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Online-Casinos im Spannungsfeld zwischen Werbe-Schranken und Lizenz-Erteilung

Ralf Schneider, 29. Oktober 2021, Wirtschaft

Gehört Casino-Werbung beschränkt? / Shutterstock.com

Online-Casinos sind inzwischen legal. Zumindest sollte dies laut dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 so sein. Doch dafür bräuchten die Anbieter eine Lizenz. Trotz Bewerbung ist diese noch nicht erteilt worden. Überdies ist die Bezeichnung „Casino“ für die Online-Angebot nicht mehr gerne gesehen. Daher heißt es bei den einschlägigen Glücksspielseiten in Bezug auf das Angebot von Automaten meist einfach nur noch Slots. Und es ist nicht mehr vom Online-Casino, sondern von der Internet-Spielothek die Rede. Der Unterschied liegt im Fehlen der Tischspiele. Diese könnten jedoch bald auf Umwege über die Landesgesetzgebung zurückkehren. Allerdings ist hier noch nicht abschließend geklärt, wo Roulette, Blackjack und Co künftig ihr Zuhause finden.

Problematisch ist derzeit vor allem, dass die Casino-Anbieter vor dem Gesetz legal sein sollten. Dies wurde im neuen GlüStV ab Juli 2021 umgesetzt. Allerdings gibt es einen Haken – die Lizenzierung. Denn ohne Lizenz ist es eigentlich untersagt Online-Automatenspiele feilzubieten. Doch sind in diesem Fall nicht die Anbieter das Problem. Diese haben ihre Bewerbung nämlich oftmals frühestmöglich eingereicht. Aktuell warten die Anbieter einfach auf einen positiven Bescheid. Daraus ergibt sich im Übrigen ein ganz eigenes Dilemma. Denn rein rechtlich ist es den Unternehmen damit aktuell nicht möglich Werbung zu schalten.

Darum ist Werbung für Online-Glücksspiele wichtig

Manchem Leser werden wir mit dieser Aussage die Stirn in Falten gelegt haben. Doch kein Grund in Rage zu geraten. Werbung unterbricht das TV-Programm und ist allein schon deshalb nicht gerne gesehen. Werbung für Online-Casinos hatte bislang aus mehreren Gründen einen schlechten Ruf. Auch, weil die Anbieter in Deutschland bestenfalls im Graubereich agiert hatten. Aber ebenso, weil manche Werbeformate recht nervig waren. Doch sie prägten sich ein. Und darauf kam es an. Warum also sollte Werbung für Online-Glücksspiele wichtig sein. Dass betrifft im Übrigen nicht nur Casino-Spiele, sondern ebenso Sportwetten. Eigentlich ist es ganz einfach. Der Staat hat beim Glücksspiel eine Kanalisierungsfunktion. Folglich gilt es die Spieler zu lenken. Dabei muss es das Ziel sein, potentielle Kunden zu vertrauenswürdigen Anbietern zu schicken. Vertrauen verdienen hierbei die Unternehmen, die eine deutsche Lizenz erhalten. Und genau diese Spielotheken und Buchmacher müssen werben dürfen.

Womit wir jedoch einen wichtigen Punkt ansprechen. Denn jetzt dreht sich das Rad plötzlich andersherum. Werben darf im Fernsehen nämlich nur, wer eine gültige Konzession besitzt. Doch die Online-Casinos haben durch die Bank eine solche Lizenz noch nicht in der Tasche. Folglich ist das Schalten von Spots dem Gesetz nach gar nicht erlaubt. Und damit kommt der Staat seinem Auftrag auf Kanalisierung im Prinzip ebenfalls nicht nach. Ohne Werbung für legale Angebote machen sich die Spieler selber schlau. Ob sie dann ein Angebot finden, welches in Deutschland zukünftig die Lizenz erhält, ist mehr oder minder dem Zufall überlassen. Wenn jedoch ein Clip in Fernsehen zu sehen ist, dann hat die Internet-Spielbank vom deutschen Staat die Konzession zugesprochen bekommen. Folglich wird der künftige Spieler dorthin geleitet. So sollte es sein.

Legal vs. illegal: Um diese Abgrenzung aufzuzeigen ist die Werbung ein wichtiger Teil der Kommunikation mit dem Kunden. Damit lassen sich Spieler auch vom Schwarzmarkt fernhalten.

Kritik an den Regeln zur Bewerbung von Online-Glücksspielen

Glücksspiel-Sponsoring erlaubt. / Bild: Shutterstock.com

Casinos dürfen faktisch derzeit gar nicht werben. Sportwetten-Anbieter haben diese Möglichkeit, sofern sie eine deutsche Lizenz vorweisen können. Doch gibt es weitere Einschränkungen, welche für das Automatenspiel, Casino- und Poker-Spiele im Internet gelten. Hierbei ist unbedingt das Verbot der Werbung zwischen 6 und 21 Uhr zu nennen. Die Intention ist klar. Kinder und Jugendliche sollen bestmöglich vor einem zu frühen Kontakt mit Online-Glücksspielen bewahrt werden. Das Zocken soll ihnen nicht normal vorkommen. Doch reden wir hier von knapp zwei Dritteln des Tages, die damit für Werbung entfallen. Werbung für Sportwetten ist in dieser Zeitspanne übrigens trotzdem erlaubt. Sponsoring ist übergreifend gestattet. Denn dort greift der Glücksspielstaatsvertrag nicht. Allerdings dürfen aktive Sportler und Funktionäre nicht als Testimonials werben. Im Sport soll zudem eine Werbeschranke vor und nach Spielen Anwendung finden.

Aus Sicht der Sendeanstalten ergibt sich auch ein finanzielles Dilemma. Denn die Werbebeschränkung ist ein staatlicher Eingriff in die Finanzierung des jeweiligen Senders. Über die Bedeutung der Glücksspielwerbung sind sich die Sendeanstalten bewusst. Laut Deutschem Verband für Telekommunikation und Medien e.V. handelt es sich um die fünftgrößte Produktgruppe in Bezug auf die Investitionen in TV-Werbung. Dabei ist der Anteil von 2019 zu 2020 sogar um 30 Prozent angestiegen. Im vergangenen Jahr lag der Werbeetat bei 571 Millionen Euro. Dass entspricht ungefähr drei Viertel des Budgets für Automobilwerbung. Doch während die Auto-Branche im Umbruch ist, scheint der Glücksspielmarkt sich weiterhin in einem gesunden Wachstum zu befinden.

Anti-Kanalisierung: Wenn in Deutschland nicht auf die legalen Anbieter – über Werbung – aufmerksam gemacht wird, dann entschwinden die Spieler bewusst oder unbewusst im Schwarzmarkt. Darüber freuen sich dann die Anbieter aus Curacao, die steuerlich ohnehin schon im Vorteil sind. Deshalb sollte die Lizenzierung der Casino-Seiten vorangetrieben werden, um die deutschen Spieler dorthin zu kanalisieren.

Online-Casinos im Spannungsfeld zwischen Werbe-Schranken und Lizenz-Erteilung 1200 1000 2021-10-29 09:20:07 Online-Casino.de

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