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Betriebsräte von Casinos Austria proben den Aufstand

Martin Hill, 21. Februar 2018, Wirtschaft

Logo der Casinos Austria aus Österreich

Die Casinos Austria sind ein teilstaatliches Unternehmen, auch als Casag bekannt. Im vergangenen Jahr wurde Alexander Labak als Generaldirektor bestimmt. Dessen Führung wird jetzt aufs Schärfste kritisiert. Vertreter der Belegschaft haben die schlechte Stimmung in der Firma angesprochen und sogar darauf verwiesen, dass Labak nicht gesprächsbereit ist. Dabei hat der Generaldirektor nicht nur die herkömmliche Belegschaft, sondern auch diverse Führungskräfte gegen sich aufgebracht.

Brisant an dieser Situation ist, dass Labak als Vertrauensmann der tschechischen Sazka-Gruppe gilt. Kurz vor Weihnachten ist diese Gruppe der größte Aktionär bei der Casag geworden. Die Tschechen halten jetzt 34 Prozent des Glücksspielkonzerns. Der Schlüssel dazu war die Übernahme der 23 Prozent Anteile vom Raiffeisenkonzern Leipnik Lundenburger und der Uniqa-Versicherung. Damit haben die Tschechen sogar die staatliche Holding in ihren Anteilen (33,24 Prozent) knapp überholt. Weitere 17 Prozent hält das österreichische Traditionsunternehmen Novomatic.

Belegschaft erbost über das Verhalten von Labak: „speak out – or shut up“

Wie zerrüttet das Verhältnis bereits ist, zeigt die Maßnahme der Belegschaft. Denn ein offener Brief ist nicht nur an den Generaldirektor verschickt worden. Insgesamt haben über 100 Personen das Schreiben erhalten. Daher dauerte es nicht lange, bis das Dokument auch bei der Spitze der Gewerkschaft und in Kreisen der Regierung angelangt war. Als Verfasser ist Manfred Schönbauer als Zentralbetriebsratsobmann für die geschriebenen Zeilen verantwortlich. Es wird massive Kritik am Verhalten von Labak gegenüber Mitarbeiter und der Führung deutlich.

Besonderen Anstoß nahmen die Betroffenen von der Formulierung „speak out – or shut up“. Freundlich übersetzt könnten diese Worte mit „sprecht es aus oder haltet den Mund“ übersetzt werden. Dies war die Antwort von Aleksander Labak auf die Bitte um ein persönliches Gespräch. Intern hätte das Problem angegangen werden können, ohne die Zerrissenheit an die Öffentlichkeit zu tragen. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Sämtliche Angestellte wissen Bescheid, die Regierung ebenso und durch die Medien wissen es auch die Bürger. Nachfolgend möchten wir den ersten Auszug aus dem Schreiben von Schönbauer an Labak vorstellen.

„Sehr geehrter Herr Generaldirektor, werter Alex, im Zuge des Management-KickOffs vom 30. Jänner wurden in den dort stattfindenden Workshops von einigen Bereichsleitern der Unternehmensgruppe, Casinodirektoren und Belegschaftsvertretern Missstände und Stimmungslagen offen angesprochen. Das Ersuchen um ein „internes Gespräch“ dazu hast du abgelehnt. Vielmehr hast du uns, sowohl mit deiner Wahl der Form des Forums als auch mit der Vorgabe „speak out – or shut up“, in eine vermeidbare Situation gezwungen.“

Gab es eine Eskalation bei der Management-Klausur Ende Januar?

Novomatic zeigt Interesse an Casag Auslandssparte

Am 30. Januar hat eine Klausur stattgefunden, bei der das Management beteiligt war. Hier wurde bereits große Kritik laut. Denn den Führungsteams der Direktoren wurde jegliche Art der Gestaltung aus der Hand genommen. Gleichwohl blieben gesetzt Zielvorgaben erhalten. Schönbauer sprach diesen Missstand ebenfalls an und klärte über die unterschwellige Botschaft auf, sonst seinen Platz im Team zu verlieren. Ebenfalls haben die Mitarbeiter Anstoß daran genommen, dass Labak die Videoüberwachung missbraucht hat. Selber hat sich der Generaldirektor, der gerade in Australien verweilt, noch nicht zu Wort gemeldet.

Unter den Miteigentümern und beim Aufsichtsrat haben ebenfalls die Pläne die Sparte der Casinos Austria International zu verkaufen, große Wellen geschlagen. Aktionäre, wie die Novomatic, haben sofort Interesse angemeldet. Andererseits stößt dieser Schritt auf Unverständnis. Denn die Tochter des teilstaatlichen Konzerns umfasst ein Portfolio mit 32 Casinos. Gleichwohl sind dort 1.600 Mitarbeiter angestellt. Außerdem fährt diese Sparte erst seit kurzem wieder operative Gewinne ein und ist auf einem guten Weg. Die Perspektive auf ein weiteres Wachstum ist definitiv gegeben. Nachfolgend möchten wir auf den zweiten Part des offenen Briefes zu sprechen kommen.

„Wenn eine Kombination von aus Spielerschutzsicht teilweise bedenklichen und vom umsatzmäßigen Aspekt her unbedeutenden Maßnahmen bereits derartige Konflikte bis hin zu massiven Beschwerden von etlichen Ertragsgästen verursachen, ist aus unserer Sicht die gemeinsame Zielsetzung für ein erfolgreiches Weiterentwickeln unseres Unternehmens von dir und Geschäftsbereichsleiter Schütz nicht mehr gegeben.“

Ist ein Abverkauf der Casag International überhaupt eine Option?

Experten sehen die Verkaufsstrategie von Labak als fragwürdig an. So wurden zwei Sitzungen des Aufsichtsrates zu diesem Thema schon kurzfristig ausgesetzt. Zuletzt gab es die Order das Thema vom Aufsichtsrat an die Hauptversammlung zu delegieren. Dadurch wäre die Republik, in diesem Fall bestehend aus der Staatsholding, übergangen worden. Denn in der Hauptversammlung hat der Mehrheitsaktionär, die Sazka-Gruppe, die Zügel in der Hand. Im Aufsichtsrat hat die ÖBIB jedoch die Oberhand.

Die Auslandssparte von Casinos Austria soll sich, laut Buchwert, auf einen Gegenwert in einer Größenordnung von 170 bis 180 Millionen Euro beziffern. Allerdings hat die Casag ein Wertgutachten in Auftrag gegeben, welches von einer Summe von über 200 Millionen Euro spricht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass keinesfalls zu einem günstigeren Preis verkauft wird – wenn überhaupt. Denn von der Notwendigkeit einer Abstoßung ist zumindest die Staatsholding nicht überzeugt. Die Regierung hält es für bedenklich, dass ein möglicher Verkauf offen kommuniziert wird, wo doch intern zu diesem Thema noch gar keine Einigkeit besteht. Schließen möchten wir mit dem finalen Auszug aus dem offenen Brief von Schönbauer.

„Mit der missbräuchlichen Verwendung unserer zentralen Surveillance hat ihr in diesem Zusammenhang ein weiteres Mal eine rote Linie überschritten. Der Bruch einer – in diesem Fall noch dazu hoch sensiblen – Betriebsvereinbarung stellt diese rote Linie dar.“

Betriebsräte von Casinos Austria proben den Aufstand 1200 1000 2018-02-21 15:46:53 Online-Casino.de

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