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Buchmacher verzichten auf Sportwetten-Lizenzen ab 2020

Sabina Kugler, 13. Dezember 2019, Sport & Spiel

Sportwetten Lizenzen sind nicht attraktiv genug / Shutterstock.com

Sportwetten sind ab 2020 erlaubnispflichtig. Diesbezüglich stellt das Hessische Ministerium des Innern, über das Regierungspräsidium in Darmstadt, entsprechende Lizenzen aus. Bewerbungen dazu können schon längere Zeit entgegengenommen werden. Doch bei der Vergabestelle tritt so langsam eine gewisse Nervosität ein. Denn bisher hat sich kein Buchmacher dazu entschlossen, einen Antrag auf Bewerbung einzureichen. Aus Hessen wird folglich gemahnt, dass die Online-Wetten ab 2020 ohne Konzession illegal feilgeboten werden. Innenminister Peter Beuth von der CDU fügte an, dass ab dem neuen Jahr keine Duldung mehr gilt.

Brechen also schwere Zeiten für die Wettanbieter im Internet an? Doch müssen wir unbedingt hinter die Kulissen gucken. Denn es sind keine finanziellen Gründe, welche die Buchmacher von einer Bewerbung für die Sportwetten-Lizenz 2020 abhalten. Vielmehr sind es die strikten Einschränkungen des eigenen Geschäftsmodells. Mindestens eine Sparte müsste vermeintlich aus jeder Glücksspiel-Plattform entfernt werden. Denn während die Konzessionierung nur die Sportwetten umfasst, sind die Anbieter unlängst darüber hinaus tätig.

Sportwetten-Dilemma: Zwei Seiten der Medaille Glücksspielregulierung

Die Ziele der Politik mögen ehrenwert sein. Denn nicht zuletzt sollen die Spieler geschützt werden. Dazu müssen sich die Wettanbieter ein Stück weit den Vorschriften des Landes unterordnen. Damit sollten die Buchmacher eigentlich kein Problem haben. In anderen Ländern wird es ebenso gehandhabt. Tatsächlich ruft die Branche selber schon seit Jahren nach einer Regulierung des Glücksspiels. Denn nur so kann sicher und den Vorschriften entsprechend gearbeitet werden. Wenn wir es genau nehmen, ist es ein großes Versäumnis der Politik, dass bislang keine durchsetzbaren Regeln gelten. Verbote haben bislang nix bewirkt. Die damalige Vergabe von Sportwetten-Konzessionen an 20 Anbieter ist gescheitert. Schleswig-Holstein ging seinen eigenen Weg. Ein großes Durcheinander entstand. Und jetzt scheint die Politik mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Alle Buchmacher, die 2020 ohne Lizenz arbeiten, müssen mit Maßnahmen rechnen.

Ein erster Schritt wäre wohl eine Unterlassungsverfügung. Dennoch ist nicht anzunehmen, dass die Wettanbieter ihr Geschäft aufgeben. Doch eine Bewerbung scheint derzeit ebenfalls schwierig. Sogar die internen Anwälte raten von einer Anfrage diesbezüglich ab. Warum? Wer sich aktuell auf eine Konzession für Sportwetten bewirbt, der kannibalisiert sein eigenes Angebot. Denn damit hätten sich die Anbieter letztlich dem deutschen Recht unterworfen. Dieses untersagt stand jetzt noch das Casino-Spiel. Von 2011/12 an bis jetzt beriefen sich die Buchmacher entweder auf ihre Schleswig-Holstein Lizenz oder auf die Konzession von Malta in Verbindung mit der europäischen Freiheit auf Dienstleistung. Tatsächlich hat die EU schon mehrfach die deutsche Gesetzgebung hinsichtlich des Glücksspiels angeprangert. Stand jetzt ist durchaus anzunehmen, dass es die Anbieter von Glücksspielen in Deutschland auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen.

Hessen sieht eigenes Glücksspielgesetz als Grundlage: Ziel ist es, dass Anbieter ab 2020 nur noch mit einer gültigen Lizenz ihren Betrieb fortführen dürfen. Diese Maßnahme solle laut dem Bundesland bestenfalls auch im 3. Glücksspielstaatsvertrag geregelt sein. Da sich bislang kein Bewerber gemeldet hat, scheint die derzeit geplante Regulierung nicht auf Gegenliebe zu stoßen.

Nimmt der Irrweg im deutschen Glücksspielrecht kein Ende?

Fällt die Entscheidung vor Gericht? / Shutterstock.com

„Sollen unsere weiteren Änderungsvorschläge ungehört bleiben, wird Hessen ein eigenes Glücksspielgesetz einführen müssen. Ein simples, weiter so ab 2021 wird es mit Hessen nicht geben. Notfalls werden wir eine eigene landesrechtliche Regelung schaffen.“ Diese deutlichen Worte richten sich weniger an die Buchmacher, als vielmehr an die anderen Bundesländer und deren Ministerpräsidenten. Hessen ist hier in der günstigen Situation das Personal vor Ort zu haben. Auch die Technik, von der Sperrdatei OASIS, bis hin zum Safe Server, ist vor Ort vorhanden. Das Regierungspräsidium in Darmstadt wird aktuell in Deutschland zur größten Glücksspielbehörde ausgebaut. Hessen behält sich also seinen eigenen Weg offen, sollte der 3. Glücksspielstaatsvertrag nicht die gröbsten Missstände ausräumen.

Während in Hessen scheinbar der konservative Weg gewählt wird, stehen andere Bundesländer der Regulierung liberaler entgegen. Nehmen wir Schleswig-Holstein als Beispiel. Hier wird nämlich neben einer Lizenzierung der Sportwetten, ebenso eine Zulassung der Online-Casinos gefordert. Einige Ministerpräsidenten sind für eine weitere Öffnung des Marktes. Andere möchten die Verbote erhalten, ausweiten und unbedingt durchsetzen. Stand jetzt ist keine Einigung abzusehen. Demzufolge könnte das Online-Glücksspiel in Deutschland weiterhin ohne einheitliche Regulierung bleiben. Letztlich steht es jedem Bundesland frei, die Glücksspiele über das Landesgesetz zu regeln. Somit könnten in Schleswig-Holstein schon bald andere Regeln gelten als beispielsweise in Hessen. Doch eine Landesgesetzgebung kann weder im Sinne der Spieler, noch der Anbieter oder der Politik sein. Das deutsche Glücksspiel steht an einem Scheideweg.

Buchmacher wollen Lizenzierung: Die Wettanbieter möchten in Deutschland legal sein. Doch ihr Geschäftsmodell möchten sie beibehalten. Und dieses beinhaltet neben den Sportwetten ebenso das Casino-Spiel.

So versucht die Politik die Wettanbieter zu knacken

Ziel ist es, die Online-Wettanbieter den deutschen Gesetzen zu verpflichten. Angriffspunkte scheinen hier kaum die Unternehmen selber. Diese sind auf Malta lizenziert und nur schwer zu greifen. Doch über die Zahlungsanbieter und ein Werbeverbot im Fernsehen und den Fußballstadien wird derzeit Druck ausgeübt. Doch bei den Zahlungsdienstleistern gibt es viele Alternativen. Einige, wie die Kryptowährungen, sind ebenfalls von Deutschland aus nur schwer anzugehen. Und soll die Werbung in den Stadien verboten werden, so sind vermutlich nicht nur die Rechtsabteilungen der Buchmacher, sondern auch der Bundesligisten involviert. Mit einer Bewerbung auf die Sportwetten Lizenz ist derzeit nicht zu rechnen. Vielmehr scheinen die Unternehmen das Jahr 2020 abwarten zu und etwaige Verfügungen an die Rechtsabteilung weiterreichen zu wollen.

Die Pressemitteilung zum illegalen Wetten und Zocken vom Hessischen Ministerium des Innern und Sport lässt sich online einsehen.

Buchmacher verzichten auf Sportwetten-Lizenzen ab 2020 1200 1000 2019-12-13 08:40:55 Online-Casino.de

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