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Staatliches Glücksspiel in Deutschland auf dem Vormarsch

Dieter Maroshi, 5. Januar 2022, Wirtschaft

Künftig gibt es Roulette bei Lotto Baden-Württemberg (Bildquelle)

Beim Stichwort „staatliches Glücksspiel“ denken in Deutschland die meisten Menschen sofort an Lotto. Doch die Kompetenzen der Lottogesellschaften der Länder können sich in den kommenden Wochen und Monaten gehörig erweitern. Denn der Glücksspielmarkt in der Bundesrepublik durchläuft aktuell eine Liberalisierung. Derzeit sieht es allerdings noch nicht danach aus. Denn Tischspiele, wie Roulette oder Blackjack, sind bei den vermeintlich seriösen Anbietern von der Bildfläche verschwunden. „Vermeintlich seriös“? Ja, denn eine offizielle Lizenzierung lässt ebenfalls noch auf sich warten. Bei der neu gegründeten, aber noch nicht vollständig einsatzbereiten, Glücksspielbehörde in Halle kommt es diesbezüglich zu Verzögerungen.

Dennoch zeichnet sich ein Trend ab. Baden-Württembergs Lotto-Gesellschaft geht in die Offensive. Denn das Spektrum an Glücksspielen soll erweitert werden. Neben dem klassischen Lotto sollen demnächst Sofortlotterien aufgenommen werden. Ebenso ist virtuelles Automatenspiel geplant. Zuletzt folgt dann noch ein Angebot an Online-Casinospielen. Diese umfassend dann auch Roulette, Blackjack, Baccarat und Co. Überdies wird nur ein Teil des Angebots auf Baden-Württemberg zugeschnitten sein. Andere Spielangebote richten sich an Besucher aus ganz Deutschland. Viele Roulette-Fans wird es freuen. Warten Spieler doch schon seit Monaten auf eine legale Gelegenheit für das Spiel mit Kugel und Kessel. Doch worauf warten die staatlichen Anbieter eigentlich noch?

So erweitern staatliche Lottogesellschaften ihr Produktspektrum

Eigentlich ist es ganz einfach. Lotto dürfen die Lottogesellschaften der Länder seit jeher anbieten. Daher sollte es mit den sonst bei den Online-Casinos beheimateten Sofortlotterien kein größeres Problem geben. Die Liberalisierung des Marktes hilft hierbei. Doch soll das Produktspektrum weiter ausgedehnt werden. Virtuelle Automatenspiele sind bislang den physischen Spielhallen und den Internet-Spielbanken vorbehalten. Doch kann sich inzwischen jeder für eine Konzession bewerben. Private Anbieter dürfen Automaten feilbieten. Doch die staatlichen Lotteriegesellschaften dürfen es ebenfalls. Und Lotto Baden-Württemberg hat allem Anschein nach genau diese Pläne. Ein entsprechender Zulassungsantrag ist laut Geschäftsführer Georg Wacker schon gestellt. Dass verriet er gegenüber der Badischen Zeitung. Dem Vernehmen nach soll es jetzt sehr schnell gehen. Für die Casino-Spiele (Roulette, Blackjack, etc.) braucht es jedoch noch die Novellierung des Glücksspielgesetzes des Landes Baden-Württembergs.

Wacker äußerte sich dazu: „Dann hoffen wir, dass wir auch damit im Frühjahr an den Start gehen können.“ Meteorologisch beginnt das Frühjahr am 1. März und endet am 31. Mai. Zwar scheint so langsam Bewegung in die Sache zu kommen, doch eigentlich geht es nur im Schneckentempo voran. Denn die Neuauflage des Glücksspielstaatsvertrages gilt bereits seit 1. Juli 2021. Fakt ist, dass die Behörde in Sachsen-Anhalt für die Zulassung zuständig ist. Genau dort scheint derzeit das Nadelöhr zu liegen. Das Ziel scheint zu sein, dass das staatliche Glücksspiel die Angebote aus dem Schwarzmarkt trockenlegt. Deshalb soll es möglichst ein umfassendes Spielerlebnis bieten. Für Casino-Spiele können Bundesländer allem Anschein nach ein Monopol vergeben. Bislang liegen uns nur wenige Informationen vor, wie die Bundesländer mit diesem Recht umgehen. Eventuell kehren Casino-Spiele in einigen Bundesländern auch zu privaten Anbietern zurück.

Poker hat eine Sonderrolle: Georg Wacker machte deutlich, dass die baden-württembergische Lottogesellschaft virtuelles Automatenspiel, Sofortlotterien und Casino-Spiele zusätzlich zum klassischen Lotto anbieten werde. Poker ist jedoch vorerst nicht geplant.

Lassen sich Sicherheit und Spielerschutz beim staatlichen Glücksspiel erreichen?

Länder entscheiden über Casino-Spiele / Shutterstock.com

Da der Staat das Glücksspiel nicht runderneuert hat, um selber Gewinne einzustreichen, sondern wegen des Spieler- und Jugendschutzes, müssen sich die geschaffenen Regeln daran messen lassen. Private Anbieter werden nicht verboten. Sie werden den gleichen Aufsichtsregeln unterliegen, wie die staatlichen Anbieter. Lediglich bei den Casino-Spielen (Roulette, Blackjack und Baccarat) ist noch offen, wie sich die Spiel-Landschaft innerhalb Deutschlands künftig gestaltet. Dennoch will Lotto Baden-Württemberg den privaten Anbietern, die schon viel länger auf dem Markt sind, Konkurrenz machen. Virtuelle Automatenspiele werden künftig deutschlandweit angeboten. Damit dies erlaubt ist, muss sich Lotto-BW an die gemeinsame Glücksspielbehörde in Halle anschließen. „Ganz oben wird der Spielerschutz stehen“, ist sich Georg Wacker in Bezug auf die neue Behörde sicher.

Diesbezüglich verweist Wacker auf die Prüfung der Bonität und Identität der Spieler. So soll gewährleistet werden, dass die Kunden nicht über ihren Verhältnissen spielen. Ebenso komme ein Spiel- und Einsatzlimit zur Anwendung. Bei der Einzahlung soll eine Einschränkung von 1.000 Euro im Monat gelten. Spielerschützer kritisieren jedoch, dass dieser Betrag für den Durchschnittsbürger bereits zu großzügig angesetzt ist. Lotto Baden-Württemberg wird künftig für jedes Spiel eine Box mit Zusatzinformationen bereitstellen. Darin sind der Einsatz und auch die Gewinnwahrscheinlichkeit aufgeführt. 2021 gab es bei Lotto-BW Spieleinsätze in Höhe von 1,073 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2020 (damals 1,08 Milliarden Euro) ist das ein leichter Rückschritt. Dennoch ist sich Georg Wacker sicher, dass Lotto das Kerngeschäft bleibt. Er sieht die neuen Produkte (virtuelle Automatenspiele, Sofortlotterien und Casino-Spiele) zwar als rentables Geschäft an, glaubt aber, dass die Kunden weiterhin vermehrt bei privaten Anbietern spielen werden.

Langfristiges Denken: Lotto-BW will mit den Neuerungen unbedingt auch ein jüngeres Publikum ansprechen. In der Vergangenheit ging die Zahl der Lottospieler zurück. Wenn auf dem gleichen Portal andere Spieler aus jüngeren Schichten hinzukommen, lässt sich dieser Rückgang auffangen.

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