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Verschwindet Fußball mit der Glücksspiel-Werbung aus dem TV?

Sabina Kugler, 11. März 2019, Wirtschaft

Sportwetten sind scheinbar überall gefragt! (Bildquelle)

Eine schlechte Nachricht für deutsche Fußball-Fans: Wie inzwischen bekannt sein dürfte, ist Werbung für Glücksspiele bisweilen verboten. Dies gilt insbesondere dann, wenn die entsprechenden Unternehmen auf ihren Homepages ebenfalls Casino-Spiele feilbieten. Denn diese sind laut Deutschem Gesetz hier gar nicht zu betreiben. Schauen wir jedoch zu Tipico und bwin, den beiden größten Werbern aus dieser Branche im TV, so entdecken wir doch Spielautomaten, Roulette, Blackjack und Co. Diese Angebote sind mit nur einem Klick über die Seite der Sportwetten zu erreichen. Wird den Fernsehsendern die Ausstrahlung des Fußballs künftig verboten, wenn auf den Trikots oder Banden Werbung für Glücksspiele zu sehen ist?

Erst kürzlich haben wir vom Werbeverbot der TV- und Radio-Sender hinsichtlich der Online-Casinos berichtet. Hier haben die Landesmedienanstalten, indem sie einen Brief an die Sender verschickt haben, Druck gemacht. Scheinbar haben sich die Verantwortlichen abgesprochen. Dieses Mal hat die Glücksspielaufsicht der Länder ein Schreiben verfasst und direkt an den Deutschen Fußballbund (DFB) gesandt.

Drohung an den DFB! Machen die Aufsichtsbehörden ernst?

Die Tagesschau titelt offensiv: „Aufsichtsbehörden drohen dem DFB“. Tatsächlich entbrennt aktuell eine Debatte, bei der es um Millionen Euro geht. Wer seinen Blick über die Fußball-Landschaft schweifen lässt, der erkannt das Dilemma. Allein innerhalb der beiden Bundesligen und der 3. Liga findet sich bei fast allen 56 Clubs ein Glücksspielanbieter auf der Brust, dem Ärmel oder zumindest auf den Banden im Stadion. Und es geht noch weiter. Der DFB hat erst kürzlich eine Partnerschaft mit bwin geschlossen. Bestandteil des Deals ist eine Werbung für die deutsche Nationalmannschaft. Wo liegt das Problem? Während Sportwetten weitestgehend toleriert werden, gesetzlich gibt es für die Werbung sogar eine Ausnahmeregelung, sind die Casino-Spiele definitiv untersagt. Nun bieten die genannten Anbieter auf ihren Homepages jedoch fast immer auch eine Casino-Sparte an. Indirekt wird also mit der Werbung für Sportwetten, ebenso die virtuelle Spielbank beworben.

Immerhin lesen potentielle Kunden auf den Trikots nur den Namen der Marke und nicht das dahinterstehende Angebot. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Interessenten über die Homepage auf die Casino-Sparte aufmerksam werden. Von Seiten des baden-württembergischen Innenministeriums, welches den Brief in Abstimmung mit den anderen Bundesländern verfasst hat, heißt es, dass „die einschlägige Rechtsprechung keinen Raum für Zweifel an der Rechtswidrigkeit entsprechender Angebote“ lässt. Weiterhin heißt es im besagten Brief: „Werbung für unerlaubte Glücksspiele ist verboten […]. Die Glücksspielaufsichtsbehörden haben darauf hinzuwirken, dass unerlaubtes Glücksspiel und die Werbung hierfür unterbleibt.“ Bei einer weiteren Werbeoffensive des DFB mit bwin, könnte die Ausstrahlung der Werbung untersagt werden.

Interessenkonflikt zwischen Zielgruppe und Jugendschutz: Natürlich schauen viele Kinder und Jugendliche Fußball. Diese können von entsprechender Werbung für Glücksspielangebote früh beeinflusst werden. Umgekehrt ist die Branche der Sportwetten mit dem Fußball verknüpft, was ein Werben für die Unternehmen attraktiv macht.

Glücksspiel-Werbung vs. Fußball-Ausstrahlung: Was muss weichen?

Fußball, Werbung und das Sport-Sponsoring (Bildquelle)

Eines sollte ganz deutlich herausgestellt werden: Die Werbung für Sportwetten ist nicht das Problem. Denn für diese Branche ist eine Testphase geplant, wo Lizenzen vorläufig ohne Begrenzung der Anzahl vergeben werden. Auch für die Werbung gibt es hier einen Sonderweg. Der Knackpunkt sind die Online-Casinos, welche per Gesetz verboten sind. Somit trifft dies auch auf die Werbung zu. Dass sich entsprechende Anbieter auf die EU-Dienstleistungsfreiheit berufen und durch ihren Standort im Ausland nur schwer greifbar sind, ist ein Problem. Der Fußball, wo Millionen Euro mit diesen Firmen fließt, ist ein Ansatzpunkt für Politik und Aufsicht. Wenn die Glücksspielaufsicht sich durchsetzt, dann gibt es im Prinzip unterschiedliche Modelle, wie diese Auseinandersetzung enden kann.

Die Fußballclubs könnten ihren Werbepartnern treu bleiben. Werben diese auch weiterhin für Casinos, so wäre es den Fernsehsendern verboten, eine Ausstrahlung vorzunehmen. Doch auch die TV-Sender zahlen viel Geld an die Vereine. So werden für die nationalen TV-Rechte von der Saison 17/18 bis zur Spielzeit 20/21 an die DFL immerhin 4,64 Milliarden Euro ausgeschüttet. Wir reden also von 1,16 Milliarden Euro die Saison. Und dass ist noch deutlich mehr, als die Vereine in der Regel mit ihren Werbepartnern einnehmen. Tipico ist übrigens seit Januar 2018 Partner der Deutschen Fußball Liga (DFL). Während Tipico im Vereinsfußball mit einem Einsatz von 11,05 Millionen wirbt, sind es bei bwin 6,45 Millionen Euro. Hierbei handelt es sich um die beiden Spitzenreiter. Die Fernsehwerbung ist hier nicht inbegriffen.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Glücksspielanbieter ihre Online-Casinos für deutsche Kunden sperren. Das Sportwetten-Angebot würde erhalten bleiben. So wären die Verträge im Fußball weiterhin gültig. Eventuell reicht es auch hin, wenn die Werbung in den Stadion deutlich macht, dass jeweils nur für die Wetten geworben wird. Ob hier eine gesetzeskonforme Ausgestaltung möglich ist, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist nicht mit einem generellen Verbot von Fußball im Fernsehen zu rechnen – auch wenn die Aufsichtsbehörden dies gewissermaßen androhen. Fans, Vereine und Werbepartner würden auf die Barrikaden gehen. Und dies liegt ohne Zweifel nicht im Interesse der Verantwortlichen.

Verantwortung von DFL und DFB: Experten sehen die Fußball Liga und den Fußball Bund von Deutschland in der Position, seine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrzunehmen. Der Fokus sollte auf die Förderung von Sport und Jugend und nicht auf das Hofieren der Sportwetten gelegt werden.

Verschwindet Fußball mit der Glücksspiel-Werbung aus dem TV? 1200 1000 2019-03-11 09:28:20 Online-Casino.de

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