlen.

Drei Parteien haben sich jetzt auf eine Lösung verständigt, welche die Ausstrahlung von insgesamt 17.000 Werbeminuten umfasst. Gemeint sind das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein, sowie der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) und der Deutsche Verband für Telekommunikation und Medien (DVTM). Bei der Ausgestaltung dieser Lösung war die Zielsetzung klar: Die Werbezeit der Online-Casinos sollte ins Verhältnis zum erlaubten Ausstrahlungsgebiet gesetzt werden. Das Zustandekommen bezogen auf die verfügbaren Werbeminuten, möchten wir nachfolgend erklären.

Was das Konzept mit den Werbeminuten für die Online-Casinos bedeutet

Zunächst einmal möchten wir diese Zahl ins Verhältnis setzen. Da eine Stunde 60 Minuten hat, reden wir bei 17.000 Minuten von einer Werbezeit von 283 Stunden und 20 Minuten. Solange dürfen Casino-Werbungen im Monat laufen. Natürlich hört sich das nach einer großzügigen Regelung an. Wenn wir aufrunden und die 284 Werbestunden durch die elf in Schleswig-Holstein lizenzierten Casinos teilen, denn die Werbezeit gilt für alle Anbieter gemeinsam, dann bleiben jeweils noch knapp 26 Stunden übrig. Folglich darf jedes Spielcasino täglich keine Stunde seine Werbeeinblendungen ausstrahlen. Und jetzt überlege dir noch, auf wie vielen Kanälen normalerweise Casino-Werbung zu sehen ist. Freilich wird die Werbung für Casinoseiten damit nicht aus dem deutschen TV verschwinden. Doch diese Regelung stellt für die Online-Casinos schon ein Einschnitt dar.

Dabei kam der Königssteiner Schlüssel zur Anwendung. Dabei handelt es sich um einen Schlüssel, der festlegt, wie die einzelnen Bundesländer an einer gemeinsamen Finanzierung zu beteiligen sind. Dieses Konzept ließ sich auf die Werbeminuten ummünzen. Folglich wurde die zur Verfügung stehende Werbezeit lediglich auf das eine Bundesland – Schleswig-Holstein – heruntergebrochen. Nebenbei bemerkt sind die Bundesländer laut Königssteiner Schlüssel nicht alle gleichberechtigt. Nordrhein-Westfalen macht hier den größten Anteil aus. Es folgen Bayern und Baden-Württemberg vor Niedersachsen. Maßgeblich ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung des jeweiligen Bundeslandes. Auf den ersten Blick scheinen die Online-Casinos durch dieses Konzept in ihrer Werbetätigkeit eingeschränkt. Doch hat dieses Modell eventuell sogar Vorteile.

Andreas Blaue sagt als DVTM-Vorstand: „Das vorliegende Modell einer Selbstregulierung für die bundesweite TV-Werbung von Online-Casinos ist stringent logisch und lässt sich auf Basis neutral erhobener Mediadaten von Nielsen Media Research einfach überprüfen. Absolute Transparenz und Fairness bleiben somit für alle Seiten gewahrt.“

Werbezeiten der Spielcasinos: Über die Entwicklung und Missverständnisse

Maximal 17.000 TV-Minuten für Casinos / Shutterstock.com

Schon seit 2019 ist die Werbezeit für Online-Casinos reduziert worden. Doch hat sich dieses Bild nicht in den Köpfen neutraler Zuschauer oder Politiker festgesetzt. Im Gegenteil! Immer mehr Stimmen wurden laut, die sich gegen ein erhöhtes Werbebombardement der Casinoanbieter ausgesprochen haben. Während des Höhepunkts der Corona-Pandemie flammte die Debatte erneut auf. Der Vorwurf: Die Online-Casinos würden vermehrt Werbung schalten, um die daheim gebliebenen Personen zu erreichen. Faktisch entspricht dies jedoch nicht der Wahrheit, wie Renatus Zilles als Vorstandsvorsitzender des DVTM aussagt. Er spricht in diesem Zusammenhang sogar von „Fake News“ und verweist auf Interessenverbände. Dabei nennt er die Automatenwirtschaft und verweist ebenfalls auf die Politik.

Jetzt sind wir also an einem Punkt angekommen, wo es eine fixe Anzahl von Werbeminuten für die in Schleswig-Holstein konzessionierten Online-Casinos gibt. 17.000 Minuten sind den elf Casinos erlaubt. Dabei übernimmt der DVTM die Überwachung der Werbetätigkeit. Dies bezieht der Verband jedoch lediglich auf die eigenen Mitglieder. Immerhin sind acht der elf Online-Casinos Mitglied. Von diesen Unternehmen wird ein Bericht angefertigt und an die Glücksspielaufsichtsbehörde des Landes Schleswig-Holstein weitergereicht. Anschließend ist es an der Behörde zu prüfen, ob das Modell zur Selbstregulierung eingehalten wurde. Ist dies nicht der Fall, so können Sanktionen verhängt werden.

Zilles bringt die richtige Arbeitsweise auf den Punkt: „Pragmatische, verantwortungsvolle Lösung miteinander finden, anstatt gegeneinander auszufechten, ist das Leitbild unseres Verbandes.“ Davon könnten sich die Bundesländer bei ihren Bemühungen um einen neuen Glücksspielstaatsvertrag für das Jahr 2021 nach aktuellem Kenntnisstand wohl eine Scheibe abschneiden.

Ist das Konzept der Werbeminuten zukunftstauglich?

In knapp einem Jahr, ab dem 1. Juli 2021, soll der neue Glücksspielstaatsvertrag gültig sein. Dann sind Online-Casinos hoffentlich in allen Bundesländern erlaubt. Folglich dürfte die Anzahl der Werbeminuten nach dem Königssteiner Schlüssel angepasst werden. Grundsätzlich lässt sich das aktuelle Konzept durchaus an die dann geänderten Bedingungen anpassen. Doch noch sind sich die Bundesländer allem Anschein nach nicht einig. Mindestens 13 von 16 Ministerpräsidenten müssen jedoch zustimmen, damit überhaupt ein neuer Glücksspielstaatsvertrag zustande kommt. Länder, die sich nicht beteiligen, stellen dann vermutlich ein eigenes Glücksspielgesetz auf die Beine. Bislang ist nicht final abzusehen, wer sich beteiligt und wie eine Ausgestaltung des Glücksspiels in Deutschland ab Mitte 2021 aussieht.

Online-Casinos bekommen in Deutschland 17.000 Werbeminuten 1200 1000 2020-07-08 08:23:47 Online-Casino.de

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