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Online-Casinos und Spielbanken fühlen sich benachteiligt

Dieter Maroshi, 16. Juni 2021, Wirtschaft

Glücksspiel-Regulierung in Deutschland / Shutterstock.com

Es ist paradox. Da kommt ein neues Glücksspielgesetz in Deutschland. Es bringt Lockerungen für Internet-Spiele und regelt diverse Vorschriften im Hinblick auf Spielhallen und stationäre Casinos. Doch irgendwie scheinen beide Seiten nicht glücklich. Denn die Online-Casinos fühlen sich mit Blick auf die stationären Anbieter benachteiligt. Umgekehrt sehen die landbasierten Spieletablissements sich selbst im Nachteil. Liegt die Wahrheit in der Mitte? Vielleicht ist dieses Empfinden in Sachen Ungerechtigkeit wirklich ein Anzeichen dafür, dass die Regulierung fruchtet. Andererseits wäre es schöner, wenn beide Seiten mit den neuem Recht einverstanden wären. Oder gibt es eine logische Erklärung bezogen auf das jeweilige Gefühl der Benachteiligung?

Tatsächlich ist das Glücksspielrecht seit vielen Jahren in Deutschland das reinste Kuddelmuddel. Jetzt gibt es halt den nächsten Versuch für Ordnung zu sorgen. Politiker sind sich natürlich bewusst, dass man es nicht jedem Recht machen kann. Dennoch wollen wir jetzt mal im Detail nachschauen wie es sein kann, dass sich sowohl die Online-Casinos, als auch die stationären Spielbanken bezüglich der neuen Gesetzgebung im Nachteil fühlen. Eines wird dabei relativ schnell klar. Die jeweilige Partei sieht sich auf andere Art und Weise benachteiligt.

Darum sind Online-Casinos mit der neuen Regulierung benachteiligt

Im Prinzip greifen an dieser Stelle zwei Kernargumente. Zunächst ist das Spieleangebot zu nennen. Zwar dürfen grenzenlos Automaten feilgeboten werden. Das „große Spiel“ – also Roulette, Blackjack und Co – bleibt jedoch auf der Strecke. Ebenso sind Live-Dealer und Jackpot-Games nach aktuellem Stand untersagt. Die seriösen Online-Casinos haben die entsprechenden Spiele längst von ihrer Plattform entfernt. Diese Titel werden in staatlichen und privat geführten Spielcasinos jedoch weiterhin angeboten. Hier schlägt das Wettbewerbs-Pendel klar in Richtung der stationären Anbieter aus. Andererseits ist noch nicht final geklärt, ob Tischspiele im Internet-Casino nicht noch eine fulminante Rückkehr feiern. Eventuell kann hier über die jeweiligen Landesgesetze etwas gemacht werden. Vielleicht werden Roulette und Co auch von den stationären Spielbanken online gebracht – wie es in der Schweiz geschehen ist. Doch dann würden sich die Online-Casinos im noch größeren Umfang benachteiligt sehen.

Damit kommen wir zum zweiten, vermutlich sogar noch größeren, Kritikpunkt. Gemeint ist die Steuer. Laut aktuellem Stand ist eine Besteuerung in Höhe von 5,3 Prozent auf den Einsatz geplant. Was bei den Sportwetten funktioniert, soll auch bei den Online-Casinos Anwendung finden. So scheinen die Politiker zu denken. Doch die European Gaming and Betting Association (EGBA), die scheinbar nach Beschwerde beim Bundesrat keine Antwort erhielt, hat sich inzwischen an die Europäische Kommission gewandt. Ein Verstoß gegen die EU-Beihilfevorschriften will die EGBA erkennen. Konkret geht es darum, dass die stationären Anbieter steuerlich bevorzugt werden. Denn die Besteuerung in Höhe von 5,3 Prozent auf den Einsatz wäre in Realwerten vier bis fünf Mal so hoch, wie bei stationären Anbietern und sogar 15-fach so hoch, wie die Automatensteuer in Spielhallen.

Stein des Anstoßes: Natürlich haben die Online-Casinos kein Problem mit einer Besteuerung. Immerhin erhalten sie im Gegenzug mit der Regulierung die Möglichkeit legal ihre Spiele feilzubieten. Allerdings ist die Art der Besteuerung auf Einsatz- und nicht auf Umsatz/Gewinn-Basis ein Problem.

Darum fühlen sich die stationären Spielbanken & Spielhallen benachteiligt

Wem spielte das Recht in die Karten? / Shutterstock.com

Den stationären Spielbanken geht es eher um die Legalisierung der Online-Casinos an sich. Denn damit verlieren sie einen großen Vorteil. Sie waren im Gegensatz zum Internet-Angebot schon immer legal. Doch in der Auswahl an Games können sie definitiv nicht mithalten. Es erfordert einen gewissen Platz Automaten aufzustellen. Online ist dieser Platz nicht beschränkt. In einer Spielbank ist dies schon der Fall. Deutlicher wird dies sogar noch bei den Spielhallen, die auf eine bestimmte Menge an Geldspielgeräten beschränkt sind. Und die Spielhallen haben ein noch konkreteres Problem mit der neuen Regulierung. Denn die Spielotheken stören sich stark an der Regel, dass zu einer anderen Spielhalle ein Mindestabstand einzuhalten ist. Tatsächlich ist die Sinnhaftigkeit dieser Vorschrift zu hinterfragen, wo Online-Casinos doch standortunabhängig mit nur wenigen Klicks zu erreichen sind.

Andererseits sehen die stationären Anbieter es durchaus gerechtfertigt, sich den einen oder anderen Vorteil mitzunehmen. Auch dafür gibt es logische Gründe. Denn die Anzahl an Mitarbeiter, die für den Betrieb landbasierter Casinos benötigt wird, ist höher als bei den Internet-Anbietern. Weiterhin können Kosten für die Raummiete und weitere Ausgaben anfallen. Faktisch ist die Ausgabenseite schlicht und ergreifend höher. Daher halten es viele stationäre Anbieter für gerechtfertigt, dass sie höhere Einnahmen verbuchen dürfen. Dies würde eventuell mit der Einsatzsteuer auf Online-Casino-Spiele erreicht werden. Dennoch besteht hierbei eine ganz konkrete Gefahr. Denn die Spieler, die dann mit geringeren Gewinnchancen konfrontiert würden, könnten sich andere Anbieter suchen. Und es ist nicht schwer im Internet einen in Deutschland illegalen Anbieter zu finden, der bessere Auszahlungsquoten verfügbar hat.

In anderen Ländern spicken: Wir brauchen gar nicht weit in die Ferne zu schauen. Auch in Frankreich haben die Behörden versucht das Online-Glücksspiel über eine Einsatzsteuer zu regulieren. Dass trieb die Spieler in die Illegalität. Anschließend wechselten die Franzosen erneut zu einer Besteuerung auf Basis der Bruttospielerträge.

Online-Casinos und Spielbanken fühlen sich benachteiligt 1200 1000 2021-06-16 10:38:16 Online-Casino.de

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