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WHO erkennt Spielsucht erstmals offiziell als Krankheit an

Dieter Maroshi, 3. Januar 2018, Sport & Spiel

Führt Gaming zur Sucht? (Bildquelle)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fungiert als koordinierende Behörde für die Vereinten Nationen. Mit Sitz in Genf wird beispielhaft entschieden, welche Krankheitsbilder offiziell anerkannt werden. Jetzt ist die Spielsucht in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Konkret ist die Videospiel-Sucht gemeint. Der Fachbegriff in der englischen Sprache soll als „Gaming Disorder“ in die internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme aufgenommen werden.

Suchterscheinungen sind bei modernen Computerspielen immer mal wieder zu beobachten. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat dieses Phänomen weiter zugenommen. Nehmen wir World of Warcraft als Beispiel. In diesem Online-Rollenspiel gilt es täglich neue Gegenstände zu finden, den Charakter aufzuwerten und sich mit virtuellen Freunden zu treffen. Alle diese Faktoren können eine Sucht bestärken.

Achtung: Nicht jeder Computerspieler ist gleich süchtig!

Häufig werden Computerspieler über einen Kamm geschert. Grundsätzlich handelt es sich um ein solides Hobby, welches von den meisten Menschen zur Entspannung ausgeführt wird. Schüler und Studenten setzen sich in ihrer Freizeit vor den PC, ebenso wie Angestellte und Selbstständige nach der Arbeitszeit. Ein Querverweis zum Alkohol ist naheliegend. Denn wer ab und zu am Abend mal ein Bier mit Freunden trinkt, der ist längst nicht Alkoholabhängig. Die Tatsache der Dauerhaftigkeit macht aus dem Erlebnis eine Sucht. Natürlich hat sich die Weltgesundheitsorganisation auch in Hinblick auf die Klassifizierung des Krankheitsbildes geäußert.

Spielsüchtige haben dem Computerspiel einen immer größeren Stellenwert in ihrem Leben eingeräumt. Dies wird folglich in der zeitlichen Komponente deutlich, in welcher die Spiele ausgeübt werden. Schlussendlich ordnen sich die anderen Inhalte des Lebens völlig dem Spielen unter. Um als Spielsucht anerkannt zu werden, muss ein weiterer Faktor vorliegen: Der Spieler beendet sein Computerspiel auch dann nicht, wenn ihm dadurch eindeutig negative Konsequenzen drohen. Diese können beruflicher oder persönlicher Natur sein.

Für die Spielsucht ist es unerheblich, ob ein Computerspiel online oder offline ausgeführt wird. Maßgeblich sind die gestörte Kontrolle über das Spielen, die Priorisierung der Tätigkeit gegenüber anderen Lebensbereichen und das Ausführen trotz drohender, negativer Konsequenzen.

Wo hat die Weltgesundheitsorganisation die Spielsucht eingenordet?

Zunächst einmal möchten wir einen gravierenden Unterschied herausarbeiten. Denn zwei Arten der Spielsucht sind von der WHO erfasst. Einmal handelt es sich um die hier bislang behandelte Videospiel-Sucht. Diese „Gaming Disorder“ ist in der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) eingeordnet. Zum Jahr 2018 soll die neue Auflage ICD-11 erscheinen, die seiner Verabschiedung im Mai entgegensieht. Allerdings ist die Beta-Version der ICD-11 auf der Homepage bereits einzusehen. Interessenten können sich dort über neue Krankheitsbilder und deren Symptome informieren. Wer die „Gaming Disorder“ sucht, schlägt in der Kategorie 06 „Mental, behavioural or neurodevelopmental disorders“ nach.

Allerdings findet sich in derselben Kategorie auch die Beschreibung zum „Gambling Disorder“. Damit ist die Glücksspielsucht gemeint. Laut ICD-10, unter F63.0, ist das pathologische oder zwanghafte Spielen unlängst als Krankheit anerkannt. Umgangssprachlich hat sich in Deutschland der Begriff Spielsucht durchgesetzt. Allerdings muss jetzt zwischen der Videospielsucht und der Glücksspielsucht unterschieden werden. Bei letzterem stehen inzwischen auch mobile Suchterscheinungen im Fokus. Die Krankheitsbilder sind zusammen mit abnormen Gewohnheiten, wie der Kleptomanie oder Pyromanie aufgeführt. Bei der Glücksspielsucht verstärkt das positive Empfinden im Gewinnfall den Suchtfaktor. Das Erleiden von Verlusten wird unterdessen heruntergespielt.

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gab es im Jahr 2016 241.000 Spieler mit einem problematischen Spielverhalten und 215.000 Spieler mit pathologischem Spielverhalten in Bezug auf die Glücksspielsucht. Für die Video-Spielsucht liegen noch keine Daten vor.

Glücksspielsucht und Videospielsucht: Warum eine Unterscheidung nötig ist

Besser Spielsucht vorbeugen, als nachsorgen. (Bildquelle)

Auf den ersten Blick könnten beide Verhaltensweisen über einen Kamm geschoren werden. Denn jeweils lassen die Betroffenen nicht vom Spielen ab, verlieren den Überblick über die Zeit und vergessen vollkommen ihr Umfeld, bis hin zu negativen Konsequenzen. Dennoch gibt es Unterschiede, die sich auch in der Altersstruktur äußern. Glücksspiele sind in Deutschland erst ab 18 Jahren gestattet. Dahingegen haben die meisten Kinder frühzeitig Zugriff auf eine Konsole oder zumindest auf das Smartphone oder Tablet von den Eltern. In diesem Sinne wird der Kontakt zu einem Videospiel viele Jahre früher hergestellt. Normalerweise hat ein Jugendlicher irgendwann Zugriff auf einen PC und sei es nur, um für die Schule zu arbeiten. Dennoch findet sich schnell eine weitere Quelle, um Computerspiele auszuüben, im Haushalt.

In unserer digitalen Welt lässt sich kaum vermeiden, dass das Spieleangebot rund um die Uhr zur Verfügung steht. Allerdings lässt sich über die Erziehung vieles regeln. So könnten Zeiten festgesetzt werden, in denen am Computer, der Konsole oder sonstigen Systemen gespielt werden darf. Gleiches gilt natürlich für das Smartphone. In diesem Sinne ist wichtig, dass sich auch die Eltern an die eigenen Vorschriften halten. Denn wenn die Erwachsenen nicht mit gutem Beispiel vorangehen, sehen die Kinder häufig keinen Grund sich an die erlassenen Regeln zu halten. Natürlich erkranken auch Erwachsene an Videospielsucht. Hier sollten Computerspieler sich regelmäßig hinterfragen, ob sie ihr Spielverhalten unter Kontrolle haben.

Laut WHO ist eine Diagnose bezüglich „Gaming Disorder“ erst nach 12 Monaten zu stellen. Sollten alle Symptome in einem unverkennbaren Schweregrad auftreten, darf die Dauer jedoch verkürzt werden.

WHO erkennt Spielsucht erstmals offiziell als Krankheit an 300 250 2018-01-03 16:15:58 Online-Casino.de

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