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Coin Master ruft USK auf den Plan: Alt genug für Glücksspiel?

Christian Webber, 14. August 2020, Unterhaltung

Coin Master: Beliebtes Spiel mit Glücksspiel-Elementen / Shutterstock.com

Fast jeder hat seine liebste „Spielekonsole“ heutzutage in der Hosentasche. Wir Deutschen sind nämlich vom Gaming auf dem Smartphone begeistert. Und ein sehr beliebtes Spiel ist Coin Master. Bei diesem Game geht es jedoch darum, sich über eine Art Glücksspiel Münzen zu verdienen, um damit seine Siedlung zu gestalten. Dies hat jetzt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) auf den Plan gerufen. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Kontrolle von Computerspielen, welche eine Einschätzung für das empfohlene Alter des Spielers abgibt. So dienst die USK für viele Eltern als Maßstab, ob ihr Kind bereits spielen darf. Glücksspiel war für die USK bislang kein Thema. Dies soll sich jetzt ändern.

Was waren bislang die Maßstäbe der USK? Da hätten wir natürlich einmal die Gewaltdarstellung in Spielen. Dieser Faktor kann sogar dazu führen, dass Games in Deutschland indiziert sind – also gar nicht offiziell auf den Markt kommen. Auch zu große Freizügigkeit beim Thema Sex erhöht für ein Game die Altersempfehlung. Diese wird entweder ab 0, 6, 12, 16 oder 18 Jahren ausgesprochen. Und zukünftig soll der Faktor Glücksspiel ebenso Berücksichtigung finden. Doch wie so häufig gibt es Ausnahmen von der Regel.

Coin Master: Eine Mischung aus Kinderspiel und Spielautomat?

Was ist Coin Master für ein Spiel? Obwohl der Fall relativ neu ist, existiert das Game schon seit dem Jahr 2015. Es handelt sich um ein Onlinespiel, welches via App auf den Smartphones betrieben wird. Die Kritik, dass Coin Master Kinder und Jugendliche gezielt erste Erfahrungen mit dem Glücksspiel ermöglicht, ist hingegen nicht neu. Das Spielprinzip ist simpel. Als Spieler musst du ein virtuelles Dorf errichten und erhalten. Über 260 Level sorgen für langanhaltende Spielfreude. Um das Dorf mit Neuerungen, Verbesserungen oder Erweiterungen auszustatten, ist eine Währung – Coins – nötig. Um einen Spielfortschritt zu erreichen, müssen die Spieler Glück am einarmigen Banditen haben. Denn nur so gibt es die dringend benötigten Münzen. Stündlich darf fünf Mal am spielinternen Slot gedreht werden. Doch natürlich will das Game Gewinne einfahren. Daher ist es den Kunden möglich, via Echtgeldzahlung weitere Spins zu erwerben. Käufe von Futter für die Tiere des Dorfes sind ebenfalls erlaubt.

Eine Art Glücksspiel ist also nötig, um das Dort zu entwickeln. Und dabei handelt es sich letztlich um das Spielziel. Gleichwohl richtet sich das Design ohne Frage an Kinder. Dazu reicht uns ein Blick auf die Figuren und Tiere im virtuellen Dorf. Alles ist auf bunt und niedlich getrimmt. Doch wieso hat gerade Coin Master ein solches Echo bezüglich des internen Glücksspiels hervorgerufen. Ganz einfach: Das Spiel ist sehr weit verbreitet. Es wurde weltweit mehr als 50 Millionen Male heruntergeladen. Das Entwicklerstudio Moon Active brachte Coin Master heraus. Finanziell unterstützt wurde das kleine Studio, welches keine weitere Spiele auf den Markt gebracht hat, von Gigi Levy-Weiss (888 Holdings) und Norbert Teufelberger (Bwin). In Deutschland warben unter anderem Daniela Katzenberger, Pietro Lombardi und Dieter Bohlen für das Game.

Coin Master ist wirtschaftlich erfolgreich: Das Spielkonzept funktioniert – zumindest aus wirtschaftlicher Sicht. Denn das Handygame soll Anfang des Jahres 2019 einen monatlichen Umsatz in Höhe von 11 Millionen US-Dollar (9,31 Millionen Euro) erzielt haben.

Jetzt befasst sich die USK mit Coin Master

Handygames sind sehr beliebt / Shutterstock.com

Glücksspielähnliche Elemente sind in den Computerspielen der vergangenen Jahre nichts Neues mehr. Bislang hat sich die USK jedoch zurückgehalten, diese Elemente in ihre Alterseinstufung einfließen zu lassen. Doch inzwischen hat der Beirat der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle seine Leitlinien diesbezüglich angepasst. Am vergangenen Donnerstag gab die USK eine entsprechende Pressemitteilung heraus. Der stellvertretende Geschäftsführer Lorenzo von Petersdorff äußerte sich diesbezüglich wie folgt: „Glücksspiel und Games sind getrennte Bereich und werden deshalb auch jugendschutzrechtlich unterschiedlich behandelt. Gerade bei den sogenannten Casino-Apps zeigt sich jedoch, dass glücksspielähnliche Spielmechaniken Einzug in den Medienalltag von Kindern und Jugendlichen finden können. Hier geht es vor allem darum, Kinder vor Inhalten zu schützen, bei denen Glücksspielmechaniken klar im Fokus stehen.“

Weiterhin ist davon die Rede, dass die „Prüfpraxis der USK noch praxisnäher gestaltet“ ist. Doch was genau nimmt die USK bei seiner Bewertung von Glücksspielen in Computerspielen auf? Zunächst einmal ist das Glücksspiel für Minderjährige in Deutschland verboten. Doch Spiele wie Coin Master sind lediglich mit glücksspielähnlichen Mechanismen ausgestattet. Denn ein Echtgeld-Einsatz ist hier nicht notwendig. Auch können keine geldwerten Gewinne erzielt werden. Jetzt will die USK jedoch eben solche glücksspielähnlichen Elemente in ihrer Alterseinstufung berücksichtigen. Doch trifft diese neue Bewertung nur auf den eigenständigen Inhalt des Spiels zu. Bei Coin Master ist dies der Fall, da der Automat zur Erlangung von Münzen, um dann wiederum das Dorf aufzuwerten, ein wichtiger Spielbestandteil ist. Lootboxen oder In-Game-Käufe sollen jedoch weiterhin nicht in die Bewertung einfließen.

Alterseinstufung von Coin Master: Nachdem Jan Böhmermann das Spiel aufs Korn genommen hat, reagierten die Betreiber selber. Seitdem ist das Game im Google Play Store mit einer Altersempfehlung ab 16 Jahren und im iOS Store sogar ab 17 Jahren gelistet. Lediglich über Amazon scheint ein Bezug ohne Alterseinschränkung noch möglich. Mal sehen wie lange noch.

Coin Master ruft USK auf den Plan: Alt genug für Glücksspiel? 1200 1000 2020-08-14 09:31:17 Online-Casino.de

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