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Schweiz stimmt über Netzsperren im Online-Glücksspiel ab

Dieter Maroshi, 31. Januar 2018, Technik

Besser Schutz vor Betrügern. (Bildquelle)

Seit Ende letzten Jahres steht eine Netzsperre in der Schweiz zur Debatte. Betroffen wären sämtliche Glücksspielseiten, die ihren Ursprung nicht im Land haben. Damit wären Sportwetten-Seiten, Online-Casinos und natürlich Poker-Domains betroffen. Profiteure wären die staatlichen Anbieter. Allerdings haben die Bürger der Schweiz sich gegen eine Sperre gewährt. Eine Unterschriftensammlung führt nun dazu, dass die Schweizer ihr Schicksal im Online-Glücksspiel selber in der Hand haben. Es kommt zur Abstimmung.

Die Frage lautet: Dürfen Behörden den Zugang zu Internetseiten von Glücksspielanbietern sperren? Wenn sich eine Mehrheit für „Ja“ findet, so werden Netzsperren eingerichtet. Entsprechende Domain wären ohne Tricks nicht mehr zu erreichen. Lautet die Antwort jedoch „Nein“, so bleibt die von vielen gewünschte Freiheit im World Wide Web erhalten.

So wurde die bereits geplante Netzsperre ausgehebelt

Innerhalb der Schweiz gibt es ein Konzept, die Volksabstimmung. Werden für ein Thema genügend Unterschriften gesammelt, so ist das Volk an der Entscheidung beteiligt. In diesem speziellen Fall waren Unterschriftensammler insbesondere im Dezember 2017 überaus aktiv. Kein Wunder, eine Einschränkung in der Freiheit des Internets kämen vielen Bürgern einer Zensur gleich. Gerade weil die heimischen Anbieter im großen Maße einer Begünstigung ausgesetzt wären, stieß vielen Leuten negativ auf. Was wäre als nächstes gekommen? Ein Verbot von Amazon, um den heimischen Einzelhandel zu fördern? Schlussendlich kamen 60.000 Unterschriften zusammen. Am Dienstag wurde dies bestätigt. Die Volksabstimmung ist zugelassen.

Damit wird der Schweizer Parlamentsbeschluss auf die Probe gestellt. Denn von Seiten der Politik wurde gefordert, dass nur Schweizer Casinos ihre Produkte im Land anbieten dürfen. Ausländische Casinos mit Präsenz im Netz wären durch eine Netzsperre ausgeschlossen worden. Dieses Szenario kann noch immer zutreffen, wenn sich eine Mehrheit der Bürger für die Netzsperre entscheidet. Allerdings ist der Widerstand gegen die Zensur groß. Zu greifbar ist die Gefahr, dass andere Branchen auf den Zug aufspringen und ebenfalls von einer Netzsperre ausländischer Konkurrenten profitieren möchten. Übrigens war die Netzsperre in der Schweiz schon vor knapp einem Jahr erstmals im Gespräch. Über die angestrebte Abstimmung haben wir ebenfalls berichtet.

Contra Netzsperre: Die Bewegung gegen eine Sperrung diverser Online-Casinos hat sich schnell gebildet und die notwendigen Unterschriften gesammelt. Der Erhalt der Freiheit des Internets ist das stärkste Argument gegen die Netzsperre abzustimmen.

Warum ist eine Netzsperre überhaupt in Erwägung gezogen worden?

Die Netzsperre in der Schweiz ist umstritten (Bildquelle)

In der Schweiz leben über 8 Millionen Einwohner. Schätzungen zufolge sollen 75.000 Bürger spielsüchtig sein. Diesen steigenden Trend solle entgegengewirkt werden. Das Fazit der Regierung: Weniger Angebote im Netz sorgen für ein geringeres Spielaufkommen und minimieren damit ebenso die Gefahr der Spielsucht. Freilich könnten die Spieler allesamt zu Schweizer Anbietern wechseln und dort ihr Glück versuchen. Der große Pluspunkt bei dieser Betrachtung ist jedoch, dass dort eine stärkere Kontrolle der Schutzmechanismen durch die Politik vorgenommen werden kann. Schließlich wären nur noch Casinos im Web aktiv, die über eine Konzession aus der Schweiz verfügen.

Umgekehrt argumentiert der Widerstand gegen die Netzsperren jedoch, dass der Schutz der heimischen Casino-Anbieter im Vordergrund steht. Es wird angenommen, dass die Lobby im Schweizer Glücksspiel so stark ist, dass Einfluss auf die Politik genommen werden kann. Zudem bleibt es fraglich, ob die Ziele Spieler- und Jugendschutz mit einer Netzsperre zu erreichen sind. Denn eine solche Sperrung ausländischer Internetinhalte kann leicht umgangen werden. Dazu braucht es weder besonderer Kenntnisse, noch irgendwelche kostenpflichtigen Anschaffungen.

Pro Netzsperre: Besonders die Argumente Spieler- und Jugendschutz werden in den Mittelpunkt gerückt. Da eine Sperre gerade für die jüngere Generation leicht zu umgehen ist, wird die Wirksamkeit jedoch angezweifelt.

Weitere Hintergrundinformationen in Bezug auf die Netzsperre

Im Zusammenhang mit dem aktuellen Thema ist es von Interesse, ob es bereits Netzsperren in der Schweiz gibt. Gesetzlich ist eine solche Barriere noch nicht verankert. Dennoch haben sich die Provider dazu entschlossen, bestimmte Seiten aus eigenem Antrieb aus dem Verkehr zu ziehen. Es handelt sich hierbei um Homepages mit kinderpornographischen Inhalten. Obwohl dazu bislang keine gesetzliche Verpflichtung besteht, soll dies in Zukunft nachgeholt werden. Entsprechende Sperrlisten werden schon jetzt vom Bundesamt für Polizei (Fedpol) bereitgestellt. Außerdem können Netzsperren temporär gesetzt werden, wenn eine Homepage mit Schadsoftware befallen ist. Sollte über das Internet zur Gewalt aufgerufen werden, ist eine Netzsperre ebenfalls erlaubt.

Es gibt unterschiedliche Arten von Netzblockaden und sie alle können umgangen werden. Sollte eine DNS-Sperre eingerichtet werden, so reicht es die gewünschte Homepage über einen alternativen Server im Ausland anzusteuern. IP-Sperren erfordern hingegen eine VPC-Verbindung. Es handelt sich hierbei um ein virtuelles, privates Netzwerk, welches den Datenverkehr verbirgt. Erneut wird die Verbindung über einen externen Server umgeleitet. Diverse Browser bieten von Haus aus die Möglichkeit dazu. Es gilt lediglich die Funktion zu aktivieren. Zudem gibt es entsprechende Software zum Download, welche den gleichen Zweck erfüllt. Es ist daher kaum verwunderlich, dass die Wirksamkeit der Netzsperren bezweifelt wird.

Fazit Netzsperre: Wenn das Pro und Contra abgewogen wird, bleibt auf beiden Seiten Ernüchterung zurück. Die Befürworter müssten erkennen, dass eine Sperre keine wirksame Lösung ist. Die Gegner sehen die Blockade lediglich als Schikane an. Wichtiger wäre im Gesetz für Regeln zu sorgen, welche die heimische Wirtschaft begünstigen, eine Regulierung erlauben und für den Spieler- und Jugendschutz bei allen Anbietern in einem freien Internet sorgen.

Schweiz stimmt über Netzsperren im Online-Glücksspiel ab 300 250 2018-01-31 15:56:48 Online-Casino.de

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