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Pathologisches Glücksspiel: Studie zeigt Rückgang von Suchtverhalten

Martin Hill, 18. September 2017, Sport & Spiel

Besser Spielsucht vorbeugen, als nachsorgen. (Bildquelle)

Worin unterscheidet sich das Glücksspiel von anderen Formen des Spielens, wie beispielsweise dem gemütlichen Gesellschaftsspiel? Im Kern ist der Einsatz von Geld das Kriterium, welches eindeutig dem Glücksspiel zugeordnet werden kann. Spinnen wir diesen Faden weiter, gehören auffällige Spieler, bis hin zum Pathologischen Spielverhalten, zu einer Gruppe, welche die Kontrolle über die eigenen Einsätze und Verluste verliert.

Zwanghaftes Verhalten beim Glücksspiel geht mit Kontrollverlust und einem hohen finanziellen Risiko daher. Dies belastet nicht nur die Gesundheit, physisch wie psychisch, des Betroffenen, sondern auch das Gesellschaftsleben. Weiterhin ist eine Abgrenzung zu Freunden und Familie ein typisches Merkmal. Allerdings gibt es Erfreuliches zu berichten, denn der Anteil an pathologischen Spielern ist erneut zurückgegangen.

Pathologisches Spielverhalten: Krankheitsbild und Studientrend

Inzwischen hat das pathologische Glücksspiel Aufnahme im System der International Classification of Diseases (ICD) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefunden. Zwanghaftes Spielen gilt daher als psychische Erkrankung. Dementsprechend wird das Krankheitsbild in seiner Verbreitung in der Studie „Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland“ erfasst. Diese Erhebung wurde jetzt bereits zum fünften Mal von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durchgeführt. Daten wurden hierbei im Zweijahrestakt erfasst. Die erste Aufzeichnung geht auf das Jahr 2007 zurück. In 2011, 2013 und 2015 wurden die Befragen erneuert. Daraus ergibt sich ein Gesamtbild, welches einen abbauenden Trend bei der generellen Teilnahme an einem Glücksspiel aufzeigt. Von Jahr zu Jahr ist die Intention zu spielen mehr heruntergegangen.

Wie werden die pathologischen Glücksspieler ausfindig gemacht?

Mit einer einfachen Umfrage ist es ein Leichtes herauszufinden, wie viel Prozent der Befragten an einem Glücksspiel teilgenommen haben. Nun ist aber nicht jeder, der mal am Lottospiel teilnimmt, dem einarmigen Banditen die Hand schüttelt oder bei einem Sportereignis Geld setzt, gleich ein pathologischer Spieler. Dies wirft die Frage auf, wie diese spezielle Gruppe von Menschen, die an einer psychologischen Krankheit leiden, ermittelt wird. Zunächst findet eine ausführliche Befragung statt, welche auf das Spielverhalten der letzten 12 Monate abzielt. Es handelt sich hierbei um den „South Oaks Gambling Screen“ (SOGS) Test. Dieser stellt einen Katalog mit 20 Fragen bereit. Wenn auch nur fünf dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, so liegt ein vermutlich pathologisches Spielverhalten vor. Wer bereits drei oder vier der Fragen bejaht, gehört zur Gruppe der Problemspieler.

Beispielfrage aus dem SOGS Test: „Wenn Sie spielen, wie häufig versuchen Sie an einem der nächsten Tage durch erneutes Spielen Geldverluste zurückzugewinnen?“

Wer spielt? Altersstrukturen und Geschlechtertrennung!

Der prozentuale Anteil der Problemspieler lag im Jahr 2015 bei 0,42 Prozent. Allerdings teilt sich dieser Prozentsatz auf 0,66 Prozent bei den Männern und 0,18 Prozent bei den Frauen auf. Beim pathologischen Spielen sind es insgesamt 0,37 Prozent, aufgeteilt in 0,68 Prozent bei den männlichen und 0,07 Prozent bei den weiblichen Speilern. Nachdem 2013 hier ein Anstieg verzeichnet wurde, gingen die Werte jetzt wieder zurück. Diese Geschlechterunterscheidung lässt sich auf die Spitze treiben.

Männer…

… beanspruchen zu 64,6 Prozent das auffällige Spielverhalten für sich (35,4 Prozent bei den Frauen).

… tätigen zu 54,4 Prozent einen monatlichen Mindesteinsatz von 100 Euro oder mehr.

… spielen zu einem Prozentsatz von 53,7 mindestens ein Glücksspiel oder mehr.

Außerdem gibt es Erhebungen, die festgestellt haben, dass Bildung Auswirkungen auf pathologisches Spielverhalten hat. Anfälliger ist, wer maximal über einen Abschluss der Hauptschule verfügt oder einen Migrationshintergrund aufweist. In Bezug auf das Alter haben 18,2 Prozent der Befragten zwischen 16 und 17 Jahren angegeben, in den letzten 12 Monaten an einem Glücksspiel teilgenommen zu haben. Bei den 18-jährigen steigt dieser Anteil rapide auf 37,9 Prozent an. Jugendliche werden noch nicht als „pathologisch“ spielend klassifiziert. Dennoch gilt diese Altersgruppe als entscheidend, da ein auffälliges Spielverhalten zumeist bis zum 25 Lebensjahr ausgeprägt wird.

Über entstehenden Wohlfahrtsschaden und aktuelle Gesetzesänderungen

Glücksspieler argumentieren häufig selber damit, dass sie der Wirtschaft einen Gefallen tun. Wie viel ist an diesem Volksglauben dran? Zunächst einmal gibt es in Deutschland, als Mittelwert diverser Studien, eine Anzahl zwischen 195.000 und 245.000 problematische Spieler. Die WHO errechnet aus dieser Menge einen gesamtgesellschaftlichen Effekt, der sich in Kosten von 411 Millionen Euro jährlich niederschlägt. Allerdings nimmt dieses Modell sämtliche Ausgaben aus, welche die Spieler selber tragen. Auch das Leiden von Angehörigen und weitere Randaspekte werden ausgeklammert. Bezieht man diese Aspekte mit ein, so ergibt sich ein vermeintlicher Wohlfahrtsschaden von knapp 7 Milliarden Euro jährlich. Dies schließt immaterielle Effekte mit ein. Diese Erhebung geht auf Dr. Ingo Fiedler von der Universität Hamburg zurück.

Spannend werden die kommenden Erhebungen zum problematischen und pathologischen Glücksspiel auch, weil dann die neuen Regelungen schon Berücksichtigung finden. Immerhin mussten in den Großstädten viele Spielhallen schließen, da diese jetzt einen Abstand zueinander wahren müssen. Auch Mehrfachkonzessionen und die Nähe zu Jugendeinrichtungen sind untersagt. Damit geht aktuell ein Massenschließen von Spielhallen einher. Derzeit steht die Werbung auf der Agenda. Die Bundesländer wollen reglementieren, in welcher Art und in welchem Umfang Werbung geschaltet werden darf. Dabei soll auch das Potential der Gefährdung des Glücksspiels Berücksichtigung finden.

Pathologisches Glücksspiel: Studie zeigt Rückgang von Suchtverhalten 300 250 2017-09-18 16:15:26 Online-Casino.de

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