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Deutsches Lotto: Staatliches Glücksspiel vor dem Aus

Martin Hill, 26. Februar 2018, Sport & Spiel

Lotto-Glück oder Lotto-Pech? (Bildquelle)

Ist das staatlich kontrollierte Glücksspiel in Deutschland nicht mehr zu retten? Schon im Januar sprach der Chef der sächsischen Lottogesellschaft von einem „Kollaps“ beim staatlichen Glücksspiel. Aus Schleswig-Holstein, vom parlamentarischen Geschäftsführer der CDU Hans-Jörn Arp wurde kürzlich folgender Satz nachgelegt: „Wenn in diesem Jahr nichts passiert, ist der Deutsche Lottoblock nicht mehr zu retten.“ Und auch Norman Faber, vom Faber Lotto-Service GmbH, schlägt in die gleiche Kerbe: Es ist „nur noch eine Frage der Zeit, bis das Spiel vor dem Aus steht“.

Von den Offiziellen entfällt viel Kritik an die Glücksspielgesetzgebung. Denn die Rechte und Gesetze schützen die staatlichen Angebote nur ungenügend. Seit 2008 ist der Glücksspielstaatsvertrag in Kraft. Private Anbieter hatten wegen diesem Gesetz keine Grundlage, ihr eigenes Lottospiel aufzuziehen. Im Gegenzug kamen starke Werbebeschränkungen zum Tragen. Haben diese Einschränkungen zum prophezeiten Untergang geführt?

Warum das staatliche Lotto in kürze ausgedient haben könnte

Bereits im Jahr 2006 argumentierten die Länder, dass das Sportwetten-Monopol auch für Lotto Anwendung finden müsse. Die Argumentationsgrundlage lag beim Spielerschutz. Denn nur der Staat sei in der Lage für den notwendigen Schutz zu sorgen. Diese Monopolstellung nahm etwaigen Wettbewerben von vorneherein den Wind aus den Segeln. Um für einen Ausgleich zu sorgen, um dem erhöhten Schutzbedürfnis Rechnung zu tragen, wurde eine Werbebeschränkung eingeführt. Es dauerte nur ein Jahr, bis die erschreckende Bilanz offenkundig wurde. Um eine Milliarde Euro waren die Umsätze innerhalb eines Jahres rückläufig. Seit diesem Einschnitt im Jahr 2006 sollen 36 Milliarden Euro verloren gegangen sein. Dies geht zumindest aus einer Rechnung vom Deutschen Lottoverband hervor.

Zwei Aspekte sind in diesem Zusammenhang hervorzuheben. Denn die Umsatzeinbußen gehen nicht nur auf die Schranken des Glücksspielstaatsvertrages zurück. Gleichwohl wuchsen die europäischen Lotterien, welche diesen Beschränkungen nicht unterworfen sind. Dies lässt sich auch im „Kleinen“ nachvollziehen, wie Thorsten Meinberg in seiner Rolle als Geschäftsführer von Hamburg Lotto darstellt. Er führt aus, dass beim Hauptblock Lotto 6 aus 49 jährlich knapp 70 Millionen Euro an Umsätzen, wohl gemerkt seit Einführung des Glücksspielstaatsvertrages, fehlen. Auf zehn Jahre hochgerechnet ergibt sich ein verminderter Umsatz in Höhe von 680 Millionen Euro. Faber führt seine Kritik ebenfalls weiter aus. Er rechnet vor, dass ungefähr 15 Milliarden Euro an Steuern für die Bundesländer verloren gingen. Das Lottomonopol, welches die staatlichen Belange schützen sollte, ist mit der Glücksspielgesetzgebung zum Eigentor geworden.

Werbebeschränkung unnötig? Experten verweisen in Bezug auf das Werbereglement beim staatlichen Lotto auf die Tatsache, dass bislang kein Fall von Lottosucht bekannt ist. Daher stellt sich die Frage, ob eine derartige Beschränkung sinnvoll ist.

Heutzutage spielen die Kunden Lotto im Internet

Glücksspiel im Internet ist inzwischen zum guten Ton geworden. Es ist bequem die Sportwette online abzugeben. Zudem ist die Auswahl an Wettoptionen viel größer als beim Staat. Selbst das virtuelle Casino protzt mit einer großen Auswahl und bietet sogar ein Live-Spiel an. Es ist nur naheliegend, dass auch Lotto seinen Weg ins Web gefunden hat. Allerdings ist im Internet von einem großen Grau- und Schwarzmarkt die Rede. Durch ausländische Lizenzen, die in der gesamten EU Gültigkeit haben sollen, wird das staatliche Monopol unterwandert. Dass dabei jegliche Kontrolle der Spieler verloren geht, ist selbsterklärend. Immerhin zahlen diverse Glücksspielanbieter dennoch in Deutschland ihre Steuern. Einige Schwarze Schafe verzichten jedoch auf die Abgabe, welche laut Gesetz nicht vorgesehen ist.

Schenek ist der Lotto-Chef von Sachsen. Er kritisiert die Aktivitäten der dubiosen Anbieter beim Lotto. Denn angeblich sollen ein Viertel der Bruttospielerträge in Deutschland auf diesen Markt entfallen. Dabei handelt es sich um Gelder, die an anderer Stelle fehlen. Immerhin war es den Einnahmen beim Lotto immer vorbehalten, an gemeinnützige Projekte und an Kulturangebote abgetreten zu werden. Zahlen aus Nordrhein-Westfalen belegen, dass allein dort 600 Millionen Euro jährlich von Westlotto in die Kassen gespült werden.

Private Lotterien: Wer privat ein Lottospiel anbieten möchte, beißt aktuell noch auf Granit. Wobei erste Gerichtsentscheide schon auf einen Wandel schließen lassen. Wann kommt es zur Lotto-Revolution?

Die Krux mit dem Glücksspielstaatsvertrag

Es ist nicht nur das Lottospiel, welches in den deutschen Gesetzen zum Glücksspiel nicht hinreichend bedacht ist. Poker und Online-Casinos finden praktisch gar nicht statt. Die Wirklichkeit sieht freilich anders aus. Und selbst die überaus beliebten Sportwetten sind eigentlich nur bei wenigen Anbietern erlaubt. Zum Jahr 2018 sollten neue Regeln in Kraft treten. Allerdings gab es Widerstand gegen die neuen Vorschriften, welche ebenfalls auf eine Regulierung von Casino und Poker verzichtet hätten. Experten sind sich einig, dass sich noch in diesem Jahr etwas tun muss. Sonst droht dem Lottomonopol das Aus. Vielleicht ist dieser Prozess schon gar nicht mehr aufzuhalten. Und eigentlich müssen die Regeln sogar über Sportwetten, Casinos und Lotto hinaus erweitert werden. Denn mit den E-Sports und Fantasy Football drängen weitere Sportarten und Glücksspiele auf den Markt, die einer Regulierung bedürfen.

Neuausrichtung der Glücksspielgesetzgebung: Nach langen Debatten scheint die Politik auf dem richtigen Weg. Die fünf Leitlinien für das Glücksspiel in Deutschland zeigen zumindest einen liberaleren Ansatz vor.

Deutsches Lotto: Staatliches Glücksspiel vor dem Aus 1200 1000 2018-02-26 16:00:26 Online-Casino.de

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