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Suchtexperten kritisieren Marktöffnung fürs online Glücksspiel

Besser Spielsucht vorbeugen, als nachsorgen. (Bildquelle)

Glücksspiel im World Wide Web ist jetzt schon ein Geschäft mit Hochkonjunktur. Und das Limit soll noch nicht erreicht sein. Der Aufschwung der Casino-Aktien bestätigt diesen Trend. Wo das Online-Spielen mit den Automaten, am virtuellen Roulette-, Blackjack- oder Poker-Tisch beliebter ist als jemals zuvor, warnen Experten der Spielsucht vor einer Abhängigkeit. Seit Jahren wird für den Schutz der Spieler bekämpft und jetzt zeichnet sich eine Liberalisierung des Marktes an. Ein Rückschritt?

Der Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB) hat zum Dialog geladen. Die LOTTO-Über-Kreuz-Gespräche boten ein gesellschaftspolitisches Forum zum Thema Glücksspiel. 50 Gäste haben sich zur Debatte eingefunden und die Diskussion verfolgt. Darunter Vertreter aus der Politik, vom Verbraucherschutz und Verbänden.

Lotto-Über-Kreuz: Die Redner bei der Diskussion um die Spielsucht

Die Gesprächsführung übernahmen Dr. Jens Kalke vom Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung aus Hamburg, Kerstin Jüngling von der Fachstelle Suchtprävention der Universität Hamburg, Professor Dr. Eva Quante-Brandt als Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz in Bremen, sowie für die Moderation Ute Welty und Torsten Meinberg vom DLTB. Eben diese Personen sind auf dem abgebildeten Foto unten von links nach rechts zu sehen. Der aktuelle Vorschlag zur Überarbeitung des Glücksspielstaatsvertrages öffnet die Tür für Sportwettenanbieter ein Stück weiter, klammert Casino-Unternehmen aber weiterhin aus. Einige Bundesländer haben angekündigt einen minimalinvasiven Eingriff in das Gesetz nicht mitzutragen. Auch die EU fordert umfassende Änderungen in Bezug auf die Dienstleistungsfreiheit. Während die Öffnung des Marktes den einen nicht schnell genug vonstattengehen kann, warnen die anderen vor den Folgen in Hinsicht des Spielverhaltens.

Schon jetzt können Spieler problemlos online am Automaten spielen. Die Tischspiele Roulette, Blackjack, sowie Sportwetten stehen bei diversen Anbietern offen. Glücksspiel im Internet ist praktisch frei zugänglich, wenngleich es zum Teil in einer gesetzlichen Grauzone liegt.

Deutscher Lotto- und Toto-Block (DLTB) in der Diskussion mit Suchtexperten – Bildquelle: „obs/Deutscher Lotto- und Totoblock (DLTB)/offenblen.de“

Diese Statistiken bringen Spielsuchtexperten ins Feld

Der Kampf gegen die Spielsucht soll mit Fakten untermauert werden. Es ist bekannt, dass das Online-Glücksspiel mit einem Wachstum von 15 Prozent zu den am stärksten ansteigenden Märkten in ganz Europa zählt. Die in Deutschland aktiven Konzerne operieren vom Ausland aus. Dieses Vorgehen ist nicht legal, wird aber geduldet. 450.000 Personen seien deutschlandweit bereits von einer Spielsucht betroffen. Weitere 350.000 Menschen sind gefährdet. Kerstin Jüngling sieht die Jugendlichen derzeit als besonders gefährdet an. Sie mahnt die Sozialen Netzwerke an, wo Gratisspiele aus dem Bereich Glücksspiel zur Verfügung stehen. Diese haben in ihrem Algorithmus eine zu hohe Gewinnwahrscheinlichkeit verankert. Daraus festigt sich ein Glücksgefühl bei den Teenagern im Kopf. Viele glauben, auch dauerhaft mit Casino-Spielen, beim Pokern oder mit Sportwetten Erfolge einfahren zu können. Der Zukunftstraum: Profispieler. Und das nicht selten mit verheerenden Folgen. Diesbezüglich hat sich Dr. Jens Kalke geäußert.

„Kontrolle im Glücksspiel ist eine Illusion. Spieler glauben Vorgänge kontrollieren zu können, die nachweislich nicht beeinflussbar sind. Diese Kontroll-Illusion wird von einigen Sportwetten-Anbietern durch Werbung mit prominenten Fußballstars gefördert.“

Forderungen der Suchtexperten für den Glücksspielmarkt in Deutschland

Änderungen am Glücksspielstaatsvertrag sind nötig. Die geplante Modifikation stößt in Schleswig-Holstein jedoch auf Gegenwind. Großer Kritikpunkt ist die leichte Zugänglichkeit im Internet, auch von Kindern und Jugendlichen. Dr. Jens Kalke macht sich für einen erhöhten Spielerschutz der jungen Zielgruppe im Internet stark und prangert die geplante Liberalisierung an. Er vermerkt, dass das Spieleangebot online an 24 Stunden am Tag präsent ist, während die soziale Kontrolle der gefährdeten Gruppen nicht über diese Dauer aufrechtzuerhalten ist. In Verbindung mit dem Genuss von Alkohol, was ebenfalls nicht zu prüfen ist oder auch mit dem bargeldlosen Bezahlsystem, verlieren die Spieler den Überblick. Dabei hat die Diskussion das Glücksspiel nicht ausschließlich schlecht gemacht. „Glücksspiel macht Freude, wenn die Risiken und Gefahren überschaubar sind“, führte Torsten Meinberg vom DLTB an und führte weiter aus: „Die staatlichen Lotteriegesellschaften haben den Auftrag, die Spielfreude zu kanalisieren und den Spielerschutz durchzusetzen. Wir wollen nicht, dass Deutschland zu einer Zocker-Republik verkommt.“ Professor Eva Quante-Brandt von der SPD führt an, dass beim Glücksspiel viele Interessen aufeinanderprallen. Die Glücksspiel-Lobby ist stark und kämpft verbissen um ihre Wirtschaftskraft. „Deutschland ist ein großer Markt und es geht um viel Geld“ bringt es Quante-Brandt auf den Punkt.

Im Herbst 2016 einigten sich die Ministerpräsidenten der Bundesländer in einem Treffen auf Änderungen am Glücksspielstaatsvertrag. Die Jamaika-Koalition aus Schleswig-Holstein hat sich inzwischen von der Vereinbarung gelöst. Eine Ratifizierung von dieser Seite ist unwahrscheinlich. Daher muss voraussichtlich nochmals neu verhandelt werden.

Zukunftspläne: Suchtexperten regen Modellversuch an

Jens Kalke spricht offen: „Wo die Politik versagt, gewinnen die Lobbyisten. Und wenn wissenschaftliche Erkenntnisse zur Spielsucht ignoriert werden, steigen die Gefahren für die Spieler – und für die Gesellschaft, die mit den Suchtfolgen klarkommen muss.“ Er fordert daher eine wissenschaftliche Begleitung in Form von Modellversuchen. Dadurch könnte die Politik empirische Daten zur Spielsucht sammeln. Der Appell der Suchtexperten ist einhellig: Es gilt eine politische Lösung auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu suchen. Gleichwohl sind sich die Suchtexperten bewusst, dass die Meinung von Fachleuten bei der politischen Diskussion unabdingbar ist. Beide Lager sind aktuell nicht zufrieden. Den einen geht die Liberalisierung nicht weit genug, die anderen fordern einen stärkeren Schutz der Jugend und Spieler im Allgemeinen.

Suchtexperten kritisieren Marktöffnung fürs online Glücksspiel 300 250 2017-07-21 16:31:28 Online-Casino.de

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