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Russland will Zugang zu Online-Casinos weiter erschweren

Martin Hill, 12. Juni 2019, Technik

Die Netzsperre ist keine Lösung (Bildquelle)

In Russland sind Glücksspiele zum großen Teil untersagt. Dies gilt sowohl für herkömmliche Spielcasinos, als auch für Online-Casinos. Bezeichnend ist hier noch immer die Aussage von Präsident Putin aus dem Jahre 2006, das Glücksspiel gefährlicher als Alkoholismus sein soll. Drei Jahre später (2009) wurde schlussendlich eine der restriktivsten Verbote für Glücksspiel überhaupt auf den Markt gebracht. Die Zugänglichkeit von Online-Casinos ist in Russland daher nur schwerlich möglich. Anders sieht es jedoch aus, wenn die Bürger dem System vorgaukeln, dass sie aus einem anderen Land stammen.

Und damit stoßen wir zur Wurzel vor. Denn ein Verbot zieht praktisch sofort eine Gegenreaktion nach sich. In diesem Fall haben die Russen, welche dem Glücksspiel nicht abschwören wollen, ihre Lösung im Internet gesucht – und gefunden. Denn über ein Virtuelles Privates Netzwerk (VPN) lässt sich ein anderer Standort vorgaukeln. Damit soll laut der russischen Telekom-Aufsichtsbehörde Roskomnadzor in Zukunft Schluss sein.

So nutzen die Russen VPNs zum Online-Glücksspiel

Aleksandr Zharov ist Boss bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation. Er kündigte an, mehrere VPN-Dienste sperren zu lassen, wenn diese ihren Datenverkehrt nicht in das staatliche Informationssystem einschleusen. Doch eben dort sind auch die in Russland verbotenen Homepages gemeldet. Internationale Online-Casinos gehören laut russischen Rechts in diese Liste. Bereits im März erging eine Aufforderung an zehn Betreiber eines VPNs ihren Datenverkehr dem staatlichen Filter zu unterlegen. Inzwischen ist die Ankündigung ergangen, dass neun Dienste gesperrt werden sollen. Daraus lässt sich der Rückschluss ziehen, dass eben diese neun Anbieter der Forderung nicht nachgekommen sind. Einzig das russische Kaspersky Labs hat seinen Dienst „Secure Connection“ dem staatlichen System angeschlossen.

Weiterhin sollen entsprechende Aufforderungen an die Unternehmen EspressVPN, OpenVPN, NordVPN, KeepSolid, TorGuard, Hola VPN, VyprVPN, IPVanish und HideMyAss! Ergangen sein. Doch worum handelt es sich bei einem virtuellen privaten Netzwerk eigentlich genau? Es ist ein System, welches die eigenen Daten verschlüsselt. Außerdem erweckt das VPN den Anschein, als würde der Benutzer sind anderswo aufhalten. In Russland könnte das VPN zum Beispiel den Anschein erwecken, dass der Nutzer seinen Computer von Deutschland aus bedient. Damit wäre die strikte, russische Gesetzgebung zum Thema Online-Glücksspiel ausgehebelt. Denn jetzt sind Homepages, die in Russland blockiert werden, trotzdem zugänglich. Und eben dieser Hintertür soll jetzt ein Riegel vorgeschoben werden.

Anbieter verweigern Anschluss: Einige VPN-Betreiber haben öffentlich bekundet, sich nicht an das staatliche System anschließen zu wollen. Argumente für diese Haltung sind die Vertraulichkeit der Benutzerinformationen, sowie ein Schutzbedürfnis der Privatsphäre der Kunden. Beides wäre bei einer Weitergabe an Dritte nicht zwingend gewährleistet.

Russland will VPN-Dienste innerhalb eines Monats sperren lassen

Blockt Russland das VPN ab? (Bildquelle)

Russland will VPNs verbieten oder zumindest kontrollieren. Die virtuellen Netzwerke möchten sich der staatlichen Kontrolle jedoch nicht unterwerfen. Wie lässt sich dieses Patt beenden? Zharov hat bereits angekündigt, dass entsprechende Unternehmen auf die Schwarze Liste gesetzt werden. Dadurch müssten die Internet-Provider in Russland den Zugang sperren. Demzufolge wären die VPNs von der russischen Bevölkerung nicht mehr zu erreichen. Für dieses Ziel wurde ein strikter Zeitplan erstellt. Nur einen Monat soll es dauern, bis die Sperrung vollzogen ist. Allerdings steht den Anbietern, die sich aktuell noch weigern, anscheinend weiterhin die Möglichkeit offen, sich ans staatliche System anschließen zu lassen.

Es ist nicht das erste Beispiel, wie in Russland Forderungen durchgesetzt werden. So begann der Kreuzzug gegen VPN-Anbieter schon im Jahr 2016. Ein Jahr später unterzeichnete Präsident Putin ein Gesetz, welches sich gegen extremistische Inhalte richtet und in diesem Zuge ebenfalls die VPNs untersagt. Anders formuliert: Seiten die von russischen Behörden gesperrt werden, dürfen auch mit dem virtuellen Netzwerk nicht aufgerufen werden. In Russland dürfen Banken übrigens keine Überweisungen zu Online-Casinos durchführen.

Landesweite Sperren: In Russland gibt es immer mal wieder Meldungen über gesperrte Dienste. Erst 2018 erwischte es den Messenger Telegram. Das Unternehmen hat sich strikt geweigert, Daten seiner Kunden an den russischen Geheimdienst auszuhändigen. Die Regierung sprach davon, dass der Dienst zur Organisation terroristischer Anschläge verwendet werden kann und sperrte ihn kurzerhand. In der Schweiz wurden Online-Casinos ebenfalls mit einer Netzsperre

Wie werden die VPN-Betreiber in Russland agieren?

Kaspersky Labs haben sich untergeordnet. Andere Anbieter lehnen sich bislang auf. Generell ist nicht zu vermuten, dass alle Unternehmen sich dem staatlichen System anschließen. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass international agierende Firmen lieber vom russischen Markt zurücktreten und dafür ihre Integrität behalten. Anders könnte es jedoch aussehen, wenn die Unternehmen exklusiv in Russland tätig sind oder dort zumindest ihren Kernmarkt betreiben. Denn in diesem Fall würde eine Sperre die eigene Firma ins Abseits stellen. Dann könnten lieber die Einschränkungen in Kauf genommen werden.

Werden Bürger in Russland künftig also nicht mehr auf Online-Casinos, Sportwetten-Seiten und andere Homepages zum Thema Glücksspiel zugreifen können? Wenn diese auf der Verbotsliste der Regierung stehen, so wird der Zugang ohne Frage erschwert. Doch ist anzunehmen, dass sich die VPN-Dienste nicht auf die zehn angeschriebenen Anbieter beschränken. Findige Russen werden ihren Weg zum Glücksspiel voraussichtlich suchen und finden. Was mal wieder zeigt, dass strikte Verbote nicht immer die beste Lösung sind.

Russland will Zugang zu Online-Casinos weiter erschweren 1200 1000 2019-06-12 10:21:06 Online-Casino.de

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