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Sportwetten: Überwiegt die Werbe-Offensive den Spielerschutz?

Martin Hill, 6. April 2018, Sport & Spiel

Sportwetten Tipps und Wettquoten finden (Bildquelle)

Werbung für Sportwetten gehört zum täglichen Fußballgenuss, wie der Sauerstoff zum Atmen. Es scheint einfach nötig. Schon vor Beginn eines Fußballspiels beim Bezahlsender Sky, sind in der Regel mindestens drei unterschiedliche Spots von Online-Buchmachern zu sehen. Und auch während der Partie bleiben die Zuschauer nicht verschont. Egal ob an der Werbebande oder auf dem Trikot der Spieler, Sportwetten sind im Fußball überall und zu jeder Zeit präsent. Als zahlungsstarke Partner sind die Buchmacher gefragt. Aber wie sieht es im Gegenzug mit entsprechenden Schutzmaßnahmen aus?

Welche Parteien sind im Milliarden-Markt Fußball besonders Schutzbedürftig? Einerseits stehen natürlich die Fans und hier insbesondere die Jugend im Fokus. Denn es wird der Eindruck vermittelt, dass der Geldeinsatz auf Sportwetten etwas ganz natürliches ist. Dabei kann sich dieses Vergnügen gar nicht jeder leisten. Schiedsrichter, Spieler und der Sport selber sind natürlich ebenso schutzbedürftig.

Spielerschutz bei Sportwetten: Bricht die Deutsche Fußball Liga ein Tabu?

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat seit Januar eine Partnerschaft mit Tipico geschlossen. Der Wettanbieter darf folglich mit dem Logo der DFL Werbung treiben. Dies gilt den Sportwetten weiterhin den Anschein, im Fußball ganz normal zu sein. Zu diesem Bild tragen die Vereine selber ebenso bei. Denn von den 18 Bundesligisten der Saison 17/18 haben 13 Vereine einen Buchmacher als Partner eingetragen. Von den verbliebenen fünf Clubs, greifen wiederum vier Stück auf Partner aus dem Glücksspiel (Lotto) zurück. Besonders die offizielle Partnerschaft zwischen Tipico und der DFL wird von Transparency International Deutschland, einer Antikorruptionsgesellschaft, stark kritisiert:

„Solch ein Sponsorign zu betreiben, ohne Maßnahmen zur Bekämpfung von Spielmanipulationen auszuweiten und offensiv auf die Gefahren der Spielsucht – gerade auch für junge Fußballer – hinzuweisen, steht der von der DFL immer wieder betonten Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung entgegen“, so Sylvia Schenk (Leiterin Abteilungsgruppe Sport/Transparency Deutschland). In diesem Sinne ist zu hinterfragen, wie sehr das Geld bereits im Fokus steht. Denn die Sportwetten sind ein Milliarden-Geschäft. Weltweit, so schätzt zumindest Sportradar die Entwicklung ein, von einem Jahreswachstum von 1,5 Billionen Euro aus. Überraschend ist vielleicht, dass 70 Prozent der Wetten in Asien platziert werden. Fußball steht dennoch mit 60 Prozent an der Spitze beim Wetten.

Ex-Fußballer und Werbebotschafter: Oliver Kahn wirbt für Tipico. Aber auch Lukas Podolski (X-Tip) oder Mario Basler (Betsson) haben bereits für Buchmacher im Internet geworben.

Spielmanipulationen und Sportwetten-Werbung: Ein Zusammenhang?

Geld regiert die Fußball-Welt! (Bildquelle)

Der Name Robert Hoyzer ist in Deutschland, selber 13 Jahre nach dem Sportwetten-Betrug im deutschen Profi-Fußball noch fast jedem Fußball-Fan bekannt. Inzwischen ist in der Bundesrepublik jedoch keine Rede mehr von verschobenen Spielen. Greifen die getroffenen Maßnahmen oder macht die Vielzahl der Wettanbieter das Verschieben dermaßen undurchsichtig, dass es nicht erkannt wird? Zunächst einmal ist Sportradar die übergeordnete Stelle für Aufklärung zum Wettbetrug. Die Organisation arbeitet nicht nur mit der DFL und der FIFA zusammen, sondern mit über 70 Verbänden und Ligen. Dabei werden über 350.000 Partien jährlich überwacht.

Dennoch sagt Geschäftsführer Andreas Krannich: „Die Gefahr des Wettbetrugs hat definitiv zugenommen.“ Dies führt der Experte auf die vielen unterschiedlichen Wettmöglichkeiten zurück. Die Anzahl der „stark manipulationsverdächtigen Spiele“ seit dem Jahr 2009 wird auf 3.500 beziffert. Allerdings bezeichnet Krannich diese Zahl als „Untergrenze“. Denn bei jedem Spiel mit Manipulationsverdacht wird zunächst hinterfragt, warum diese Partien eben nicht manipuliert worden sein könnte. Dennoch ist im Zuge der Ermittlungen in Bochum bekannt geworden, dass internationale Banden Spiele der 2. Bundesliga und sogar innerhalb der Champions und Europa League verschoben wurden. Spieler aus Deutschland wurden sogar gesperrt.

Wettbetrug in Deutschland: Die Experten von Sportradar wagen kaum eine Prognose, ob in Deutschland noch Spiele manipuliert werden. In diversen Ländern hat sich jedoch ein Trend gezeigt, dass die Manipulation und der Missbrauch von Sportwetten in die unterklassigen Ligen abgewandert sind.

Wettanbieter machen Werbung: Ein positives Signal?

Umgekehrt sehen es einige Experten als richtigen Weg an, dass Sportwettenanbieter bei den Bundesligisten und sogar für die DFL werben. Erneut meldet sich Krannich von Sportradar zu Wort: „Alles, was das Sportwetten in einen legalen und insbesondere sichtbaren Kontext bringt, verhindert beziehungsweise erschwert Manipulationen.“ Diesbezüglich spricht Krannich ebenfalls über das angestrebte Verbot von Livewetten oder der gesamten Wetten und tut diese Idee als „Mumpitz“ ab. Denn nicht zuletzt ist es die Prohibition, welche die Kunden in die Illegalität treiben würde.

Auch die DFL ist nicht untätig. Es wird darauf hingewiesen, dass den Bundesligisten im Jugendbereich bereits eine Prävention vor Spielmanipulationen auferlegt ist. Weiterhin gilt es bis Januar 2019 einen Nachweis zu erbringen, dass auch die Profispieler der Clubs dementsprechend geschult werden. Denn neben den Schiedsrichtern, die im Vergleich zu den Fußballern weniger verdienen, sind insbesondere junge Spieler gegenüber moralischen Verfehlungen gefährdet. Und schon ein Fußballer könnte mit einer roten Karte oder einem Eigentor jeder Partie die von den Manipulatoren gewünschte Richtung geben.

Fakt: Auf ein Bundesligaspiel werden im Durchschnitt 70 Millionen Euro gesetzt. Selbst eine Partie der 2. Bundesliga ist in diesem Sinne noch mit mehr als 20 Millionen Euro Wetteinsatz dabei.

Sportwetten: Überwiegt die Werbe-Offensive den Spielerschutz? 1200 1000 2018-04-06 11:40:26 Online-Casino.de

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