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Die unterbesetzte Glücksspielbehörde und deren Folgen

Ralf Schneider, 7. Juli 2021, Technik

Wie attraktiv sind Online-Casinos 2021? / Bild: Shutterstock.com

Die gute Nachricht vorweg: Der Staat richtet in Sachsen-Anhalt derzeit eine Glücksspielbehörde ein. Dort sollen dann alle Aufgaben bezüglich der Überwachung und der Vergabe von Lizenzen zusammenlaufen. Gleichwohl haben die Spieler dann eine Anlaufstelle für Beschwerden und können sich dort Informationen einholen. Gleiches gilt natürlich für die lizenzierten Anbieter. Diese haben jetzt einen Ansprechpartner. Erhält ein Online-Casino eine Lizenz, so darf es seine Spiele legal in Deutschland anbieten. Soweit, so gut. Doch noch ist die Glücksspielbehörde unterbesetzt. Aktuell sollen dort zwölf Mitarbeiter arbeiten. Und diese müssen sich zum Teil auch erst noch einarbeiten.

Natürlich stellt sich zuvorderst folgende Frage: Hätten diese Vorbereitungen nicht schon im Vorfeld getroffen werden können. Logisch wäre es gewesen, wenn die Glücksspielbehörde in Sachsen-Anhalt mit Gültigkeit des neuen Glücksspielstaatsvertrages handlungsfähig ist. Doch dafür dauerte die Hängepartie bei der Gesetzgebung zu lange. Die Bundesländer waren sich uneins. Längere Zeit sah es so aus, als würde gar kein Staatsvertrag für die Glücksspiele zustande kommen. Jetzt gibt es immerhin ein übergeordnetes Regelwerk, dem sich Kunden und Glücksspielanbieter unterzuordnen haben. Doch eines muss ebenfalls erwähnt sein. Die Glücksspielbehörde kann ihre Aufgaben aktuell noch nicht vollumfänglich wahrnehmen. Inwiefern die Überwachung aktuell noch auf der Strecke bleibt wollen wir einmal nachschlagen.

Funktioniert das 1.000 Euro Einsatzlimit bereits richtig?

Wunschlösung: Eigentlich ist es ganz einfach. Alle lizenzierten Glücksspielanbieter laufen in der Behörde gewissermaßen zusammen. Für die jeweiligen Spieler, die sich unter echtem Namen anmelden müssen, gibt es eine Datei. Die Einzahlungen bei allen Anbietern werden für den Kunden addiert. Und 1.000 Euro dürfen dabei nicht überstiegen werden. Ist das Limit erreicht, so sind weitere Zahlungen bei den angeschlossenen Online-Anbietern nicht mehr möglich.

Status Quo: Egal ob Sportwetten oder Casino-Spiele – Anbieter, die sich um eine Lizenz bemühen wollen, haben das Konzept bereits umgesetzt. Uns ist schon bei diversen Seiten aufgefallen, dass die Limitierung bezogen auf die Ersteinzahlung zumindest schon mal greift. Das wird die Glücksspielbehörde freuen. Doch das Manko liegt bei der Behörde selbst. Mit zwölf Mitarbeitern ist Sachsen-Anhalt dermaßen unterbesetzt, dass eine Überwachung nicht möglich ist. Auch ist nicht bekannt, inwieweit die technischen Voraussetzungen für eine übergreifende Überwachung vorliegen. Derzeit ist es also so, dass die einzelnen Anbieter zwar das Höchstlimit umsetzen. Allerdings lässt sich aktuell noch bei diversen Anbietern die Summe von 1.000 Euro einzahlen.

Probleme: Derzeit ist die Überwachung der Glücksspielanbieter noch auf die jeweiligen Landesbehörden aufgeteilt. Doch beim übergreifenden Einsatzlimit ist dies nicht möglich. Das Konzept funktioniert Stand jetzt also noch nicht richtig. Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass die Arbeiten in der Glücksspielbehörde im Jahr 2022 erweitert und erst im Jahr 2023 vollumfänglich durchgeführt werden können.

Hat bereits eine Lizenzvergabe von der Glücksspielbehörde stattgefunden?

Wann gibt es Lizenzen für Internet-Casinos? (Bildquelle)

Wunschlösung: Der deutsche Staat hat einen Kanalisierungsauftrag. Heißt das Glücksspiel soll in geordnete Bahnen gelenkt werden. Es scheint paradox, aber Erlaubnisse sind diesbezüglich der richtige Weg. Denn Spieler können nur reglementiert werden, wenn diese sich in der Legalität aufhalten. Es ist also das Ziel Lizenzen zu vergeben. Gleichwohl sollen die Glücksspiel-Kunden dann nur noch bei Anbietern spielen, die eine solche Konzession – ausgestellt in Deutschland – vorweisen können.

Status Quo: Bei den Sportwetten haben die meisten großen Buchmacher bereits eine Lizenz. Hier fing die Vergabe jedoch schon im Jahr 2012 an. Die Wettanbieter haben daher einen Vorsprung. Für die Online-Casinos sollte die Lizenzvergabe mit dem neun Glücksspielstaatsvertrag beginnen. Ob das Regierungspräsidium Darmstadt hier noch erste Konzessionen vergibt oder ob dies die erste Aufgabe der neuen Glücksspielbehörde in Sachsen-Anhalt ist, bleibt abzuwarten. Derzeit hat zumindest noch keine Internet-Spielothek eine deutsche Lizenz erhalten. Dennoch halten sich schon diverse Anbieter an die im Staatsvertrag festgeschriebenen Regeln. Sie wollen also eine Lizenzierung haben.

Probleme: Glücksspielseiten, die sich eine Lizenz sichern, sind benachteiligt. Im Vergleich zu landbasierten Casinos dürfen sie keine Tischsspiele (Roulette, Blackjack, etc.) anbieten. Und im Vergleich zu Anbietern, die nur eine EU-Lizenz vorweisen, fehlt es obendrein an einem höheren Limit in Bezug auf Einzahlungen und Einsätze. Daher könnten viele Spieler ihr Glück lieber in der Illegalität versuchen. Derzeit werden es die wenigen Mitarbeiter kaum schaffen die illegal agierenden Seiten trockenzulegen.

Gelingt es bereits Zahlungsströme zu unterbinden?

Wunschlösung: Unerlaubtes Glücksspiel soll durch die Kontrolle von Zahlungen eingedämmt werden. Der Staat will also den Zahlungsanbietern an den Kragen. Spieler sollen fürchten ihr eingezahltes Geld bei einem illegalen Anbieter nicht mehr abbuchen zu können. Beziehungsweise soll es bestenfalls gar nicht zur Einzahlung kommen. Sperren dieser Glücksspielanbieter durch IP-Blocking sind denkbar.

Status Quo: Aktuell sind Glücksspielseiten aus dem Ausland noch problemlos zu erreichen. Auch solche die keine deutsche Lizenz haben oder anstreben. Zahlungsströme können vom Staat nur bedingt kontrolliert werden. Gerade bei Kryptowährungen, MuchBetter und einigen anderen Zahlungsdienstleistern fehlt es an Zugriffsmöglichkeiten durch die Glücksspielbehörde. 2022 sollen sich hier angeblich die Kompetenzen erweitern.

Probleme: Es ist unwahrscheinlich, dass sich alle Zahlungsarten regulieren lassen. Besonders die Kryptos nehmen hier sicherlich eine Sonderrolle ein. Und selbst die IP-Sperren können im Prinzip spielend leicht mit einem Virtuellen Privaten Netzwerk (VPN) umgangen werden. Wie die Glücksspielbehörde dagegen vorgehen will, ist uns nicht bekannt. Ohnehin fehlt es der Behörde derzeit noch an Man-Power, um viele Ziele zu erreichen.

Die unterbesetzte Glücksspielbehörde und deren Folgen 1200 1000 2021-07-07 08:39:39 Online-Casino.de

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