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Westspiel-Verkauf gestartet: Wer schnappt sich die Casinos?

Martin Hill, 21. Dezember 2020, Wirtschaft

Bildquelle: Westspiel GmbH

Bis hierher war es eine lange Reise. Denn bereits am 8. Mai 2018 beschloss die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die Privatisierung der Westspiel Casinos. Somit hat es länger als zwei Jahre gedauert, bis der Verkauf jetzt endlich eingeleitet werden konnte. Letzte rechtliche Stolpersteine wurden aus dem Weg geräumt. Die Interessenten stehen in den Startlöchern oder haben eventuell schon Gebote vorbereitet. Am vergangenen Freitag (18. Dezember 2020) wurde die EU-weite Ausschreibung im Amtsblatt verkündet. Doch wer darf sich nach der Bieter-Schlacht die Casinos in Duisburg, Dortmund (Hohensyburg), Bad Oeynhausen und Aachen einverleiben?

Bei allen wirtschaftlichen Interessen sollte keinesfalls in den Hintergrund gerückt werden, dass die Westdeutschen Spielbanken derzeit 900 Angestellten ein monatliches Gehalt bezahlen. Folglich geht es bei der Ausschreibung möglichst auch um die Sicherung dieser Arbeitsplätze. Das Vergabe-Verfahren steht unter der Aufsicht der Warth & Klein Grant Thornton AG. Dabei handelt es sich um eine Wirtschaftsprüfergesellschaft. Generell ist es bei manchen Unternehmen ein offenes Geheimnis, dass sie am Bieter-Poker um Westspiel teilnehmen werden. Doch wer am Ende den Zuschlag erhält ist völlig offen. Bevor wir auf die Bieter-Seite gucken, wollen wir die letzten Monate und Jahre mit Blick auf Westspiel nochmal Revue passieren lassen.

Verkauf von Westspiel: Eine Geschichte von 2018 bis heute

Wie eingangs bereits erwähnt, beschloss die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen bereits am 8. Mai 2018 die Privatisierung der Westspiel Gruppe. Nach längerem Hin und Her trat am 3. Juni 2020 ein neues Gesetz über die Zulassung öffentlicher Spielbanken im Land Nordrhein-Westfalen (SpielbG NRW) in Kraft. Denn dort ist jetzt geregelt, dass im Bundesland erstmals Spielcasinos in privater Hand betrieben werden dürfen. Dies war die Voraussetzung, damit sich überhaupt Bieter aus Deutschland, der EU und eventuell weltweit an der Bieter-Schlacht beteiligen. Jetzt ist also der Betrieb sichergestellt. Am 18. Dezember 2020 stand für die Privatisierung ein entscheidender Schritt an. Denn es folgte die internationale Bekanntmachung im EU-Amtsblatt (hier einzusehen). Auch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat Westspiel auf dem E-Vergabemarktplatz eingestellt. Dort lassen sich die entsprechenden Dokumente auf Englisch und falls vorhanden auf Deutsch einsehen.

Womit wir direkt beim Vergabeverfahren angekommen sind. Aus Experten-Kreisen ist zu vernehmen, dass ohnehin nur eine Handvoll Unternehmen Interesse an einer Westspiel-Übernahme haben. Sollten mehr als drei Bewerbungen eingehen, die obendrein die Mindestkriterien erfüllen, so gibt es weitere Rubriken anhand derer eine Bewertung stattfindet. Zu 30 Prozent fließt ein, ob die Bieter in den letzten 36 Monaten Spielbanken mit stationärem Spiel und Automatenspiel betrieben haben. Weiterhin geht zu 25 Prozent ein, ob die Bewerber in den letzten drei Geschäftsjahren in der Glücksspielbranche tätig geworden sind. Zu 20 Prozent wird bewertet, ob Umsatzerlöse von einer Millionen Euro oder mehr in den letzten drei abgeschlossenen Geschäftsjahren vorzuweisen sind. Zuletzt zählen zu 20 Prozent die durchschnittlichen Umsatzerlöse und zu fünf Prozent die Umsätze aus dem gastronomischen Bereich. In jeder dieser Kriterien ist ein Maximum von 18 Punkten zu erreichen.

Auswahl treffen: Allem Anschein nach streicht das Land Nordrhein-Westfalen die qualifizierten Bewerber auf drei Stück zusammen und ermittelt den Sieger des Bieter-Wettstreits anhand einer Punktetabelle.

Westspiel: Unternehmenswert, Jahresbilanz und realistische Bieter

Westspiel Übernahme: Wer passt nach NRW? / Shutterstock.com

Grundsätzlich hat sich der Verkauf auch deshalb hingezogen, weil sich die Politik diesbezüglich nicht einig war. Einige Vertreter sehen den Staat nicht gerne am Glücksspieltisch sitzen. Andere sehen wiederum lieber den Staat beteiligt, der eher auf den Spieler- und Jugendschutz achtet, als Privatleute. Übrigens ist die Westspiel Gruppe laut Unterlagen auf 2,7 Milliarden Euro taxiert. Doch so tief werden die Interessenten keinesfalls in die Tasche greifen müssen. Um dies zu erkennen reicht ein Blick auf die letzten Geschäftsjahre. Denn 2019 stand seit Jahren überhaupt das erste Mal wieder ein Überschuss zu Buche. 3,2 Millionen Euro wurden dabei erwirtschaftet. Eine Prognose über die Höhe des Verkaufserlöses wollen wir nicht wagen. Doch natürlich werden wir über die Übernahme berichten, wenn es soweit ist. Bis zum 1. Februar 2021 können Anträge eingereicht werden. Damit qualifizieren sich die Interessenten für die Bieter-Phase.

Nach erfolgter Auswahl geht die Eigentümerschaft dann vermutlich zum Jahr 2022 mit der Lizenzvergabe einher. Doch wer kalkuliert gerade seine Gebote? Dass die Gauselmann Gruppe aus dem deutschen Espelkamp interessiert ist, ist bekannt. Aber auch Novomatic aus Österreich könnte ein Angebot abgeben. Gleiches gilt für die Casinos Austria AG, die schon in Niedersachsen für 90 Millionen Euro Spielbanken übernommen hat (2004). Ein vierter Bieter könnte Tipico sein. Der auf Sportwetten und Casino-Spiele spezialisierte Online-Anbieter könnte jedoch wegen der hohen Anforderungen aus dem Raster fallen. Da die Ausschreibung international erfolgt ist, können natürlich alle Interessenten, welche die Mindestanforderungen erfüllen, in den Bieterwettstreit einsteigen.

Vier Casinos plus zwei Konzessionen: Tatsächlich geht es bei der Abgabe von Geboten nicht nur um die vier bekannten Standorte in Duisburg, Dortmund (Hohensyburg), Bad Oeynhausen und Aachen. Denn zwei weitere Konzessionen gehören zur Lizenzvergabe hinzu. Schon länger wird über den Bau eines Spielcasinos in Köln Auch in Düsseldorf könnte ein Casino entstehen.

Westspiel-Verkauf gestartet: Wer schnappt sich die Casinos? 1200 1000 2020-12-21 15:46:47 Online-Casino.de

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