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Spielautomatenbranche fordert gleiche Spielregeln für Alle!

Christian Webber, 27. September 2019, Recht & Gesetze

Spielautomaten im Abseits / Shutterstock.com

Die deutsche Automatenwirtschaft vertritt die Branche. Dies gilt freilich ebenso für die Ausarbeitung zum neuen Glücksspielstaatsvertrag. Derzeit beraten die Ministerpräsidenten der Länder über eine Neuordnung des Glücksspiels. Tatsächlich wurde in den vergangenen Wochen und Monaten viel über Sportwetten, Online-Casinos und das Lottomonopol gesprochen. Jetzt fühlt sich die Automatenbranche zurückgesetzt. Georg Stecker ist Vorstand des Gewerbes. Er vertritt folgende Meinung: „Wir brauchen den großen Wurf und gleiche Spielregeln für alle. Diese Neuordnung darf sich nicht nur auf einzelne Teilbereiche des Glücksspiels, wie Sportwetten oder das Online-Spiel, beschränken.“

Die Spielhallen machen einen großen Teil der Einnahmen aus Glücksspiel in Deutschland aus. Linken-Politiker Niema Movassat sprach erst kürzlich davon, dass „vor allem die Geldspielautomaten zwei Drittel des Umsatzes des legalen Glücksspielmarktes erwirtschaften“. Dies ist bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung nachzulesen. Gegenüber der FAZ äußerte sich hingegen die deutsche Automatenwirtschaft. Thema ist die scheinbare Nichtbeachtung bei der Neuorientierung im Glücksspiel.

Wird bei den Automatenspielen mit zweierlei Maß gemessen?

Sportwetten, Lotto und Online-Casinos – bezüglich des neuen Glücksspielstaatsvertrages, der Mitte des Jahres 2021 greifen soll, gibt es derzeit viel zu tun. Doch wo bleiben die Geldspielautomaten? Finden diese in der Überarbeitung tatsächlich keine Berücksichtigung? Derzeit scheint es so. Doch damit würde ein gewichtiger Zweig der Regulierung ausgeblendet. Immerhin steht in der deutschen Automatenbranche ein Umsatz von knapp 6 Milliarden Euro niedergeschrieben. Warum also lässt die Politik diesen Zweig weitestgehend unbeachtet? Zeitmangel könnte ein Argument sein. Bislang waren die Automaten gesondert geregelt. Und bei den anderen Glücksspielen gibt es genügend offene Fragen, die schnellstmöglich zu klären sind. Allerdings hat hinsichtlich der Spielhallen in der jüngeren Vergangenheit die Landesgesetzgebung schon Vorgaben gemacht.

Mindestabstandsregelungen zu anderen Spielhallen und Jugendeinrichtungen, eine Begrenzung der Automaten und ein Verbot von mehreren Hallen an einem Standort waren die Folge. Doch ist diese Behandlung wirklich fair? Stecker spricht eine unbequeme Wahrheit aus: „Es macht keinen Sinn, wenn Spielhallen nach Abstand reguliert werden, während online an jedem Ort gespielt werden kann.“ Dennoch sehen viele Städte die Spieletablissements lieber verschwinden. Derzeit müssen Betriebe z. B. 500 Meter auseinander liegen. Und sie dürfen auch jeweils nur zwölf Automaten beherbergen. Umgekehrt bemängelt Stecker, dass die „Café-Casinos“, die mehr eine Scheingastronomie darstellen und die illegalen Angebote im Web außerordentlich gut laufen. Dahingegen werden den legalen Spielhallen Stolpersteine vor die Füße geworfen.

Glücksspiel ist Ländersache: Daher gelten für die Spielhallen beim Mindestabstand zum Beispiel unterschiedliche Maßstäbe. Eine einheitliche gesetzliche Regelung durch den Bund scheint aktuell nicht geplant.

Spielautomatenbranche rechnet mit zweistelligem Umsatzrückgang

Haben Online-Casinos es leichter? (Bildquelle)

Online darf weiterhin gespielt werden. Offline gelten hingegen striktere Regeln. So kam es erst kürzlich zur Einführung einer neuen Richtlinie auf technischer Basis. Ziel ist eine Entschleunigung. Tatsächlich ist in der Bundesrepublik Deutschland von einer halben Millionen Spielsüchtigen die Rede. Die Anzahl der Problemspieler ist jedoch eine Grauzone. Tatsächlich wurde die „7. Verordnung zur Änderung der Spielverordnung“ schon im Jahr 2014 erlassen. Nach einer Übergangsfrist, die am 10. November 2018 endete, gelten jetzt neue Regeln. Daher rechnet die deutsche Automatenindustrie mit einem Umsatzrückgang im zweistelligen Prozentbereich – das sind mindestens zehn Prozent.

Doch wie genau wirkt sich die Richtlinie 5.0 aus? Wenn ein Spieler vor dem Automaten sitzt, darf dieser pro Stunde nur nach ein Maximum von 60 Euro verlieren. Dies ist ein Rückgang von 25 Prozent. Denn vormals waren es 80 Euro die Stunde. Auch gab es Änderungen beim maximal möglichen Gewinn. Dieser betrug vorher 500 und ist jetzt auf 400 Euro reduziert. Das automatisierte Spiel, welches online noch immer Gang und Gäbe ist, wurde eingestampft. Außerdem muss eine Runde am Slot jetzt zumindest fünf Sekunden andauern. Wenn über eine Stunde gespielt wurde, so pausiert der Automat automatisch fünf Minuten lang. Sind drei Stunden verstrichen, leert sich sogar der Speicher. Letztlich ist es ebenfalls nötig, den Einsatz des Spielers mit Euro und Cent und nicht mit Punkten auf dem Bildschirm darzustellen.

Spielerschutz nicht gewährleistet: Zumindest Mitarbeiter des Ordnungsamtes Hannover sehen die neuen Vorgaben kritisch. Denn dadurch würde zwar das Spielgeschehen umgedeutet, ein aktiver Schutz der Spieler stellt sich jedoch nicht ein.

Verringern die Änderungen in der Automatenbranche den Spieltrieb?

Abstandsregelungen, neue Vorgaben technischer Hinsicht für die Spielgeräte und die von Städten geplante Verringerung der Spielhallen soll einige Kunden abschrecken. Oder sie erst gar nicht auf das Angebot aufmerksam machen. Bleibt die Frage, ob die Spieler einfach verschwinden, wenn ihnen das Spielen nicht mehr möglich ist oder ihnen die Vorgaben zu streng sind. Schlussendlich steht ihnen eine Alternative offen: Die Abwanderung ins Online-Casino.

Dort gibt es aktuell keine Beschränkung des Einsatzes. Beziehungsweise hat jeder Spielautomat seine eigene Schranke gesetzt. Diese besteht in Abhängigkeit zum Entwickler und dem gewählten Casino. Weiterhin findet das automatische Spiel online noch statt. Pausen müssen nicht eingehalten werden. Es ist dem Spieler selbst überlassen, ob er sich Grenzen setzen möchte. Natürlich ist das Risiko entsprechend höher. Doch ist es nicht eventuell sogar so, dass die strikteren Regeln – welche auch von der deutschen Automatenwirtschaft kritisiert werden – die Kunden eher in das weniger reglementierte Online-Geschäft treibt. Und dass zumindest sollte ein Argument sein, die Online-Casinos und das Offline-Automatenspiel im selben Gesetz zu berücksichtigen.

Spielautomatenbranche fordert gleiche Spielregeln für Alle! 1200 1000 2019-09-27 09:26:28 Online-Casino.de

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