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Sind Loot-Boxen in Computerspielen als Glücksspiel einzustufen?

Martin Hill, 29. November 2017, Recht & Gesetze

Verschwimmt die Linie zwischen Gaming und Glücksspiel? (Bildquelle)

Was sind Loot-Boxen? Es handelt sich um einen virtuellen Behälter, welcher Items (Gegenstände) enthält, mit welchem der eigene Charakter, das Auto oder sonst ein personalisierbares Objekt innerhalb eines Computerspiels aufgewertet werden kann. Allerdings sind in einer solchen Box meist diverse Gegenstände enthalten. Der Spieler bekommt jedoch immer nur ein Item und muss dafür zahlen. Da die Auswahl dem Zufall überlassen ist, steht jetzt zur Diskussion, ob es sich dabei um ein Glücksspiel handelt.

Prekär wird die Rechtslage besonders in Hinblick auf den Jugendschutz. Denn während bei Casinos und Spielhallen eine Altersabfrage stattfindet, sind viele Computerspiele insbesondere oder auch für Kinder und Jugendliche konzipiert. Brisant ist auch, dass sich die Behörden unterschiedlicher Länder nicht einig sind, wie die Loot-Boxen einzustufen sind.

Belgische Glücksspielaufsicht stuft Loot-Boxen als Glücksspiel ein

Diverse Video- und Computerspiele bereiten den Behörden aktuell Sorgen. Dieses Mal geht es jedoch nicht um Waffen, Gewalt und Terror, sondern um das Glücksspiel. Beispielhaft werden immer Overwatch und Star Wars: Battlefront II angeführt. Beides sind Spiele mit einer Altersfreigabe ab 16 bzw. 12 Jahren. Gleichwohl handelt es sich um Games, die mit einer virtuellen Box auftrumpfen. Der Inhalt kann bei bestimmten Gelegenheiten im Spiel gratis erhalten werden. Spieler erleben ein Glücksgefühl, wenn diese Hürde gemeistert ist. Dieses Gefühl kann sich auch über einen Kauf einstellen. Denn die Loot-Boxen sind über den spielinternen Shop gegen Bezahlung erhältlich. Soweit noch unproblematisch. Es handelt sich nach Auffassung der belgischen Glücksspielaufsicht jedoch um ein Glücksspiel, da der Kunde nicht selber bestimmen kann, welches Item aus der Kiste ihm zugeteilt wird.

Kommen die Behörden zu dem Schluss dass es sich um Glücksspiel handelt, wäre für den Vertrieb des Spiels eine Erlaubnis notwendig. Im Fall von Belgien müsste diese vom „Kansspelcommissie“ ausgestellt werden. Die betroffenen Spielehersteller und das sind einige, weisen die Vorwürfe bislang von sich. Für manche Unternehmen handelt es sich sogar um ein Geschäftsmodell. Spiele werden kostenlos feilgeboten. Die Finanzierung findet über die Ingame-Käufe statt. Electronic Arts und Blizzard haben dazu Stellung bezogen, dass die Boxen nur kosmetischen Einfluss auf das Spiel haben.  Da Spieler die Boxen auch ohne Geldeinsatz im Spiel erhalten können und weil das Loot keinen Einfluss auf das Spielerlebnis hat, sehen die Hersteller darin kein Glücksspiel

Die Glücksspielaufsicht in Belgien hat eine andere Auffassung. Es wird Geld ausgegeben. Und es besteht Suchtgefahr. Beide Faktoren sind auch für ein Glücksspiel maßgeblich. Auch der Faktor Zufall, das unbekannte Equipment einer Box, kommt hinzu. Die Diskussion hat inzwischen richtig Fahrt aufgenommen. Großbritannien hat seine eigene Auffassung bereits kundgetan. Frankreich überlegt ebenfalls, wie mit den Loot-Boxen verfahren werden soll. Belgien hat bereits eine Entscheidung gefällt.

Belgien möchte EU einbeziehen: Der Justizminister Koen Geens verweist auf die Schutzbedürftigkeit von Minderjährigen. Denn genannte Computerspiele sind häufig schon ab 12 Jahren freigegeben. Er hält die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen für gefährdet. Daher tritt Belgien über die EU für ein europaweites Verbot

Britische Glücksspielkommission sieht in Loot-Boxen kein Glücksspiel

Kinder sind von Computerspielen fasziniert (Bildquelle)

In Belgien tendieren die Behörden hin zu einer Lizenz für Computerspiele mit Loot-Boxen. Sollte sich diese Meinung durchsetzen, müssten die Hersteller Einschränkungen bei ihren Spielen fürchten. Auch Geldstrafen sind denkbar. Allerdings teilen nicht alle Länder die Auffassung, wonach Loot-Boxen als Glücksspiel einzustufen sind. Die britische Glücksspielaufsicht hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet. Als Beispiels wird das Computerspiel Star Wars: Battlefront angeführt. Tim Miller von der Gambling Commission in Großbritannien äußert sich in diesem Sinne zur Definition vom Glücksspiel. Dazu müsste der Spieler Geld erhalten oder einen Gegenstand, der einen echten Geldwert vorweisen kann. Da die Gegenstände der Loot-Boxen jedoch nur einen Wert auf das besagte Computerspiel haben, abseits davon jedoch nicht, ist für ihn die Glücksspiel-Definition nicht erfüllt.

Auch Großbritannien verschreibt sich hierbei explizit dem Jugendschutz. Im Jahr 2016 wurden die Loot-Boxen bereits untersucht und auf Risikofaktoren hin bewertet. Eine entsprechende Regelung zu eSports wurde bereits ausgearbeitet. Weiterhin wurden Glücksspiele via FutGalaxy verboten. Allerdings konnte dort das virtuelle Guthaben problemlos in Echtgeld getauscht werden. Damit traf der Glücksspiel-Begriff, im Gegensatz zu den Loot-Boxen, zu. Selbst Experten äußern sich kritisch zu InGame-Käufen und noch kritischer zum Pay2Win-System. Nähere Informationen gibt es bei der Gamestar.

Briten erlauben Loot-Boxen weiterhin: In Großbritannien gibt es aktuell kein Vorhaben, die Boxen in Computerspielen zu unterbinden. Den Behörden fehlt die Rechtsgrundlage zum Handeln. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass über eine Anpassung der entsprechenden Ausarbeitungen nachgedacht wird, sofern der Jugend eine Gefährdung attestiert wird.

Über Spieler, besorgte Eltern und Experten

Jedem Computerspiel wird eine Altersempfehlung von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ausgestellt. Ob dort auf den Faktor Glücksspiel geprüft wird oder ob Gewalt und nackte Haut im Fokus der Betrachtung steht, ist uns nicht bekannt. Eltern und Experten sind wegen der Thematik gleichermaßen besorgt. Ob die Spielehersteller ihr Konzept in Zukunft überarbeiten müssen oder ob entsprechende Spiele eine Altersfreigabe ab 18 erhalten sollten, bleibt bislang offen. Einig sind sich alle Parteien jedoch in einer Sache: Jugendschutz hat Vorrang.

Über die Verbindung vom Computerspielen und Glücksspiel gab es Anfang des Jahres schon eine Diskussion, wenngleich die Loot-Boxen hier weniger im Fokus standen.

Sind Loot-Boxen in Computerspielen als Glücksspiel einzustufen? 300 250 2017-11-29 15:44:55 Online-Casino.de

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