Aktuelle Casino Nachrichten für Deutschland
Recht & Gesetze, Sport & Spiel, Steuern, Technik, Unterhaltung und Wirtschaft

Reguliert die Spielhallen qualitativ und nicht quantitativ!

Sabina Kugler, 11. Dezember 2020, Wirtschaft

Mindestabstand ist ein rein quantitativer Maßstab (Bildquelle)

Wie häufig haben wir schon über Mindestabstände zwischen zwei Spielhallen oder hin zu Kinder- und Jugendeinrichtungen schreiben müssen. Ziel dieser rechtlich geforderten Abstände ist es die Menge an Spielhallen zu verringern. Doch ist eine Verknappung wirklich der richtige Schritt? Georg Stecker weist diesen Gedanken in seiner Rolle als Vorstandssprecher vom Dachverband Deutsche Automatenwirtschaft e.V. von sich. Diesbezüglich veröffentlichte er sogar einen Beitrag im Behörden-Spiegel. Dieses Magazin, welches sich gezielt an den öffentlichen Dienst wendet, erreicht eine Druckauflage von 114.000 Exemplaren. Wichtiger ist jedoch, dass sein Anliegen auf diese Art zum richtigen Publikum findet.

Steckers (Vorstand Deutsche Automatenwirtschaft) Botschaft ist klar. Er möchte die Spielhallen auf Basis qualitativer Maßstäbe reguliert sehen. Und tatsächlich ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021, der ab dem kommenden Juli greifen soll, vermutlich ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Dennoch scheinen die Mindestabstände, welche nun wirklich ausschließlich auf die Quantität abzielen, in den jeweiligen Landesgesetzen verankert zu bleiben. Stecker verweist auch darauf, dass viele Spielhallenbetreiber schon heute die zukünftig geforderten Regeln bezüglich des Spieler- und Jugendschutzes einhalten. Schon aus Eigeninteresse und Verantwortungsgefühl. Wir versuchen diese Frage für uns selbst zu beantworten. Was erreicht eine Verknappung des Spielhallen-Angebots? Und wäre allen Beteiligten nicht eher mit einer qualitativen Auswahl an Etablissements geholfen?

Wem ist mit einer Verknappung des Spielhallen-Angebots geholfen?

Weniger Angebot gleich weniger Spieler. Ist diese These wahr oder ein Trugschluss. Zunächst wollen wir aber darauf schauen, wem mit der Regulierung des Mindestabstandes geholfen werden soll. Einmal sind da natürlich die Kinder, die möglichst nicht so früh in den Kontakt mit Glücksspielen kommen sollen. Allerdings sind Spielhallen von außen in der Regel abgedunkelt. Der Einlass ist nach strengen Zugangskontrollen zu gestatten. Kurzum können Kinder vermutlich nicht mal einen Blick erhaschen. Bleibt die Existenz der Spielhalle, die natürlich von außen ausgewiesen ist. Denn irgendwie müssen Kunden schließlich den Eingang finden. Doch dies allein sollte nicht dazu verführen das Etablissement zu betreten. Obendrein wirbt Lotto meist sehr aggressiver, schreibt sogar die Höhe des Jackpots auf Tafeln. Diese stehen dann häufig in den Fußgängerzonen und sind im Schaufenster angeschlagen. Oder hinkt dieser Vergleich zwischen dem staatlichen Lotto und den privaten Spielhallen?

Kurz gesagt: Eine akute Gefährdung der Jugend sehen wir durch die reine Anwesenheit der Spielhallen nicht. Dann geht es natürlich noch um den generellen Spielerschutz. Wir reden hier jedoch von Mindestabständen von maximal 500 Metern. Ein Erwachsener legt diese Strecke doch in wenigen Minuten Fußweg zurück. Obendrein wohnen die Kunden nicht immer auf maximaler Entfernung zu den Hallen. Manche müssen ohnehin mit dem Bus oder Auto anreisen. Andere wohnen dann dennoch nur wenige Gehminuten entfernt. Daher müssen wir schon kritisch hinterfragen, ob diese Maßnahmen, die obendrein viele Jobs kosten, nicht das eigentliche Ziel verfehlen. Denn es muss doch die Zielsetzung sein Spieler in einem bewussten und normalen Maß Spaß an den Geldspielgeräten zu gewähren. Uns scheint jedoch, dass nur die Anreise minimal bis kaum nachweislich erschwert wird.

Online-Spielhallen als Alternative: Und wer wirklich von der weiteren Anreise abgeschreckt ist, der sucht sich vermutlich ein Online-Casino und findet dort dann eine noch größere Auswahl an Games vor.

Was wäre mit ausschließlich qualitativen Regeln für Spielhallen gewonnen?

Mindestabstände bei Spielhallen in der Kritik / Shutterstock.com

Fangen wir mit den Betreibern an. Diese müssten nicht mehr fürchten ihr Etablissement schließen zu müssen – zumindest nicht allein auf Basis der Abstandsregeln. Weiterhin könnten diverse Angestellte aufatmen, weil ihre Jobs nicht akut in Gefahr wären. Doch im Fokus muss natürlich die Regulierung stehen. Noch ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021 nicht spruchreif. Dennoch gäbe es viele Chancen den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung zu überwachsen. Dies wäre mit Maximaleinsätzen oder einer Höchstdauer an den Automaten gewährleistet. Dafür brauchen die Spielhallenbetreiber natürlich qualifiziertes Personal. Obendrein sollte es bundesweit Einlasskontrollen auf Basis des Alters und nach Überprüfung etwaiger Selbstsperren geben. Diese Sperren müssen bestenfalls ebenso auf ganz Deutschland anwendbar sein.

Wenn wir das Thema im Detail durchdenken, so verfestigt sich eine klare Meinung. Einerseits darf der Zugang zum Glücksspiel nicht unnötig erschwert werden. Legen wir den Kunden Steine in den Weg, fällt die Wahl auf illegale Angebote. Dort findet dann keine Kontrolle statt. Auch darf es nicht das Ziel sein einen Großteil der Spieler hin zu den Online-Spielhallen zu kanalisieren. Zwar auch sind diese voraussichtlich Bestandteil des Glücksspielstaatsvertrages 2021, doch die Überwachung von echten Personen, von Angesicht zu Angesicht, ist in einer Spielhalle gegeben und nicht im Internet. Übrigens lautet der gesetzliche Auftrag den natürlichen Spieltrieb der Menschen zu steuern und nicht diesen bestmöglich zu unterbinden. Abschließen wollen wir mit dem § 1 Nr. 2 des Glücksspielstaatsvertrages und der Frage, ob dieses Ziel eher mit Mindestabständen oder mit qualitativen Maßnahmen zu erreichen ist. Tatsächlich ist es sogar fraglich, ob Mindestabstände zwischen Spielhallen dieses Ziel in Teilen (Ausweichen auf illegale Angebote und lediglich ein weiterer Weg zur nächsten Halle) nicht sogar gefährdet.

„Ziele des Staatsvertrages sind […] 2. Das Glücksspielangebot zu begrenzen und den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken, insbesondere ein Ausweichen auf nicht erlaubte Glücksspiele zu verhindern.“

Reguliert die Spielhallen qualitativ und nicht quantitativ! 300 250 2020-12-11 11:09:06 Online-Casino.de

Weitere Casino News